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Fußball-EM: Linke gegen Hamburg als Austragungsort

Nach Olympia ist vor der Fußball-Europameisterschaft, könnte man meinen. Die geplante Bewerbung für Olympia 2024 oder 2028 zerplatzte wie eine Seifenblase, nun will Hamburg einer der deutschen Austragungsorte der EM 2024 werden.

Von Martin Sonnleitner Donnerstag, 28.12.2017, 18:33 Uhr

Die einzige Hürde, die noch genommen werden muss, ist die Entscheidung des europäischen Fußball-Verbandes UEFA im September. Dass Deutschland den Zuschlag bekommt, gilt als ausgemacht, die Türkei ist einziger Mitbewerber.

Doch es gibt massiven Protest der Links-Fraktion, die EM in der Hansestadt stattfinden zu lassen. „Der Senat versucht mit aller Macht, Großveranstaltungen nach Hamburg zu holen“, kritisiert deren sportpolitischer Sprecher Mehmet Yildiz. So habe Hamburg laut einer Kleinen Anfrage der Linken alleine für Bewerbungskosten für Sportgroßevents innerhalb von zwei Jahren 9,6 Millionen Euro bereitgestellt, dafür die Sportinfrastruktur nur halbherzig gefördert, wie er bemängelt.

Sportstaatsrat Christian Holstein kontert: „Das Argument, wir hätten nur Geld in Großveranstaltungen, nicht aber in den Breitensport investiert, stimmt nicht.“ So habe die Stadt zwischen 2011 und 2015 alleine 140 Millionen Euro in den Schulsport und 42 Millionen in städtische Anlagen gesteckt. „Die Zeche bleibt bei der EM beim Steuerzahler“, befürchtet Yildiz dennoch. Die Sicherheitskosten bei den Fanmeilen würden beispielsweise bei der Stadt und den Ländern bleiben, die UEFA mit ihren Großsponsoren dafür die riesigen Gewinne einstreichen.

Holstein dagegen verspricht, im Falle eines Zuschlags für Deutschland, in einen engen Dialog mit der UEFA einzutreten. „Die Investitionen müssen sich lohnen“, sagt er. Vor allem die positiven Folgen für die Infrastruktur wären meist erst später zu bewerten. „Gastronomie, Einzelhandel, Hotellerie stehen der EM sehr positiv gegenüber.“ Dass rund um die Stadien tatsächlich nur UEFA-Sponsoren ihre Produkte feilbieten dürfen, hält er hingegen für ganz normal übliche Vorgänge. Stattdessen wolle der Senat eine Studie ausschreiben, um empirisch belastbare Daten vorzuweisen, warum solch ein Event im Enddefekt lohne.

„Hamburg hat davon nichts, ist so schon eine wachsende Stadt“, moniert Yildiz. Die normalen Touristen würden wegen der Fanscharen eher wegbleiben. Bei der WM 2006 in Deutschland habe das Wirtschaftswachstum nur bei 0,02 Prozent gelegen. Die aufgebrachte Summe habe dagegen in keinem wirtschaftlich vertretbaren Verhältnis dazu gestanden.

Hamburg könne die genauen Kosten für die EM laut Anfrage erst nach der Vergabe beziffern. Auch Holstein weiß aber, dass Sportgroßereignisse im Zeitalter von staatlich befeuertem Dopingsumpf (Russland) und Korruption bis in die Führungszirkel von Verbänden nicht unter dem besten Licht stehen. Hamburg habe sich „zur Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards der UEFA“, verpflichtet, heißt es in der Erklärung des Senats.

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