Stade ist der Landkreis der Obstbäume
Die Ergebnisse der Baumobsterhebung 2017 liegen vor: Das Obstbaugebiet an der Niederelbe ist seit der letzten Erfassung um 188 Hektar auf 10.063 Hektar gewachsen. Der Apfel steht mit einem Flächenanteil von 89,9 Prozent weiterhin auf Platz 1.
„Der Landkreis Stade ist mit fast 16 Millionen Bäumen der baumobstreichste Kreis Deutschlands“, sagt Esteburg-Leiter Dr. Karsten Klopp. Alle fünf Jahre werden die Obstbäume von den Landesämtern für Statistik erfasst – eine wichtige Grundlage für die Ernteschätzung und die Beratung. Die Birnenproduktion an der Niederelbe hat um 19 Hektar abgenommen, die Flächen für den Süßkirschenbau wuchs seit 2012 um 11 Hektar. Das gilt auch für den Pflaumenanbau. Der Trend zu größeren Betriebe halte an, so Klopp. In den vergangenen 25 Jahren haben fast 1000 Betriebe – vor allem kleine und Betriebe im Nebenerwerb – aufgegeben. Weiterhin setzt der Obstbau auf zwei Apfelsorten. Vor diesem Hintergrund mahnte der Leiter des Obstbauzentrums Esteburg in Moorende die Entwicklung einer Risikoabsicherung an, unter anderem durch neue Sorten.
An der Niederelbe wirtschaften 565 Betriebe, davon liegen 404 im Landkreis Stade. Im Landkreis Cuxhaven gibt es insgesamt 30 Obsthöfe, im Landkreis Harburg sind es aktuell 26. Auf Platz zwei steht der Stadtstaat Hamburg mit 105 Betrieben. Die Zahl sinkt jährlich um 2,5 Prozent, während die Fläche pro Betrieb steigt.
Die durchschnittliche Betriebsfläche lag vor 25 Jahren noch bei sieben Hektar, heute sind es fast 18 Hektar, so Dr. Matthias Görgens vom Obstbauzentrum. Und: 37 Prozent der Obstbaubetriebe bewirtschaften heute 20 Hektar und mehr.
Die Statistik führt auch die Öko-Betriebe auf, mittlerweile sind es 69 (1456 Hektar). Den Bio-Obstbauern gehören 14 Prozent der Anbaufläche. „Zwölf Prozent aller Baumobstbetriebe produzieren nach ökologischen Kriterien“, sagt Görgens.
Die Ergebnisse der Baumobsterhebung 2017 liegen vor: Die Grafik zeigt das Sortiment beim Apfel an der Niederelbe. Grafik: Esteburg
Die Baumobsterhebung gibt auch Aufschluss über die Pflanzintensität je Hektar. Insgesamt stehen 20,68 Millionen Obstbäume an der Niederelbe, davon 16 Millionen allein im Landkreis Stade. Verglichen mit 1992 stehen damit 2,5 Mal mehr Bäume in den Obstplantagen. Im Schnitt sind es 2240 Bäume pro Hektar.
Dadurch wird der Obstbau „immer kapitalintensiver“, etwa 1,5 Millionen Bäume werden im Jahr neu gepflanzt. Sie stehen 13,5 Jahre. Die Statistik zeigt auch, dass bei Elstar regelmäßig neu gepflanzt wird, während bei der Sorte Jonagored keine Junganlagen vorhanden sind und ein Nachholbedarf besteht, die Hälfte müsste ersetzt werden.
Der Elstar bleibt mit 33,4 Prozent der Star im Sortiment (1992: 13,4 Prozent). Red Jonaprice, die Verbraucher lieben Rot, wird verstärkt angebaut, der Anteil liegt fast bei 15 Prozent. Jonagold und Elstar kommen zusammen auf 62 Prozent, gefolgt von Braeburn, der wegen des Klimawandels an der Niederelbe angebaut werden kann. Danach kommt Boskoop, dessen Anteil sich in den letzten beiden Jahrzehnten halbierte, und Holsteiner Cox sind auf dem Rückzug, alte Sorten wie Ingrid Marie & Co. haben mit 0,5 Prozent „keine Bedeutung“ mehr. Zu den Aufsteigern gehören mit einem Flächenanteil von vier Prozent die hochpreisigen Clubsorten (Kanzi, Rubens, Junami und Wellant). Kurzum: Der Strukturwandel ist ungebrochen, doch die Obstbauern blicken optimistisch in die Zukunft – und pflanzen.