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Hamburg

S-Bahn wird automatisiert

Zuletzt war die S-Bahn Hamburg eher für die negativen Schlagzeilen im Nahverkehr der Metropolregion zuständig. Nun will das Unternehmen technologisch an die nationale Spitze. Hamburg erhalte die deutschlandweit erste „digitalisierte und hochautomatisierte S-Bahnlinie.“

Donnerstag, 09.01.2020, 07:00 Uhr

Das sagte S-Bahn-Hamburg-Chef Kay Uwe Arnecke am Mittwoch. Zum Weltverkehrskongress (ITS) im Oktober 2021 sollen auf der Linie S21/S2 zwischen Berliner Tor und Aumühle (Kreis Herzogtum Lauenburg) die ersten vier Züge mit einer Mischung aus Fernsteuerung und Autopilot unterwegs sein. „Dennoch bleibt ein Fahrer an Bord“, unterstrich Arnecke.

Für einen vollständig fahrerlosen Betrieb sei das S-Bahnsystem zu komplex. Der Lokführer soll in der digitalen S-Bahn jederzeit eingreifen, wenn es nötig ist. Ansonsten bewegen sich die Züge der Zukunft eigenständig. Nach Verlassen der Bahnhöfe an den Endpunkten Berliner Tor und Aumühle schaltet der Fahrer auf „Autopilot“ um. Entlang der Strecke erfassen Transponder die Position der Züge und funken die Daten an ein elektronisches Stellwerk.

Dieses errechnet die Fahrbefehle und übermittelt sie an die S-Bahnen. Bremsen, „Gas geben“ sowie das Öffnen und Schließen der Türen – alles läuft im Normalfall vollautomatisch ab. Bemerkenswert: Am S2-Endbahnhof Bergedorf steigen nicht nur die Fahrgäste aus, sondern auch der Triebwagenführer. Arnecke: „Das Abstellen auf dem Kehrgleis und das Bereitstellen für die nächste Fahrt erfolgen dort tatsächlich fahrerlos.“

Ziel der digitalen Revolution sind deutlich kürzere Fahrtakte. Künftig soll alle 60 Sekunden ein Zug die Strecke durchfahren können, da die elektronische Steuerung geringere Sicherheitsabstände erfordert. Mehr Züge bedeutet auch viel mehr transportierte Menschen und weniger Verspätungen.

60 Millionen Euro investieren Hamburg, die Bahn und Siemens in das Pilotprojekt, an dem 200 Experten seit 2018 arbeiten. Arnecke: „Erste Ergebnisse zeigen Kapazitätsgewinne von 20 bis 30 Prozent im Netz der S-Bahn Hamburg.“ Auf diese Weise will Hamburg die erwartete deutliche Zunahme der Passagierzahlen auf vorhandenen Gleisen bewältigen.

Verkehrssenator Michael Westhagemann (parteilos) sieht die Stadt als bundesweiten „Frontrunner“ und will die Position noch ausbauen. Nach 2021 solle die digitale und automatisierte S-Bahn schrittweise aufs Gesamtnetz im HVV ausgeweitet werden. Und: Der Senator hofft, dass die Deutsche Bahn im Falle eines erfolgreichen Pilotprojekts zügig den gesamten Bahnknoten Hamburg digitalisiert, auch für Regional- und Fernzüge.

In Sachen Verspätungen hat die S-Bahn Verbesserungen dringend nötig. Das Unternehmen hat 2019 die vertraglich vereinbarte Quote von 94 Prozent pünktlicher Züge verfehlt. Der Wert liege unter 93 Prozent, sagte Arnecke, ohne genauer zu werden. Westhagemann betonte, für die S-Bahn würden Maluszahlungen fällig. Deren Höhe werde ermittelt.

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