500 Kunstwerke zum Ausleihen
Seit der jüngste Katalog 2014 gedruckt wurde, gibt es elf neue Anschaffungen in der Buxtehuder Artothek, darunter: „2025 Hansestadt Buxtehude in Sicht“ von Jürgen K.F. Rohde.
Die Buxtehuder Artothek wurde in diesem Jahr im historischen Rathaus wieder eröffnet. Susanne Wiegel leitet sie seit 29 Jahren und hat ein Lieblingsbild auserkoren: Es heißt schlicht „Kopf“.
Von Kirsten Andrae
„Ich mag das Bild, weil es eine angenehme Ruhe und Heiterkeit ausstrahlt und ich bei seinem Anblick sofort gute Laune bekomme“, erklärt Wiegel, die den städtischen Bilderverleih im historischen Rathaus seit 1989 leitet.
Im Sommer 1984 wurde die Artothek, die von Privatleuten ebenso genutzt wird wie von Firmen und Arztpraxen, in der Stadtbibliothek in der Fischerstraße eröffnet. Die Standorte haben sich im Laufe der Zeit mehrfach geändert: nach der Stadtbibliothek kam der Stavenort 16, dann der Marschtorzwinger, über die Schulstraße 1 ging es wieder zum Stavenort, diesmal ins Haus Nummer 5. Im März 2011 zog die Artothek schließlich ins Rathaus, musste dort allerdings wegen einer umfangreichen Sanierung ab Oktober 2015 für zwei Jahre geschlossen bleiben, seit diesem Jahr ist sie wieder geöffnet.
Der Bilderbestand war zu Beginn, vor allem im Vergleich zu heute, ziemlich gering: 58 Werke im Wert von 22 250 D-Mark. Heute, mehr als 30 Jahre später, zählt die Sammlung 535 Exponate, die einen Gesamtwert von 122 670 Euro haben. Die Sammlung setzt sich zusammen aus zeitgenössischen Grafiken, Collagen und Radierungen, Aquarellen, Ölbildern, Bleistiftzeichnungen sowie Kleinplastiken und Skulpturen. Das teuerste Bild ist mit 7700 Euro übrigens „Ausblick“ von Ralf-Rainer Odenwald.
Internationale Künstler sind mit 84 Werken vertreten, regionale Künstler mit 451 Werken. „Diese Gewichtung ist so gewollt“, sagt Susanne Wiegel, „es fehlen noch ein paar, aber wir arbeiten daran, dass alle Künstler aus der Gegend bei uns zu finden sind.“
Welche neuen Werke angeschafft werden, das entscheiden Wiegel und Torsten Lange, der Leiter des Buxtehuder Kulturbüros. Fündig werden sie an verschiedenen Orten, manchmal bei Ausstellungen im Zwinger, ein anderes Mal bei der Kunstmesse „Affordable Art Fair“ in Hamburg. Zur Verfügung stehen den beiden jährlich 5500 Euro, wovon allerdings 1800 Euro bereits wegen der Versicherung abgehen. „Das ist nicht die Welt, aber zum Glück gibt es immer wieder mal Schenkungen oder Leihgaben“, so Wiegel.
Seit der jüngste Katalog 2014 gedruckt wurde, gibt es elf neue Anschaffungen: „Auflösung“ von Ruth Albrecht, „Out of Control 01“ von Dorota Albers, „o.T.“ von Swen Kählert, „2015 Hansestadt Buxtehude in Sicht“ von Jürgen Rohde, „Nachtfahrt“ von Michael Järnecke, „Huwawa“ von Dirk Meinzer, „ohne Titel“ von Barbara Uebel, „Toter Feldhase oder das Ende eines Märchens“ von Birgit Jaenicke und „Figure 3“ von Paul Gregor.
In 90 Prozent aller Fälle kaufen Wiegel und Lange bereits gerahmte Werke, gern auch mit qualitativ hochwertigem Holzrahmen. Das sei überhaupt eine große Besonderheit der Buxtehuder Artothek, betont Wiegel: „Andere verleihen oft nur Bilder im Alurahmen.“ Apropos andere: Es gibt nicht so viele Alternativ-Artotheken in der näheren Umgebung. „Seit letztem Herbst hat der Buchholzer Kunstverleih in der Stadtbücherei nach acht Jahren wiedereröffnet, und die nächsten ähnlichen Einrichtungen findet man erst in Norderstedt, Kiel und Eckernförde“, sagt Wiegel.
Das Angebot der Artothek darf als äußerst attraktiv bezeichnet werden. Das liegt zum einen an dem umfangreichen und vielgestaltigen Angebot selbst, zum anderen liegt es an der attraktiven Präsentation im frisch sanierten Rathaus: Die Gemälde sind dort nach dem Prinzip der „Petersburger“ oder auch „Salon-Hängung“ angeordnet, einer Art geordnetem Chaos – nach traditionellem Vorbild reicher russischer Mäzene, die ihre Gemäldesammlungen als Demonstration ihrer Bedeutung und Macht an einer Wand zeigten, werden die unterschiedlichen Bilder so angeordnet, dass Blickachsen zwar außen vor bleiben, ähnliche Größen und Passepartouts jedoch für Ruhe an der Wand sorgen. Was die Artothek außerdem attraktiv für die Nutzer macht, ist das Preisniveau für die Ausleihe, das sich übrigens auch nach der Wiedereröffnung nicht geändert hat: Ein Bild mit nach Hause zu nehmen, kostet 6 Euro für drei Monate und 12 Euro für sechs Monate. Und: Ist ein Gemälde oder eine Skulptur sehr groß oder der Kunde nicht in der Lage, das Exponat eigenständig zu transportieren, dann wird es geliefert. „Ohne Aufpreis, das machen wir als Serviceleistung“, sagt Wiegel.
Wer die Artothek so lange und so gut kennt wie Wiegel, der weiß auch ein paar Anekdoten zu erzählen. Gern erinnert sie sich beispielsweise an den Besuch der Kindergartenkinder, die eines Morgens vorbeischauten, um ein neues Bild für ihren Gruppenraum auszusuchen. „Das ging sehr demokratisch vonstatten“, erzählt Wiegel lächelnd. Als am Ende ein Exponat gefunden war (das schwarze-weiße Gemälde „Vor der Tür“ von Erhard Michel übrigens), konnten alle Kinder gut mit der Entscheidung leben – nur ein kleines Mädchen nicht, denn es hatte sich in ein anderes Bild verliebt. „Baumgruppe“ hieß das farbenfrohe Werk, das zwischen Bäumen ein Elternpaar, einen Jungen und einen Kinderwagen zeigt. Ein paar Tage später kam das Mädchen mit seinen Eltern erneut in die Artothek, um sich die „Baumgruppe“ für das Kinderzimmer auszuleihen.
Die zweite Begebenheit erzählt von einer alten Kundin, die regelmäßig ihren Zivildienstleistenden zur Artothek geschickt hat. „Zwanzig Jahre lang ging das so“, erinnert sich Wiegel, „bis die Dame eines Tages in ein Altersheim umziehen musste, von da an hörten die Ausleih-Besuche ihrer Zivis dann leider auf.“
Wer Lust bekommen hat, einmal die Artothek im historischen Rathaus zu durchstöbern oder sich eines der Werke auszuleihen: Die Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr und sonnabends von 10 bis 15 Uhr.
451 Werke in der Artothek stammen von regionalen Künstlern, zum Beispiel die „Baumgruppe“ von Michael Jalowczarz.