Mehr Leben auf den Hof Holst bringen
Sie möchten dem ehemaligen Hof Holst an der Hauptstraße im Zentrum der Gemeinde Fredenbeck neues Leben einhauchen. Jetzt rückt auch das leer stehende Wohnhaus ins Zentrum der Überlegungen.
Die Aktiven vom Heimatverein Fredenbeck und vom Förderverein „De oolen Hüüs“ haben viele Ideen für die Nutzung des weitläufigen Areals. Das Gelände bietet großes Potenzial. Eine alte Scheune ist intakt und dient bei Veranstaltungen als Raum für Ausstellungen und Kaffeetafeln. Die Vereinsmitglieder haben eine Brücke über den Backlauf und Sitzgelegenheiten unter alten Bäumen errichtet. Ein Backhaus und eine Boulebahn gehören zu dem Ensemble. Im Frühjahr haben die Ehrenamtlichen das Gelände aufgehübscht, in Kürze steht erneut ein Arbeitsdienst an. „Wir haben Nachwuchs“,freut sich der Vorsitzende des Fördervereins „De oolen Hüüs“, Jens Claußen.
Ein Konzept für die neue Nutzung des Areals steht. Politik und Verwaltung müssen noch zustimmen, dann können Förderanträge gestellt werden. Konkrete Zeitpläne gibt es noch nicht. Eine Freifläche für Feste soll erhalten bleiben. Außerdem ist geplant, ein Dorfgemeinschaftshaus zur Stärkung des Vereinslebens zu bauen. Die alte Schmiede am Alten Stadtweg von 1820, ein Familienbetrieb, der heute Handwerker Hinrich Martens gehört, soll von Aktiven des Fördervereins abgetragen und auf dem Hofgelände wieder aufgebaut werden. Zusammen mit historischem Werkzeug könnte daraus ein kleines Museum werden.
Der ehemalige Hof Holst soll zu einem kulturellen Treffpunkt für die Bürger aus der Gemeinde Fredenbeck werden. Foto: Beneke
Bei Sanierungsarbeiten im ehemaligen, vor rund 120 Jahren errichteten Wohnhaus sind im Flur Wandgemälde zutage getreten. „Davon wusste keiner“, sagt die Heimatvereinsvorsitzende Jeannette Jacob. Als Handwerker die Tapeten abtrugen, stießen sie auf die farbenfrohen Malereien mit Ornamenten und Blumen. „Die Wände sind damals mit Schablonen wie Tapeten bemalt worden“, erklärt Jeannette Jacob. Der Heimatverein mit seinen vielen kleinen Gruppen möchte das Wohnhaus bereits jetzt nutzen. „Das ist nicht optimal, aber es ist ein Anfang. Wir haben bisher kein Zuhause“, sagt die Vorsitzende. „Das wird zwar noch kein Heimathaus, aber eine Heimatstube“, beschreibt sie ihre Hoffnung.
„In die Wohnbereiche soll Leben kommen“, formuliert Jeannette Jacob, die auch in den politischen Gremien für die Freie Wählergemeinschaft aktiv ist, ein zentrales Ziel für die kommenden Wochen. Die Räume sollen nicht leerstehen und verfallen. Teilweise fehlen Heizkörper, hier müsste sich die Gemeinde Fredenbeck als Eigentümerin des Hauses kümmern. In der Küche sind alle wichtigen Anschlüsse vorhanden. Die Einrichtung soll durch einen Spendenaufruf zusammenkommen, sagt die Heimatvereinsvorsitzende. In einem Nebenraum wäre Platz für einen Geschirrspüler. Bei Großveranstaltungen müssen die Vereine bisher ein teures Mobil zum Reinigen von Besteck und Tellern anmieten. Die Toiletten funktionieren. Eine ist vom Wohntrakt aus zugänglich, eine nur von außen – eine praktische Einrichtung für Veranstaltungen auf dem Hof, weiß Fördervereinschef Jens Claußen.
Der für Kulturangelegenheiten zuständige Fachausschuss des Rates der Gemeinde Fredenbeck hat dem Vorhaben seinen Segen gegeben. Solange sie keine baulichen Veränderungen in dem Haus vornehmen, die eine Auszahlung von Fördermitteln verhindern könnten, sollen die Mitglieder der Vereine das einstige Wohngebäude nutzen dürfen. Verwaltungsausschuss und Rat müssen noch abschließend zustimmen. Ein klares Votum zugunsten der Initiative gilt als sicher. Dann könnte der Vertrag zwischen der Kommune und den Vereinen, der bereits für das restliche Gelände gilt, angepasst werden.
Schon jetzt werben die Vereine für den Apfeltag, der am Sonntag, 1. Oktober, zum zweiten Mal auf dem Holst’schen Gelände ausgerichtet wird. Pomologe Eckart Brandt wird sich daran beteiligen. Besucher können an einer mobilen Apfelpresse eigenen Saft herstellen und mit nach Hause nehmen. Eine Tombola soll Geld für den Abriss und Wiederaufbau der alten Schmiede einbringen.
Seit 25 Jahren gibt es Bestrebungen, aus dem ehemaligen landwirtschaftlichen Betrieb einen Treffpunkt für die Bevölkerung der Geestgemeinde zu entwickeln. 1992 übernahm die Gemeinde Fredenbeck das Hofgrundstück mit dem Wohnhaus und der Kornscheune von der Familie Holst, die im Gegenzug eine Leibrente bis zum Lebensende bekam. Sie unterzog das Wohnhaus einer Komplettsanierung. Alle anderen Gebäude auf dem Grundstück waren in den Jahren zuvor abgebrochen worden. Dazu gehörten ein 1731 errichtetes Stall- und Wohngebäude, ein Häuslingshaus sowie ein bereits in sich zusammengefallener Schweinestall.
Zuletzt lebte in dem ortsbildprägenden Wohnhaus an der Hauptstraße das „Fredenbecker Original“ Meta Holst, wie Bürgermeister Ulrich Schumacher sie bezeichnet, eher zurückgezogen. Nach ihrem Tod Anfang des Jahres stand das Gebäude leer. Die Gemeinde ließ es aufräumen und teilweise entkernen. Als erster Besitzer des Anwesens wird für die Jahre 1634 bis 1647 der Landwirt Hans Hinrich genannt. Die Familie Holst kam um 1855 auf den Betrieb.