Meyn-Stapler braucht dringend einen Retter
Das Gabelstapler-Unternehmen im Apenser Gewerbegebiet ist wieder in die Krise gerutscht. Am 21. Januar hat Geschäftsführer Christian Barnbeck Insolvenzantrag stellen müssen. Jetzt wird dringend ein Investor gesucht.
Es ist nicht das erste Mal, dass der Apenser Mittelständler auf dem hart umkämpften Markt der Stapler, auf dem sich so große Mitbewerber wie Still und Jungheinrich tummeln, ins Trudeln gerät. Bereit nach der Wende 1989 war die Firma, damals noch ein Familienbetrieb in den Händen der Familie Meyn, in die Insolvenz gegangen, hatte sich aber nach einem Besitzerwechsel erfolgreich sanieren und in den vergangenen 30 Jahren im Markt behaupten können.
Dass das jetzt noch einmal gelingen wird, hofft nicht nur Geschäftsführer Christian Barnbeck: Nachdem die Geschäfte zuletzt immer schlechter liefen, hat Barnbeck am 21. Januar die Notbremse gezogen und Insolvenzantrag gestellt. Der Hamburger Insolvenzverwalter Dr. Achim Ahrendt hat inzwischen die Regie übernommen, aktuell werde ein Sanierungskonzept erstellt, parallel dazu habe die Suche nach einem Investor begonnen, der das insolvente Unternehmen übernehmen könnte – ganz oder in Teilen, „noch ist alles offen“, sagt Barnbeck. Die bisherigen Gesellschafter der GmbH hätten entschieden, sich aus der Firma Meyn-Stapler zurückzuziehen, sagt Barnbeck.
Die Gründe für die Insolvenz lassen sich laut Barnbeck nicht an einzelnen Faktoren festmachen. „Wir haben zu hohe Kosten bei zu geringen Umsätzen“, sagt der Geschäftsführer kurz und knapp. Den 40-jährigen Diplomkaufmann aus Hamburg hatten die Gesellschafter im Mai 2015 nach Apensen geholt, um frischen Wind in die Firma zu bringen, der es zu dieser Zeit schon nicht mehr richtig gut ging.
{picture1s} Barnbeck krempelte denn auch einiges um, schaffte flache Hierarchien und eine neue Unternehmenskultur, in der sich alle Mitarbeiter gemeinsam als Meyn-Stapler sehen. Eine neue Website wurde kreiert, ein neuer Service-Stützpunkt in Cuxhaven gegründet, seit Ende 2016 wurde der komplette Vertrieb neu aufgebaut. Am Ende des Tages habe sich aber nicht genug bewegt, um die Kehrtwende hinzubekommen, resümiert Barnbeck.
Über alle Unternehmensbereiche hinweg macht Meyn-Stapler derzeit vier bis fünf Millionen Euro Umsatz im Jahr. Das Hauptgeschäft des Mittelständlers sind Gabelstapler und elektrische Ziehhilfen, neu oder gebraucht, und eine große Rolle spielt der Service, den das Unternehmen seinen Kunden im gesamten Elbe-Weser-Raum bietet. Die Gehälter der 33 Meyn-Mitarbeiter sind bis Ende März durch das Insolvenzgeld gesichert. Bis dahin hofft Barnbeck, die Investorensuche und das Sanierungskonzept abgeschlossen zu haben.
Der Betrieb laufe zunächst uneingeschränkt weiter, betont Barnbeck. Meyn könne jetzt auch wieder bei seinen Lieferanten bestellen, „wir sind voll einsatzfähig, auch der Service bei den Kunden vor Ort läuft in vollem Umfang weiter“, sagt Barnbeck. Dass sich mit einem neuen Investor etwas nach vorne bewegen lasse, sei durchaus realistisch, glaubt Barnbeck. Die Firma sei schon so lange am Markt, gut eingeführt und habe vor allem durch ihren individuellen Service bei den Kunden Vorteile gegenüber den großen Mitbewerbern. Zehn Außendienst-Servicetechniker sind mit ihren Werkstattwagen im Elbe-Weser-Dreieck unterwegs und besuchen Kunden zwischen Hamburg und Bremen und von Cuxhaven bis Verden. „Und wir haben keine Banken im Nacken, das kann auch nicht jeder von sich behaupten“, sagt Barnbeck.
Die Meyn’sche Unternehmensgeschichte begann 1948 als Schmiedebetrieb in Apensen. In den 60er-Jahren kamen dann die Gabelstapler. Als freier Handels- und Servicebetrieb hatte sich das Unternehmen zunächst mit sämtlichen Herstellern von Gabelstaplern befasst. Heute konzentrieren sich Barnbeck und sein Team auf die Produkte des südkoreanischen Konzerns Doosan sowie Stöcklin (Schweiz), Ausa (Spanien) und Movexx (Holland).
„Wir können jetzt nur abwarten, weiter kämpfen und aufrecht gehen“, sagt der Geschäftsführer. Offensiv auf die Kunden zugehen wird die Firma weiterhin. In der nächsten Woche wird Meyn-Stapler bei den Obstbautagen in Jork mit einem Messestand vertreten sein.