10.10.2018, 10:57
Verdächtiger in Stade gefasst
Leserbrief

STADE. Die Polizei hat am Dienstagabend in Stade den mutmaßlichen Mörder der bulgarischen Fernsehjournalistin Wiktorija Marinowa festgenommen. Zielfahnder hatten den 20-jährigen bulgarischen Staatsbürger in einem Wohnblock im Altländer Viertel aufgespürt.

(Letztes Update am 10. Oktober um 16.55 Uhr: Weitere Informationen zur Tat, dem mutmaßlichen Täter und seiner Festnahme in Stade hinzugefügt.)

Der polizeibekannte Mann soll die bulgarische TV-Moderatorin Wiktorija Marinowa vergewaltigt, ausgeraubt und ermordet haben. Die Leiche der 30-jährigen Journalistin war am Sonnabend in der bulgarischen Stadt Russe entdeckt worden. Der Fall hatte internationales Aufsehen erregt, weil vermutet wird, dass das Verbrechen in Zusammenhang mit der Arbeit der Enthüllungsjournalistin steht. Konkrete Hinweise dazu liegen den deutschen und bulgarischen Behörden den offiziellen Angaben zufolge aber bislang nicht vor, die Hintergründe sind noch unklar. Das Opfer und der mutmaßliche Täter sollen sich nicht gekannt haben. In der bulgarischen Wohnung des jungen Mannes haben Fahnder Gegenstände von dem Überfall gefunden.

Am Dienstag gegen 20.15 Uhr haben Spezialkräfte des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) des Landeskriminalamtes (LKA) zunächst zwei Männer in der Wohnung von Verwandten in einem Mehrfamilienhaus in der Hohenfriedberger Straße im Altländer Viertel in Stade festgenommen. Beide waren nach Aussagen der Beamten unbewaffnet und leisteten keinen Widerstand. Weil sie „widersprüchliche Angaben zu ihren Personalien“ gemacht hätten, nahmen die Ermittler zunächst beide fest. Später kam einer der Männer wieder auf freien Fuß. Der 20-Jährige verbrachte die Nacht in einer Zelle in der Stader Polizeiinspektion an der Teichstraße.

Auslieferung nach Bulgarien vermutlich in den kommenden Tagen

Am Mittwochmittag führten die Ermittler ihn zum Haftprüfungstermin im Stader Amtsgericht vor. In einem grauen VW Caddy mit verdunkelten Scheiben brachten die Beamten den Verdächtigen in den Innenhof des Gerichtsgebäudes. Das Gericht stellte einen Haftbefehl aus, der Mann kommt nun in eine Justizvollzugsanstalt. Er ist den Ermittlern zufolge mit dem Auto von Bulgarien zu seinen Verwandten nach Stade geflüchtet. Wo der Wagen steht, ist noch unklar. Ebenso ist unklar, wie oft der Mann schon in Niedersachsen war: Bei der Staatsanwaltschaft Lüneburg läuft ein Verfahren wegen einer Aufenthaltsermittlung aus diesem September. Die Justiz wirft dem Mann Urkundenfälschung vor. Voraussichtlich wird die Bundesrepublik den Verdächtigen in den kommenden Tagen oder Wochen nach Bulgarien ausliefern. Die Generalstaatsanwaltschaft Celle prüft derzeit ein entsprechendes Ersuchen.

Die niedersächsischen Ermittler hatten am Dienstag gegen 12 Uhr vom Bundeskriminalamt den Hinweis bekommen, dass der Verdächtige sich in Norddeutschland aufhalten soll. Daraufhin hatten Zielfahnder des LKA die Fährte aufgenommen und den Mann gegen 16 Uhr in dem Wohnblock aufgespürt. Dem Vernehmen nach soll er sich in einer Wohnung im Dachgeschoss aufgehalten haben. Etwa vier Stunden später erfolgte der Zugriff. Niedersachsens LKA-Chef Friedo de Vries lobte den raschen Erfolg und die länderübergreifende Zusammenarbeit. Die Festnahme sei ein „sehr gutes Beispiel zur vernetzten Arbeit der europäischen Sicherheitsbehörden“.

In diesem Wohnblock im Altländer Viertel in Stade haben Zielfahnder den Verdächtigen aufgespürt.

Äußerlich deutet in dem Wohnblock an der Hohenfriedberger Straße im Altländer Viertel nichts drauf hin, dass hier ein mutmaßlicher Mörder Unterschlupf fand. Das Haus und das Außengelände in direkter Nachbarschaft zu Jugendhaus und Grundschule wirken gepflegt. Es ist nicht das erste Mal, dass mutmaßliche Schwerkrimelle in dem Wohngebiet untertauchen.

Der mutmaßliche Haupttäter des Raubmordes an einem Bützflether Fruchtgroßhändler vor zwei Jahren, ein 25-jähriger Deutsch-Libanese, lebte ebenfalls im Altländer Viertel. Auch ein Enkel des Ermordeten, der an der Tat beteiligt sein soll, wohnte dort.

Das Viertel gerät im Zusammenhang mit Drogen- und Clan-Kriminalität immer wieder in die Schlagzeilen – trotz umfassender Sanierungsmaßnahmen und Anstrengungen in der städtischen Sozialarbeit. Erschwerend kommt hinzu, dass im Zuge der Freizügigkeit viele Osteuropäer in die Wohnblöcke gezogen sind. Niemand weiß, wie viele Menschen dort aktuell leben. Offenbar eine ideale Voraussetzung, um unterzutauchen.

 

Leserbrief


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