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ARD-Komödie

Wischhafen als Drehort: „Viele Kühe und ein schwarzes Schaf“

Der Film „Viele Kühe und ein schwarzes Schaf“ wurde im Herbst 2018 in Wischhafen und Umgebung gedreht und wird diese Woche im Ersten gezeigt. Produzent und Drehbuchautor Volker Krappen erzählt im Gespräch vorab, warum ihn Kehdingen als Drehort so begeistert hat.

Mittwoch, 15.01.2020, 10:00 Uhr

Martin ist als praktischer Tierarzt gescheitert. Er arbeitet in der Forschung, verliert aber auch diese Stelle – nicht etwa, weil er dumm oder faul wäre, sondern Martin ist einfach unglaublich ungeschickt. Auch seine Freundin wirft ihn raus. Doch gerade zur rechten Zeit bekommt er einen Anruf von seiner Mutter Beate: Sein Vater Henning, ein langjähriger Landtierarzt, habe sich den Arm gebrochen und brauche die Hilfe seines Sohnes. Obwohl Martin nie ein sonderlich gutes Verhältnis zu seinem Vater hatte, lässt er sich darauf ein. Was soll er auch sonst gerade tun? Nur weiß er nicht, dass der Arm seines Vaters gar nicht gebrochen ist. Die Eltern haben zu einer Notlüge gegriffen, um ihn nach Hause zu locken. Ob das gut gehen kann?

So viel zur Handlung des Films „Viele Kühe und ein schwarzes Schaf“, der im Herbst 2018 in Wischhafen und Umgebung gedreht wurde und am Freitag, 17. Januar, ab 20.15 Uhr im Ersten zu sehen sein wird. Einer der Hauptdrehorte war das Haus mit Praxis des Wischhafener Tierarzt-Ehepaars Ingrid Kemme und Christoph Kerth, die während der Dreharbeiten in eine Ferienwohnung umzogen und das Film-Team immer wieder unterstützten. Sie stellten Kontakte zu landwirtschaftlichen Betrieben her und gaben den Darstellern Tipps zu den Handgriffen der Tierärzte (das TAGEBLATT berichtete). „Das war klasse, dass wir diese Unterstützung hatten“, sagt Volker Krappen, einer der Produzenten des Films und Autor des Drehbuchs. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass es eine norddeutsche Geschichte werden soll. Dann begann die Suche nach passenden Drehorten. „Wir fanden den nordniedersächsischen Teil interessant“, sagt Krappen. Und da der Film auch auf Milchwirtschaftshöfen spielen sollte, fiel die Wahl recht bald auf Kehdingen, wo sich einige solcher Höfe befinden. Krappen kannte die Region sogar schon etwas, ein Teil seiner Familie stammt aus Bremervörde. Das Haus von Ingrid Kemme und Christoph Kerth hatte es ihm und anderen Mitgliedern des Film-Teams bei der Motivtour, bei der die Drehorte gesucht wurden, dann besonders angetan: „Es ist ein altes, richtig hübsches Haus, was sie hergerichtet haben. Außerdem ist es einzelstehend und hat so auch logistisch gut die Bedingungen erfüllt“, so Krappen. „Wir wussten erst gar nicht, dass dort Tierärzte wohnen“, erinnert er sich lachend, „aber das war dann natürlich umso besser für uns.“ Das Film-Team kam also nach Kehdingen und wurde in Hotels und Gasthöfen untergebracht. Oft lohnte es sich für die Beteiligten nicht, am Wochenende nach Hause zu fahren, und sie blieben vor Ort. „Wir haben die Landschaft und deren Erholungswert sehr genossen“, erzählt Krappen. Zumal das Wetter damals außergewöhnlich schön für die Jahreszeit war. Neben Wischhafen wurde unter anderem noch in Hamelwörden und Engelschoff gedreht.

„Uns war es wichtig, die ländliche Welt mit Landtierärzten und landwirtschaftlichen Betrieben realistisch darzustellen. Wir wollten nichts idealisieren oder eine ‚heile Welt‘ zeigen, die es gar nicht gibt“, betont Krappen. Sowohl Tierärzte auf dem Land als auch Landwirte hätten häufig Probleme, Nachwuchs zu finden. Auch im Film will Sohn Martin die Tierarztpraxis seiner Eltern nicht übernehmen. „Wir haben diese Problemgemengelage unterschwellig miterzählt“, sagt Krappen. Wichtig war ihm beim Film auch, dass die Zuschauer verstehen, warum die Figuren handeln, wie sie handeln. Er selbst kann den Griff nach einer Notlüge, wie er im Film passiert, absolut nachvollziehen. Die Mutter habe angefangen zu lügen und glaube irgendwann selbst daran. Durch ihre gute Absicht, zu helfen, sei ihr Schuldbewusstsein sehr wenig ausgeprägt. „Wir nehmen die Figuren ernst in ihrer Psychologie“, sagt Krappen, aber auf eine leichte Art. Vom Genre her würde er den Film als „Dramödie“ oder „Dramedy“ bezeichnen.

Volker Krappen hat viele Lieblingsszenen im Film. Eine davon ist die, in der Vater und Sohn gemeinsam eine Kuh auf einer Weide untersuchen. „Das war eine hübsche, tolle Kuh, die richtig Geduld hatte“, sagt Krappen lachend. Da habe der Dreh viel Spaß gemacht.

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