Zähl Pixel
Archiv

Wieder Streit um Windpark in Ohrensen

Blick auf den Windpark zwischen Ohrensen und Linah: Das Projekt war von Anfang an umstritten. Foto: Beneke

Blick auf den Windpark zwischen Ohrensen und Linah: Das Projekt war von Anfang an umstritten. Foto: Beneke

Anwohner aus der Siedlung Lusthoop wünschen sich mehr Informationen über die ökologischen Auswirkungen des neuen Windparks in Ohrensen. Das brachten sie kürzlich während einer öffentlichen Sitzung des Rates der Gemeinde Bargstedt zum Ausdruck.

Von Daniel Beneke Freitag, 20.09.2019, 11:55 Uhr

Bürgermeister Thomas Wiebusch (CDU) machte ihnen jedoch wenig Hoffnung auf Unterstützung. Die Auswertung des Monitoring-Projektes interessiert die Bürger. Sie wollen wissen, was der Windpark für die Flora und Fauna bedeutet. Ihnen ist bekannt, dass hierzu Daten gesammelt werden. Doch über die Ergebnisse hat sie bisher niemand informiert. „Wir haben davon keine Kenntnis“, sagte Bürgermeister Thomas Wiebusch, nachdem eine Anwohnerin das Thema in der Einwohnerfragestunde zur Sprache brachte. „Das wird ausgewertet.“ Zuständig sei der Landkreis Stade als Untere Naturschutzbehörde. Die Experten würden überprüfen, ob die Auflagen eingehalten werden.

Die Anwohner aus Lusthoop berichteten von erschlagenen Greifvögeln und von einem nervtötenden Echo durch die Anlagen. „Mit einem offenen Fenster zu schlafen, ist ab September für uns nicht mehr möglich“, monierten sie. „Ich bin da der falsche Ansprechpartner“, sagte Thomas Wiebusch. „Wir haben rechtlich keine Handhabe.“ Er gehe davon aus, dass die geltenden rechtlichen Regeln eingehalten werden. Das sehen die Betroffenen anders. Fiktive Computerberechnungen seien die Basis für die Betriebsgenehmigung, nicht reale Messungen. Da bleibe ihnen nur der Rechtsweg, sagte der Bürgermeister.

Ratsfrau Christa Westhoff (FWG) verstand die Kritik: „Die Gemeinde ist dafür da, ihre Bürger zu beschützen und zu unterstützen. Das erwarten wir.“ Auch sie äußerte ihre Kenntnis von Messungen, deren Ergebnisse der Landkreis nicht anerkennen wollte. Thomas Wiebusch versprach, sich um Informationen zu bemühen und diese an die Anwohner weiterzureichen. Ob er den subjektiven Eindrücken der Lusthooper damit etwas entgegensetzen könne, wisse er jedoch nicht. „Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen“, sagte Christa Westhoff.

Derweil ist eine Bürgerstiftung in Planung, in die Gewinne aus dem Windpark fließen sollen. Neben zwei Gesellschaftern sollen drei Ratsmitglieder im Beirat sitzen. Die Fraktionen sollen sich Gedanken über die Frage machen, wen sie in das Gremium entsenden möchten. Vereine, Institutionen und Initiativen sollen sich um Zuwendungen bewerben können. In anderen Kommunen kommen auf diese Weise Jahr für Jahr Zehntausende Euro zusammen.

Im Sommer vergangenen Jahres hatte der Landkreis als Aufsichtsbehörde den Windpark abgenommen. Die Fertigstellung hatte sich immer wieder verzögert. Der Start verlief holprig: Bereits nach wenigen Wochen stand ein Windrad wegen eines Generatorenschadens still. Das Projekt war bei Teilen der Bevölkerung und in der Politik umstritten.

Der Windpark Bargstedt-Ohrensen ist gewissermaßen in Verlängerung des Windparks Deinste-Helmste entlang der Harsefelder Landstraße (Landesstraße 124) am Schießstand der Jägerschaft entstanden. Die Fläche gilt im Regionalen Raumordnungsprogramm des Landkreises Stade als Vorranggebiet für Windenergie. Die sieben Anlagen sind bis zu 210 Meter hoch. Um das Leben der Vögel zu sichern, wird ein Teich angelegt.

Für den Bau der Windräder sind befestigte Straßen geschaffen worden, die während des laufenden Betriebes für Wartungsarbeiten und als Rettungsweg bestehen bleiben müssen. Strenge Auflagen schränken die Laufzeiten der Anlagen ein. Der Schattenwurf der Rotorblätter darf die Anwohner nur maximal 30 Minuten pro Tag und höchstens 30 Stunden im Jahr plagen. Die Windräder sollen mit einer automatischen Steuerung ausgestattet werden, so dass sie ihren Betrieb automatisch abschalten, sobald die zulässigen Höchstwerte erreicht werden. Die Einspeisung des Stroms in das öffentliche Netz erfolgt über ein eigenes Umspannwerk.

Im Frühjahr haben Vertreter des Naturschutzamtes die Kompensationsflächen mit Pflanzen- und Kräutersaat, 2017/2018 ausgebracht, in Augenschein genommen. Die nötigen Grasschnitte seien erfolgt, im vergangenen Jahr sei der Bewässerungsaufwand groß gewesen. Alle Pflanzen hätten überlebt. „Das sieht sehr gut aus“, sagte der Bürgermeister. Mulden wurden angelegt, sie sollen den Fledermäusen Wasser bieten. Bäume sind an Wegesrändern gepflanzt worden. „Die Maßnahmen wurden im geforderten Umfang durchgeführt“, resümierte Thomas Wiebusch in einer Ratssitzung.

Zähes Ringen um Windräder bei Ohrensen

Vier Jahre lang hatten Anwohner und Politik über den Bürgerwindpark Bargstedt-Ohrensen gestritten – teilweise sehr emotional. Vor eineinhalb Jahren hatte der Rat schließlich den Bebauungsplan durchgewunken. Das Votum war denkbar knapp: Sechs Ratsmitglieder stimmten dafür, fünf nicht.

Die Anwohner aus der Ortschaft Lusthoop hatten zuvor eindrucksvoll ihren Protest zum Ausdruck gebracht. Vor der Sitzung standen 20 Reiter beim Eintreffen der Politiker Spalier. Sie fühlten sich mit dem Hof Hauschild verbunden, weil sie dort ihre Pferde unterstellen und in jenem Bereich reiten, wo jetzt der Windpark steht. Die Bürger forderten vehement einen 1000-Meter-Abstand zur Wohnbebauung. Zum Reiterhof sind es nur 670 Meter.

Die Fraktionen von SPD und FWG hatten sich kurz vor der finalen Abstimmung plötzlich von den Windpark-Plänen distanziert. Zuvor stand der Rat lange geschlossen hinter dem Vorhaben. Der Protest hatte nachhaltige Folgen: Seit der Kommunalwahl im Herbst 2016 sitzt die Windpark-Kritikerin Christa Westhoff im Rat.

Der zunächst mit zehn Anlagen geplante Windpark war im Lauf der Jahre schon zusammengeschrumpft, jetzt sind es noch sieben Anlagen. Mehr Abstand zum Wohnen hätte den Park auf vier Windräder verkleinert. Diese Einschränkung wollte die CDU-Fraktion jedoch nicht mittragen.

Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.