Beste Stimmung beim Schanzenfest
Straßenmusiker Stephen Taylor aus Kanada trat am Sonntag auf dem Schanzenfest auf. Foto dpa
Dass Wirt Sokratis Apostolidis am Sonntag während des Schanzenfestes wie gewohnt auf dem Holzstuhl vor seinem Lokal „Taverna Romana“ sitzen konnte, war nicht selbstverständlich. In der Krawallnacht vom 7. auf den 8. Juli hätten G20-Chaoten beinahe sein Haus abgefackelt.
Von Marco Tripmaker
„Nur, weil es windstill war, ist nicht mehr passiert und wir konnten die Leute durch den Notausgang in Sicherheit bringen. Das war die schlimmste Nacht meines Lebens“, sagt der Wirt, der seit 1976 die „Taverna Romana“ betreibt. Andere hatten nicht so viel Glück, es entstand großer Sachschaden. Mittlerweile sind viele zerstörte Geschäfte wieder repariert und das erste Schanzenfest nach dem Gipfel blieb friedlich. Dennoch hat die Juli-Nacht bei Anwohnern und Geschäftsleuten in der Schanze einen Schock hinterlassen.
Der Gastronom eines Restaurants möchte nicht mehr mit Reportern über G20 reden. Sein Laden war während der Krawallnacht von Großfeuern umgeben, nur mit Glück blieben die Schaufenster heil. „Die Medien haben mir das Wort im Mund umgedreht. Ich halte die Leute von der Roten Flora für unschuldig. Seitdem sage ich nichts mehr. Lass uns lieber einen Schnaps zusammen trinken und gute Freunde bleiben“, sagt der Wirt und lächelt gequält. Eine Nacht wie die auf den 8. Juli wolle er nicht mehr erleben.
Eleonora hat nebenan mit ihren beiden Kindern ein Teil vom Schulterblatt abgesperrt und einen Flohmarktstand aufgebaut. Auch sie zeigt sich misstrauisch gegenüber den Medien, möchte auf keinen Fall ihren Nachnamen in der Zeitung lesen. Sie finde, dass die Presse viel zu wenig herausgestellt hat, dass die Polizei einzig und allein Schuld an der Krawallnacht hatte. „Die Chaoten aus aller Welt wurden hier quasi eingekesselt. Ich weiß nicht, womit man gerechnet hat, dass sie hier lustige Lieder am Lagerfeuer singen? Meine ganze Familie hatte richtig Angst in dieser Nacht. Wenn es im Haus gebrannt hätte, uns wäre niemand zur Hilfe gekommen.“
Silke aus Altona verkauft in der Susannenstraße Second-Hand-Klamotten. Sie liebt die Atmosphäre in der Schanze, hat schon ein gutes Geschäft gemacht und fand die Ereignisse des G20 „einfach nur erschreckend.“ Auch sie bestätigt die Theorie des Einkesselns durch die Polizei: „Das war unnötig.“ Ein paar Meter weiter sammeln linke Gruppen über Getränke- und Essensverkauf Geld für den Kampf gegen die „Repressionsstrukturen“, sie fordern, dass alle G20-Gefangenen wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Laut Polizei, die sich den ganzen Tag sehr im Hintergrund hält, bleibt es das gesamte Schanzenfest über friedlich.
Wirt Sokrates Apostolidis zieht durchaus auch Positives aus den chaotischen Gipfeltagen: „Es war schön, zu sehen, wie alle gemeinsam aufgeräumt haben. Viele Gäste und Nachbarn haben sich erkundigt, ob es uns gut geht.“