11.02.2020, 11:14
Jork: Großeinsatz nach Feuer in Reetdachhaus

JORK. Großalarm für die Ortsfeuerwehren Jork, Ladekop und Borstel sowie Buxtehude: In einem reetgedeckten Fachwerkhaus in Westerjork war am Dienstag um 10 Uhr ein Feuer ausgebrochen.


Rund 80 Feuerwehrleute mussten ausrücken. Die Befürchtung: Funkenflug hätte die fünf umliegenden reetgedeckten Baudenkmäler in Brand setzen können – unter anderem das Museum Altes Land.

Deshalb setzte die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle in Stade-Wiepenkathen ein Großaufgebot in Marsch – unter anderem auch ein Löschfahrzeug und die Drehleiter von Zug I der Ortsfeuerwehr Buxtehude. Ursprünglich war die Feuerwehr von einem Schornsteinbrand ausgegangen. Einsatzleiter Detlef Feindt von der Ortsfeuerwehr aus Jork befürchtete aufgrund des starken Windes ein Durchzünden, dann wäre das 1824 nach einem Brand im Jahr zuvor wiedererrichtete Fachwerkhaus ein Raub der Flammen geworden. Denn Reet brennt wie Zunder.

Das Feuer war im Wohnzimmer – unmittelbar zur Landesstraße 140 gelegen – ausgebrochen. Im Zuge von Renovierungsarbeiten war der Kamin am Dienstagmorgen angeheizt worden. Offenbar waren Schornstein und Kamin nicht ganz dicht. Bei den Arbeiten sei „die Tapete immer dunkler geworden“. Durch Windzug wurde den Glutnestern immer neue Nahrung zugeführt. Im Bereich zwischen Wand und Zwischendecke rauchte es, Feuerwehrleute berichteten von Rauch und von Funkenflug.

Brandnester unter Atemschutz bekämpft

Unter Atemschutz drangen die Feuerwehrleute aus Jork, Borstel und Ladekop in das Gebäude vor und löschten den Brand. Brandnester steckten auch unter beziehungsweise in dem Reet-Lehm-Putz und in der Wand- und Deckenverkleidung. Der Ofen wurde abgerückt, auch ein Schornsteinfeger unterstützte die Einsatzkräfte. Über den Drehkorb behielten die Feuerwehrleute aus Buxtehude das Reetdach und den Schornstein im Auge. Teile des Mobiliars wurden während des Einsatzes sicherheitshalber aus dem Haus geholt, so die Feuerwehr. Mit der Wärmebildkamera suchten die Feuerwehrleute das Gebäude nach Brandnestern ab.

Die Vollsperrung der Landesstraße 140 wurde gegen 12 Uhr wieder aufgehoben. Um 12.33 Uhr rückten die Einsatzkräfte erneut aus, die Tatortgruppe der Polizei hatte Rauch entdeckt. Doch es war nur Wasserdampf. Sehr gefreut haben sich die freiwilligen Feuerwehrleute über die Nachbarn. „Sie haben spontan Kaffee gekocht“, sagte Feuerwehr-Sprecher Stefan Bleeken. Polizei und Feuerwehr bezifferten den Schaden mit 30 000 Euro.

Sorge um alte Fachwerkhäuser in der Umgebung

Die Feuerwehrführung war in großer Sorge: Fünf reetgedeckte Fachwerkhäuser stehen in diesem Bereich – unter anderem das Ensemble des Museums Altes Land mit dem Kohlmeier’schen Hof von 1825 und die Durchfahrtsscheune von 1590. Letztere stand einst in Huttfleth und ist das älteste Wirtschaftsgebäude des Alten Landes. Das Gebäude gegenüber dem Einsatzort, das Hus Westerjork 48, wurde sogar bereits 1756 errichtet.

Zuletzt waren im Juli 2011 mit dem „Altländer Hof“, im April 2012 mit dem „Herbstprinz“ in Osterjork sowie im März 2019 in Hollern größere, teils 250 Jahre alte Reetdachhäuser abgebrannt.

 

Teile des Gebäudes waren in Brand geraten. Foto: Vasel

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