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Darts

TWo im Landkreis die Pfeile fliegen

Die Dart Devils aus Drochtersen spielen mit ihrer ersten Mannschaft in der Verbandsliga. Foto: Parge

Die Dart Devils aus Drochtersen spielen mit ihrer ersten Mannschaft in der Verbandsliga. Foto: Parge

Der Dartssport boomt: Längst hat das Pfeilespiel den Vereinssport erreicht. Im Landkreis Stade werfen in dieser Saison acht Clubs mit 14 Mannschaften um Auf- und Abstiege. Ihr Kneipen-Image wollen sie ablegen und gehen unterschiedliche Wege.

Samstag, 23.10.2021, 16:00 Uhr

Er ärgert sich. Mit einem kräftigen Ruck zieht Daniel Sieb, Trikotname „The Drummer“, seine drei Pfeile aus der Dartscheibe. Mit einem Kopfschütteln tippt er seine addierte Punktzahl in den Computer: 20 plus 20 plus 5 gleich 45 – offensichtlich zu wenig für seine Ansprüche. Auf seinem exakt 2,37 Meter kurzen Rückweg zum Oche, der Abwurflinie, flucht er leise vor sich hin.

„Du kannst dich ja richtig ärgern?“, ruft ihm der Reporter in „Andre´s kleine Kneipe“ zu. „Ja“, entgegnet der Vorsitzende der Dart Devils Drochtersen, „aber das muss ja nicht unbedingt in die Zeitung.“ Muss es doch!

Denn die Szene aus dem Trainingsbetrieb der Devils zeigt: Es geht ambitioniert zu im hiesigen Dartssport. Vorbei die Zeiten, in denen ausschließlich in Hobbykellern und Kneipen „just for fun“ auf das Bull´s Eye, die rote Mitte der Scheibe, geworfen wurde. Jetzt wird trainiert und an den Wochenenden im Saisonbetrieb um Sieg, Niederlage und Tabellenstände gespielt – ganz so wie in anderen Sportarten auch.

Drei Jahre ungeschlagen

Acht Clubs aus dem Landkreis Stade treten seit Anfang Oktober im Bezirksdartverband Lüneburger Heide, kurz BDVLH, an. Die Drochterser Devils stellen mit ihrer ersten Mannschaft in der Verbandsliga die höchstklassigste. Die „Teufel“ werfen gegen die Black Sheep, „Schwarzen Schafe“, aus Braunschweig, die DC Dutch Legionaires aus der Lüneburger Heide oder die Dart Dragons („Drachen“) aus Verden.

„Drei Jahre waren wir ungeschlagen, sind von unten nach oben durchmarschiert“, sagt der Devils-Vorsitzende Sieb. In dieser Saison setzte es zum Auftakt auswärts in Braunschweig und Helmstedt allerdings gleich zwei knappe Niederlagen. „Unser Ziel ist der Klassenerhalt“, sagt Sieb und fiebert dem Heimspielauftakt am 30. Oktober gegen The Devils Neighbours aus dem Landkreis Uelzen entgegen.

Seit 2012 gibt es die Dart Devils als eigenständigen Verein. „Der Dartsboom in den vergangenen Jahren in Deutschland entstand mit den Fernsehübertragungen. Vor allem die großen Turniere wie die WM im Dezember ziehen“, sagt der 43-jährige Sieb. In Drochtersen machte Dart-Fan André Göringer aus dem ehemaligen Eiscafé an der Ecke der Sietwendestraße seine gleichnamige „kleine Kneipe“ – die stolze Heimat der Devils.

„Wir haben hier alles in Eigenleistung aufgebaut“, betonen sie unisono. Die Computeranlagen über den vier professionell ausgeleuchteten Boards sind gesponsert. Für größere Turniere haben sie weitere mobile Boardanlagen gebunkert, dann wird in der Festhalle aufgebaut. „Das Image unseres Sports ist uns wichtig“, sagt Sieb. Der Spaß und die Geselligkeit stünden zwar im Vordergrund, aber wenn es im Ligabetrieb an die Scheiben geht, dann werde es ernst statt bierselig.

30 Aktive jedes Alters zählen die „Teufel“, 120 Euro beträgt der Jahresbeitrag. „Unsere Mitglieder kommen aus Cuxhaven oder Cadenberge. Das Einzugsgebiet ist weit gestreut. Man spielt, wo es einem auch menschlich gefällt“, sagt Sieb. Frauen sind allerdings unterrepräsentiert – wie in allen anderen Clubs auch. Und die Jugend? „Die kommt und geht“, sagt der Vorsitzende, wozu die Corona-Pandemie beigetragen habe. Am 18. Dezember wollen sie im Dorfgemeinschaftshaus ein Anfänger-Event anbieten.

Absturz aus der Bundesliga

Als eigenständiger Verein haben die Dart Devils eine Sonderrolle. Immer mehr Pfeile-freunde organisieren sich in Sparten in den Sportvereinen. Der DC Barcarole, mit drei Teams im Ligabetrieb die größte Abteilung im Landkreis, ist beim VfL Stade angegliedert. Auch beim MTV Himmelpforten, SV Düdenbüttel, SuSV Heinbockel und seit Neuestem beim Post SV Stade und dem BTC in Buxtehude ist Darts gelebter Vereinssport.

Weitere stehen in den Startlöchern: Beim VfL Fredenbeck soll es am 12. November einen Kurstag in der Raakamphalle geben. „Wir fangen mit einem offenen Angebot für jedermann an und sind gespannt auf die Nachfrage“, sagt André Schulz.

Die Darter bringen neue zahlende Mitglieder mit, die Vereine öffnen sich mit (Trendsport-)Angeboten auch für ihre bestehenden Mitglieder. Trainiert und gespielt wird – fernab irgendwelcher Kneipen – in den Hallen, Clubhäusern und Sportzentren. Es gibt die Möglichkeit, Zuschüsse für Material und Fahrten zu beantragen.

„Young Bulls“ sind fester Bestandteil

„Im Sportverein lässt sich die Jugend gezielter ansprechen“, sagt Darts-Abteilungsleiter Malte Würger vom VfL Stade. Dort sind die „Young Bulls“ als Jugendabteilung des DC Barcarole seit der Gründung 2019 fester Bestandteil. „Wir kommen auf etwa 15 Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 17 Jahren“, so Würger, wobei die Corona-Krise den Zulauf gestoppt habe. Um die Ausrichtung eines verbandsweiten Jugend-Ranglistenturniers im Sportzentrum in Ottenbeck hat sich der VfL beworben.

Wie schnell es in eine andere Richtung gehen kann, haben sie bei Area of Darts (AoD) in Buxtehude erfahren. „Möglicherweise war es ein Fehler, dass wir uns nie einem Verein angeschlossen haben“, sagt Teamkapitän Jörg Milbrodt. Diskussionen habe es oft gegeben. AoD, beheimatet an der Lutherallee, gehört seit 2010 zu den Pionieren im Landkreis. Gespickt mit eingekauften ausländischen Nationalspielern warf der Club, der sich dem Hamburger Verband angeschlossen hatte, seine Pfeile auch mehrere Jahre in der Bundesliga Nord.

Mittlerweile sind wir von 57 Aktiven bei noch 16 Mitgliedern angelangt“, sagt Milbrodt. Viele wechselten zum benachbarten BTC unter das Dach des Tennisclubs Rot-Weiss. Von dieser Spielzeit an tritt AoD in Niedersachsen an, hat den Hamburger Verband verlassen – „auch weil dort die Spieltage unter der Woche angesetzt waren“, sagt Milbrodt. Zum Neustart in der Kreisliga wird wieder an den Wochenenden gespielt – inklusive der Derbys gegen die Staffelkonkurrenten vom BTC. Die sollen gewonnen werden. Es geht ja schließlich ambitioniert zu.

Diese acht Vereine nehmen am Spielbetrieb teil. Karte: Google/Vonderbank

Diese acht Vereine nehmen am Spielbetrieb teil. Karte: Google/Vonderbank

Wo im Landkreis die Pfeile fliegen

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