Sie ist eine Kennerin der chinesischen Kultur
Vor dem Hochzeitschrank im Wohnzimmer: Heidi Grissmer mit einem Hochzeitskorb. Foto Lohmann
Die uralte Kultur der Chinesen fasziniert Heidi Grissmer. Seit zwei Jahrzehnten vertreibt sie in Dollern alte chinesische Möbel, Haushaltsgegenstände und Porzellane. Seit einer Zeit, als noch niemand etwas damit anzufangen wusste, wie die 57-Jährige sagt.
Ein klassischer chinesischer Hochzeitschrank in Rotlack – der Farbe der Hochzeit – mit großem runden Beschlag steht bei ihr im Wohnzimmer, ein Sideboard im Flur. Heidi Grissmer zeigt Schätze, die sie nie verkaufen würde, wie sie sagt, darunter Apotheker-Töpfe, einen Hochzeitskorb, eine Nanjing-Clock, eine alte Schreiberdose und ein Waschgefäß für Pinsel. Sie liebt chinesische Möbel, beschreibt sie als „warm und kraftvoll, gerade und klar im Ausdruck“, die Linien als „klar und puristisch“.
Ihre Familie ist international unterwegs. Sie selbst kommt aus der Hotellerie, ihr Mann Axel Grissmer arbeitet in der maritimen Wirtschaft, hat geschäftlich in Asien zu tun. Seit 1997 ist auch Heidi Grissmer regelmäßig in China unterwegs. Seit einem Besuch bei ihren (inzwischen verstorbenen) Schwiegereltern in Shanghai – der Schwiegervater war 1996 nach China gekommen, in den Anfängen der chinesischen Autoindustrie. „Es war eine ganz andere Welt“, erzählt die Mutter von zwei Kindern über ihren ersten Eindruck von dem sich öffnenden Reich der Mitte. Es gab weder Käse noch Kaffee, Schinken oder Burger, eine Unmenge von Fahrrädern und kein Abfallsystem. Dafür aber viele schöne alte Möbel. Mit Hilfe eines Tischlers, den die Schwiegereltern gefunden hatten, um für sie Schränke aufzuarbeiten, wurden alte Möbel zusammengesammelt und damit ein erster 20-Fuß-Container beladen. Viele sollten folgen.
Ihre Ausstellungsräume hatte Heidi Grissmer zunächst bei der Tankstelle in Dollern, nach drei Jahren zog sie um in Räume am Bahnhof – heute ist hier ein Fahrradgeschäft untergebracht. Wenn ein voller Container im Hamburger Hafen ankam, wurde er von einer Spedition nach Dollern gebracht. Die ganze Familie half dann mit, die in Seidenpapier und Pappe eingepackten Schätze auszuladen und auszupacken.
Schnell war Heidi Grissmer klar, dass sie ihr Geschäft nicht im Laden, sondern auf Ausstellungen machen würde. 20-mal im Jahr war sie mit ihrer Firma Asiarte zu Gast auf Kunst- und Antiquitätenausstellungen im ganzen norddeutschen Raum; sie knüpfte Kontakte und machte sich mit ihren asiatischen Antiquitäten einen Namen.
Alle eineinhalb Jahre war Heidi Grissmer in China, sichtete gesammelte und von dem chinesischen Tischler vorsichtig restaurierte Antiquitäten und besuchte Porzellanmärkte auf dem Land. Möbel waren ihr Schwerpunkt: Wäscheschränke, Vorratsschränke, Zeichen- und Teetische, rot lackierte Hochzeitsstühle. „Mega glücklich“ war sie, wenn sie einen der schönen alten achttürigen Vorratsschränke im guten Zustand fand. Doch auch Haushaltsgegenstände und Porzellane, Reisschalen und Speisenkörbchen wurden aus China importiert.
Chinesisch spricht Heidi Grissmer kaum. Sprachliche Schwierigkeiten wurden dank Hubert Zhou, dem chinesischen Assistenten des Schwiegervaters, überwunden. Hubert Zhou, der Germanistik studiert hatte, für sie den Kontakt zu Land und Leuten herstellte und auch mehrmals in Dollern war, „gehört mit seiner Frau und Tochter zur Familie“, wie sie sagt. Er unterstützte sie nicht nur bei Gesprächen mit dem Tischler und auf Antiquitätenmärkten, sondern half ihr auch mit seinem Verhandlungsgeschick und seinem Gespür dafür, wo schöne und alte Porzellane zu finden sind.
Ein weiterer wichtiger Geschäftspartner in Deutschland war ihr Berater Peter Hofrichter. Zusammen mit dem Münzkundler aus Rellingen setzte sie sich mit der Symbolik und der Geschichte der chinesischen Porzellane auseinander und bestimmte und beschrieb die zusammensuchten Schätze. Das Internet machte die Arbeit leichter – doch nur die Kommunikation, denn über Internet wurde weder verkauft noch eingekauft. „Diese Möbel muss man anfassen, man muss sie spüren“, sagt Heidi Grissmer, denn sie seien Teil der alten chinesischen Kultur, zum größten Teil zwischen 80 und 150 Jahren alt.
Inzwischen importiert Heidi Grissmer keine Antiquitäten mehr. Sie ist aber weiterhin auf Ausstellungen vertreten (so auch am 17./18. November und am 2. Dezember in Hamburg), berät Kunden und nutzt ihre Kontakte.
Asiarte, Heidi und Axel Grissmer, Am Buschteich 13, in Dollern, Telefon: 0 41 63 / 82 30 08 und 01 71 / 8 44 88 44, Mail: info@asiarte.de, Internet: www.asiarte.de
Das TAGEBLATT geht in der Region auf Weltreise und nimmt seine Leserinnen und Leser mit zu Orten, wo der Duft der großen weiten Welt zu finden ist – vom besonderen Lebensmittelladen über afrikanisches Trommeln bis hin zur Thai-Massage. Heute: Die uralte Kultur der Chinesen ist in Dollern Zuhause.