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Wie zu Ur-Opas und Ur-Omas Zeiten gearbeitet wurde

„Kartoffelernte“ und „Erntezeit“ – zwei Gefache im Schafstall mit Ausstellungsstücken zum Leben und Arbeiten im 19. Jahrhundert: Stolz präsentiert Werner Heidenreich (Mitte) mit Karin und Reiner Gründer, Margot und Manfred Kruska und Werner Görse (von links) die ersten beiden Kapitel der Geschichte des „Bäuerlichen Hauswesens“. Foto Lohmann

„Kartoffelernte“ und „Erntezeit“ – zwei Gefache im Schafstall mit Ausstellungsstücken zum Leben und Arbeiten im 19. Jahrhundert: Stolz präsentiert Werner Heidenreich (Mitte) mit Karin und Reiner Gründer, Margot und Manfred Kruska und Werner Görse (von links) die ersten beiden Kapitel der Geschichte des „Bäuerlichen Hauswesens“. Foto Lohmann

Bisher ging es im Museumsdorf Bliedersdorf darum, ganze Häuser zu sichern, sammeln und wieder aufzubauen. Um „Bäuerliches Hauswesen“ geht es bei dem Projekt, das Werner Heidenreich jetzt im Schafstall des Bauernhaus-Ensembles umsetzt.

Von Sabine Lohmann Freitag, 08.07.2016, 16:46 Uhr

Wie zu Opas und Omas Zeiten gelebt und gearbeitet wurde, wie im 19. Jahrhundert Getreide und Kartoffeln geerntet, gekocht und Wäsche gewaschen wurde – das will Werner Heidenreich der Nachwelt überliefern. Im Schafstall auf dem Gelände des Vereins „Bäuerliches Hauswesen Bliedersdorf“ soll jedes Gefach (durch Balken begrenztes Feld beim Fachwerkbau) ein Themenbereich aufnehmen. Auch die Kapitel Imker, Hausschlachter, Torfabbau im Moor und Heideplacken will der 74-Jährige zum Jahresende fertig haben. Dann können die Schulklassen und an Heimatgeschichte interessierte Besucher kommen.

Wie er sich das vorstellt, hat der pensionierte Kreativdirektor aus der Werbebranche in Skizzen detailliert und anschaulich ausgearbeitet. Das Sammelsurium an gespendeten Schätzen, bisher ungeordnet in dem Fachwerkhaus gelagert, will er sichten, sortieren, bei Bedarf restaurieren und zur Schau stellen. Der Rest wandert ins Magazin auf dem neu geschaffenen Zwischenboden.

Ihm zur Seite stehen die Sammler Manfred und Margot Kruska aus Harsefeld, Karin und Reiner Gründer aus Bliedersdorf und Werner und Margret Görse aus Hemmoor. Die 59- bis 73-Jährigen haben die Zeit noch miterlebt, sind Experten darin, alte Handwerksgeräte zuzuordnen, zu benennen und Geschichten zu den Exponaten zu erzählen. Viele Sammlerstücke haben sie als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Die seien „goldwert“, sagt Vereinsmitglied Heidenreich.

Zwei Entwürfe hat der Bliedersdorfer bereits auf der Ausstellungsfläche umgesetzt. „Erntezeit“ steht in großen Buchstaben über einem Gefach, mittendrin ein großes Foto als Blickfang. Es zeigt eine Ernte-Szene aus den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Erntehelferinnen mit typischen Windhauben sitzen inmitten gebundener Stroh-Garben – „Fofftein“, sagt Werner Heidenreich. Die Arbeitsgeräte, die auf dem Bild zu sehen sind, liegen als Original im Gefach aus: Sensen, Heuharken und Forken in verschiedenen Größen, Scheffel, ein „Roof“, in dem Saatgut aufbewahrt wurde, eine „Worfschüffel“, mit der das Korn von der Spreu getrennt wurde. Eine Schaufensterpuppe trägt die Arbeitstracht von der Geest. Zu allem hat Werner Heidenreich etwas zu erzählen.

Auch das Gefach „Kartoffelernte“ ist voller Geschichten. Hier hängen Säcke mit dem Aufdruck „Gerken Bliedersdorf 28“, auf denen noch der Flicken geflickt wurde, weil sie so kostbar waren. Die Hofnummer 28 vom Hof Baumann findet sich auch auf den Kisten im Hillenboden (Zwischendecke im Stall) wieder. Mehrere Körbe, eine Kartoffelwaage und die Waage aus dem Laden von Kaufmann Christian Augustin gibt es hier zu sehen – und ein Schuh mit Holzsohle.

Ein solches Paar hat Werner Görse auch zu Hause – wie so vieles. Sein Haus, Garten und Schuppen seien voll davon, sagt der 67-Jährige. „Wir leben damit.“ Er ist damit großgeworden. Aufgewachsen auf einem Vier-Hektar-Hof hinter Otterndorf, in einem Bauernhaus von 1779, hat er die alten Arbeitsweisen noch erfahren. Die Kinder – sechs Jungen und ein Mädchen – mussten vor und nach der Schule mit anpacken. Kühe melken, Torf stechen, Rüben ernten und Kartoffeln aufsammeln – „das kenne ich alles.“

Werner Heidenreichs Entwurf für ein Gefach: Frauen am „Waschtag“ .

Werner Heidenreichs Entwurf für ein Gefach: Frauen am „Waschtag“ .

Eine der Skizzen für ein Gefach: der „Hausschlachter“ mit seinem Handwerkszeug.

Eine der Skizzen für ein Gefach: der „Hausschlachter“ mit seinem Handwerkszeug.

Vereinsmitglied Werner Heidenreich zeigt zwei seiner Skizzen für das Museumsprojekt. Foto Lohmann

Vereinsmitglied Werner Heidenreich zeigt zwei seiner Skizzen für das Museumsprojekt. Foto Lohmann

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