Zu Hause ist, wo dein Zelt ist
Vor zehn Jahren entwarfen die beiden Hamburger Stefan Clauss und Stefan Schulze Dieckhoff ein aufblasbares Zelt . Foto Kleine
Vor genau zehn Jahren haben die beiden Hamburger Stefan Clauss und Stefan Schulze Dieckhoff die Outdoor-Firma Heimplanet gegründet und ein aufblasbares Zelt entwickelt. Ihr neuestes Projekt: die Taschen-Serie Transit Line.
Im April bekamen Stefan Clauss und Stefan Schulze Dieckhoff eine erfreuliche Mail von einem Freund. Im Anhang befand sich ein Screenshot aus der Netflix-Serie „Lost in Space“, und als die beiden ihn sahen, trauten sie ihren Augen kaum: Da saßen die Darsteller doch tatsächlich vor dem von Clauss und Schulze Dieckhoff entwickelten Zelt „The Cave“. Kein Zweifel: Es hat sich herumgesprochen, dass die Outdoor-Produkte ihrer Firma Heimplanet etwas Besonderes sind.
Genau zehn Jahre ist es her, dass Stefan Clauss und Stefan Schulze Dieckhoff den Entschluss fassten, Heimplanet zu gründen und ein aufblasbares Zelt auf den Markt zu bringen. Die Idee war den beiden Hamburgern bei einem gemeinsamen Surf-Urlaub in Portugal gekommen. „Wir haben damals den ganzen Tag gesurft. Es wurde bereits dunkel, als wir am Zeltplatz ankamen, und dann fing es auch noch an zu regnen“, erinnert sich Clauss.
„Als wir ewig später klitschnass in unserem Zelt lagen, waren wir uns einig, dass das Zelt der Zukunft anders aussehen muss.“ Die Zeiten von unhandlichen Zeltstangen, die immer wieder auseinanderrutschen, sind dank „The Cave“ vorbei. Alles, was man braucht, ist eine Pumpe, und in weniger als einer Minute ist das Zelt aufgebaut. Zudem ist es extrem stabil, wasserfest und aus hochwertigen Materialien gefertigt. Ein Zelt, in dem man sich zu Hause fühlt – deswegen auch der Firmenname Heimplanet.
Zwei Jahre arbeiteten Clauss und Schulze Dieckhoff an dem Prototyp. Sie besuchten Kompetenzzentren, Kunststoffzentren und das Fraunhofer Institut, trafen Materialhersteller, Chemiekonzerne und potenzielle Produzenten. Die Entwicklung des Zelts haben die beiden per Video und auf Start-up-Seiten öffentlichkeitswirksam dokumentiert. Deshalb lagen schon vor Verkaufsstart mehr als 100 Vorbestellungen vor.
Auf das Zelt folgten schnell weitere Artikel. Inzwischen umfasst das Angebot von Heimplanet fünf Zelte, mehrere Taschenserien, Kleidung und Accessoires. Was alle Produkte vereint: Sie verbinden Funktionalität mit innovativem Design und Lifestyle-Ästhetik. „Modern Outdoor“ nennen die beiden das. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in England, Japan, Korea, Hongkong, Taiwan und den USA finden die Produkte Anklang.
Das neueste Projekt von Clauss und Schulze Dieckhoff ist nun die Taschen-Serie „Transit Line“, die auf Langlebigkeit und Nachhaltigkeit setzt und für den Alltag gedacht ist. Sie besteht aus einem Rucksack, einem Roll-Top Messenger Bag und einer Sling-Tasche – eine Art Gürteltasche. Heimplanet bewirbt sie mit dem Slogan „die letzte Tasche, die ihr je braucht“. „Wir haben für diese Serie ein eigenes Material entwickelt, das besonders hochwertig, belastbar und stabil gegen Abrieb ist“, erklärt Clauss. Zwei extrem starke Fäden werden zu einem Geflecht verwoben, welches entwickelt wurde, um selbst den härtesten militärischen Material-Anforderungen standzuhalten. „Weil uns Nachhaltigkeit immer wichtiger wird, verzichten wir dabei auf den Färbeprozess“, so Clauss weiter. „Sprich, das Material wird nicht eingefärbt, sondern beide Fäden werden in ihrer Farbgebung gefertigt.“ Das spart nicht nur viel Wasser, Energie und CO2, sondern auch 63 Prozent Chemikalien.
Die Entwicklung der Taschen dauerte mehr als zwei Jahre. Weil Heimplanet nach wie vor eine kleine Firma ist, haben sie eine Kickstarter-Kampagne gestartet: Über die Crowdfunding-Plattform können Kunden die Tasche schon jetzt erwerben. Von dem Geld, das über die Vorbestellungen zusammenkommt, werden die Produktionskosten bezahlt. Ein Konzept, mit dem Heimplanet bei der letzten Taschen-Serie bereits gut gefahren ist.
Wer die Taschen vor der Bestellung einmal in den eigenen Händen halten möchte, kann das im Heimplanet-Shop in der Hamburger Hafencity. Im März haben Clauss und Schulze Dieckhoff ihre neuen Räumlichkeiten in der Shanghaiallee bezogen. Auf der Galerie befindet sich das Büro von Heimplanet, im Erdgeschoss haben die beiden ihren Flagship-Store mit einem ganz eigenen Konzept realisiert.
„Natürlich gibt es unsere Produkte zu kaufen, aber gleichzeitig wollen wir das Thema Outdoor mit Ausstellungen, Filmvorführungen und einem Kulturprogramm erlebbar machen“, so Clauss. „Im Moment ist unsere zweite Ausstellung zu sehen: Wir zeigen Fotos von Binsurfen, eine Gruppe Surfer aus Norddeutschland, mit denen wir schon lange zusammenarbeiten. Wir wollen die Fläche nutzen, um genau solche Leute und ihre Arbeit zu präsentieren.“
Heimplanet, Shanghaiallee 21, 20457 Hamburg. www.heimplanet.com