Hapag-Lloyd erwägt den Umzug nach Hamburg
Hauptkunde des Eurogate-Containerterminals Bremerhaven (CTB), Hapag-Lloyd, will offenbar vier seiner fünf Nordatlantikdienste von Bremerhaven nach Hamburg verlegen. Dem CTB ginge damit mehr als die Hälfte seines jährlichen Umschlags verloren.
Dadurch würde auch der Stromkaje ein Minus von insgesamt zehn Prozent drohen.
Offiziell bestätigen will Hapag-Lloyd den Abzug seiner Nordatlantikschiffe aus Bremerhaven noch nicht. „Wir haben unsere Kunden darüber informiert, dass wir einen solchen Schritt gegenwärtig erwägen“, sagt Reedereisprecher Christian Denso.
Hinter vorgehaltener Hand ist aus dem Ballinhaus an der Hamburger Alster jedoch zu hören, dass der Schritt so gut wie beschlossen ist – und zwar schon zum vierten Quartal dieses Jahres. Betroffen wären die Transatlantikdienste AL 1–4 des Reedereikonsortiums The Alliance, die Nordwesteuropa mit der kanadischen und US-amerikanischen Ostküste sowie dem Golf von Mexiko verbinden. Einzig der Kanada-Dienst AT 1 verbliebe in Bremerhaven.
In seiner Mitteilung an die Kunden begründet Hapag-Lloyd die Verlegung mit den besseren Hinterlandanbindungen und der Stärke der Wirtschaftsregion Hamburg. Tatsächlich jedoch dürften andere Gründe ausschlaggebend sein: Hapag-Lloyd ist mit gut 25 Prozent am Hamburger Containerterminal Altenwerder beteiligt. Dieser kann von den immer größer werdenden Schiffen, die in den Fernostdiensten fahren, nicht mehr angelaufen werden, weil die davor liegende Köhlbrandbrücke zu niedrig ist. Die kleineren Schiffe von den Nordatlantikrouten könnten diese Lücke füllen und den Altenwerder-Terminal besser auslasten.
Nach Schätzungen des Branchendienstes Alphaliner ginge Bremerhaven mit den Nordatlantikdiensten der Alliance ein Umschlagvolumen von 500 000 Standardcontainern (TEU) im Jahr verloren. Das wären fast zehn Prozent des jährlichen Gesamtumschlags von 5,5 Millionen TEU. Verheerend wären die Auswirkungen für den Eurogate-Terminal CTB, wo die Alliance-Schiffe abgefertigt werden: Hier ginge mehr als die Hälfte des Umschlags verloren. Nicht betroffen wären die Reedereiterminals NTB (Maersk) und MSC Gate, an denen Eurogate jeweils zur Hälfte beteiligt ist.
Eurogate-Sprecher Steffen Leuthold äußert sich vorerst zurückhaltend: „Wir warten noch auf eine Entscheidung von Hapag-Lloyd“, sagt er. „Wenn das so käme, wäre es natürlich nicht gut für unseren Bremerhavener Terminal.“ Für Aussagen, was das für die Beschäftigten des CTB bedeutet, sei es jedoch noch zu früh.