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Zu Besuch bei... TKKG

Zu Besuch bei... TKKG

Seit fast vier Jahrzehnten ermitteln sie gegen das Böse: die vier Meisterdetektive von TKKG. Zu Besuch bei den Hörspiel-Aufnahmen der 202. Folge in einer Jugendstilvilla in Hamburg.

Von Mona Adams Samstag, 01.07.2017, 15:55 Uhr

Fünf Schauspieler sitzen um einen kleinen Tisch herum und sprechen in ihre, von der Decke herabhängenden Mikros. Manou Lubowski fuchtelt wild mit den Händen. Er spielt Klößchen, einen von vier Hobbydetektiven, das zweite K in TKKG. Er ist der dicke Junge, der Kumpel, der besonders gerne Schokolade isst. Seine Kinderrolle ist dem erwachsenen Mann mit dem breiten Kreuz und den muskulösen Oberarmen rein körperlich nicht anzusehen. Als er sich das erste Mal in Klößchen verwandelte, war Lubowski gerade mal elf Jahre alt: „Damals war ich wirklich dick und habe viel Schokolade gegessen“, erzählt er.

Mittlerweile ist Lubowski 47 Jahre alt. Auch Klößchen müsste mittlerweile längst erwachsen sein, doch bei TKKG ist die Zeit stehengeblieben. Seit 38 Jahren legt das Quartett so manchem Verbrecher das Handwerk. TKKG, das sind die vier Freunde Tim (Sprecher Sascha Draeger), Karl (seit 2006 Tobias Diakow), Klößchen und Gaby (seit 2009 Rhea Harder), erschaffen von dem Buchautor Stefan Wolf. Die Freunde sind mutig und neugierig. Einmal stecken sie mitten in den Nachforschungen zu einem Juwelenraub, ein anderes Mal retten sie einen Popstar vor einer Entführung.

TKKG ist Kult: als Buch, als Serie, im Kino und eben als Hörspiel, letzteres seit 36 Jahren. Lubowski und Kollege Draeger alias Tim sind von Anfang an dabei, seit 1981, über 200 Folgen und 33 Millionen verkauften Tonträgern. „Natürlich haben sich unsere Stimmen verändert. Aber die Dialoge sind kindlich geblieben, die Kinder stellen uns oder unser Alter nicht infrage. Und die Erwachsenen erst recht nicht, für die sind wir Kult“, sagt Draeger.

Heikedine Körting ist die Produzentin und Regisseurin der Hörspielserie TKKG. Sie war seit Beginn an für alle 202 Folgen der Jugendbande verantwortlich – und ist es bis heute.  Foto dpa

Rund zehn Prozent der TKKG-Hörer sind älter als 25 Jahre. „Viele Hörer sind mitgewachsen“, sagt Heikedine Körting. Sie ist die Produzentin, die Mama der Hörspiele, ohne sie geht nichts im Hause „Europa“, dem Hörspiel-Label von Sony Music. In ihrer fast 50-jährigen Karriere hat sie schätzungsweise mehr als 3000 Stücke produziert, so genau weiß sie das gar nicht. Von Hui Buh über Hexe Lilli und Bob der Baumeister bis zu den Klassikern TKKG, Die drei ??? und Fünf Freunde.

Der Branche geht es gut. Wieder gut. „So vor 15 Jahren, zu Zeiten von Tamagotchi und Nintendo, da wurde es weniger. Heute ist das anders. Gerade die Kleineren hören wieder Hörspiele“, sagt Körting. Nicht mehr auf Kassette, dafür auf CD oder über Streamingdienste.

Ganz oben auf dem Regal an der Wand türmen sich noch die Trophäen und Auszeichnungen aus vergangenen Zeiten. Darunter stapeln sich Kassetten und CDs, liebevoll per Hand beschriftet. Im Studio von Körting ist alles selfmade. Auch die Hintergrundgeräusche, die sie alle selbst aufgenommen hat. Der Nebenraum zeigt das Ausmaß. Regale voll mit Requisiten, die alles können. Die Geräusche von einem „nassen Lappen“, einem „flatternden Papagei“, selbst das Geräusch von „Fuß aus Beton ziehen“ und einem „U-Boot, das ein Fischerboot rammt“ sind hier aufgehoben, im Regal, und als Tonspuren auf Magnetband, aufgelistet und irgendwo im Auftrag von Körting entstanden.

Die aktuellen TKKG-Sprecher (von links): Sascha Draeger (alias Tim), Tobias Diakow (Karl), Rhea Harder (Gaby) und Manou Lubowski (Klößchen). Draeger und Lubowski sind seit der ersten Folge dabei, die 1981 aufgenommen wurde.  Foto Europa/Jan Steinhaus

Alles, was die Schauspieler können, machen sie direkt bei den Aufnahmen im Tonstudio. Seufzen, klatschen, klimpern. In anderer Besetzung sitzen sie am Tisch. Draeger atmet laut, dann gibt es ein Gerangel mit einer Nebenrolle. Statt sich gegenseitig zu raufen, fassen sich die Schauspieler selbst am Kragen und zerren an sich. Körting und Autor André Minninger beobachten die Szene durch die Scheibe und sind sichtlich angetan von Dialog und Geräuscherzeugung. „Gut, prima“, ruft Körting. Er herrscht eine entspannte Stimmung, konzentriert, aber familiär. Zwischen den Szenen, im Idealfall nur da, wird viel gelacht. Manchmal aber auch in der Aufnahme. Dann heißt es „noch einmal“.

„Wir sind uns untereinander sehr vertraut“, erzählt Lubowski. Vier Mal im Jahr treffen sich die Schauspieler, um gemeinsam einen neuen Fall zu lösen, eine neue Folge einzusprechen. Das ist unüblich in der Branche, gibt es sonst kaum noch. „Heutzutage werden die Stimmen einzeln aufgenommen, aus Kosten- und Organisationsgründen. Ich halte da gar nichts von“, so Körting. „Ich finde das Zusammenspiel ganz wichtig, das schafft bei uns die Lebendigkeit.“

Das dauert aber auch. So warten im Nebenraum vor Häppchen und Kaffeegedeck Synchronsprecher und Schauspieler auf ihren Einsatz für die 202. Folge TKKG. Sie wuseln durch das Dachgeschoss der prächtigen Villa im edlen Stadtteil Harvestehude. Es ist das Haus von Heikedine Körting, das Herz des Hörspiels. Die imposante Holztür ist stets geöffnet, die knarrenden Holzdielen mit stilvollen Läufern ausgelegt, der elektrische Staubsauger dreht seine Runden.

„Wo ist denn jetzt Klößchen? Manou, wo bist du?“, hallt es durch die Etagen. „Der ist bestimmt wieder draußen“, ruft sie. Irgendjemand hat ihn gefunden. Lubowski hüpft die vielen alten Holztreppen empor, als wäre er noch der kleine Junge von damals. „Außer seiner Mama habe ich ihn am längsten durchs Leben begleitet. Das macht mich stolz“, sagt Körting.

So viel hat sich in den vergangenen 36 Jahren gar nicht verändert. Sie duzt Lubowski, er siezt sie. So wie früher, als Klößchens Sprecher selbst noch jung und rundlich war.

Ein Fall für TKKG (das Akronym steht für die Protagonisten Tim (früher Tarzan genannt), Karl, Klößchen und Gaby) ist eine von Rolf Kalmuczak unter dem Pseudonym Stefan Wolf erschaffene deutsche Jugendbuchreihe sowie die darauf beruhende gleichnamige Hörspielserie. Mit 14 Millionen verkauften Büchern gehört die Serie zu den erfolgreichsten Jugendbuchreihen, die Zahl der verkauften Hörspielkassetten und CDs beträgt 30 Millionen. TKKG gilt im deutschsprachigen Raum neben der Buchreihe Die drei ??? als kommerziell erfolgreichste Serie ihres Genres.

Quelle: Wikipedia

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