Hintergründiges zur Lage in der Region
TAGEBLATT-Chefredakteur Wolfgang Stephan berichtet in der heutigen Ausgabe über eine krachende Fehleinschätzung der Kreisverwaltung, den übereifrigen CDU-Stadtverbandsvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Oliver Grundmann und einen „Fleischerjungen“.
Was für eine Aussage! „Wir waren erfolgreich“ – es ist der Satz des Jahres, gesprochen und wohl auch so gemeint von Landrat Michael Roesberg, dem Chef der Kreisverwaltung, der Behörde, die mit ihrer Fehleinschätzung zur Betriebsgenehmigung des Esterings krachend gescheitert war.
Es war nicht eine, es waren eine ganze Reihe von Ohrfeigen, die das Verwaltungsgericht Stade im April der Kreisverwaltung verpasste. Schwere rechtsstaatliche Verstöße monierten die Richter. Dass jetzt am Ende eines aufreibenden und mit vielen Emotionen und Kosten verbundenen Monotoring-Verfahrens vor dem Oberverwaltungsgericht ein Kompromiss gefunden wurde, mit dem der ACN und der BUND gleichermaßen leben können, ist wunderbar, aber überhaupt kein Anlass vom Erfolg der Kreisverwaltung zu reden, die mit ihrer Fehleinschätzung das Debakel verursacht hat. Angebracht vom „Wir waren erfolgreich“-Landrat Michael Roesberg wäre eigentlich nur ein Satz gewesen: „Wir entschuldigen uns für unsere Fehleinschätzung bei den Bürgern unseres Landkreises.“
Manchmal ist das wirklich bitter: Da wird monatelang in den Unternehmen das Firmenjubiläum vorbereitet, Termine, Programme, Künstler und Gäste auf den Prüfstand gestellt, um am Ende zum großen Event zu laden. Wie heute bei den Viebrocks in Harsefeld, die anlässlich der Betriebsübergabe an die nächste Generation viele wichtige Menschen aus der Region zum Empfang geladen haben, der Circus Roncalli versüßt dieses Ereignis. Aber leider müssen etliche wichtige Menschen passen, sie haben abgesagt. Weil nämlich zur gleichen Stunde die Kreissparkasse auch zum Empfang geladen hat. Der 175. Geburtstag soll gefeiert werden. Im feinen Rahmen mit wichtigen Gästen aus Politik und Wirtschaft. Wie bei den Viebrocks. Noch dazu in Freiburg, also wenig Chancen, bei dem einen früher zu gehen, um zum anderen später zu kommen. Pech. Und leider keine Ausnahme, denn am 18. Oktober wird genau das gleiche Dilemma aufgelegt: Die Sparkasse Harburg-Buxtehude lädt die wichtigen Menschen aus Politik und Wirtschaft zum 175. Geburtstag nach Buxtehude ein. Beginn: 18.30 Uhr. Schön. Aber fast zeitgleich kam die Einladung zu einem anderen ebenso schönen Event: Die AVW, eines der schillerndsten Unternehmen mit Frank Albrecht an der Spitze, feiert 40 Jahre AVW, im Rilano-Hotel in Finkenwerder. Beginn: 18.30 Uhr. Dass zur gleichen Stunde der „Gründerstar 2018“ beim Gründungsforum in Buxtehude verliehen werden soll, macht das Dilemma nicht kleiner, denn üblicherweise sind bei der Preisverleihung vom „Wir waren erfolgreich“-Landrat bis zu den Bürgermeistern viele wichtige Menschen dabei. Es wird auch an diesem Tag interessant sein, wer, wo zu sehen ist …
Es war zweifelsfrei ein großer Coup, den die Stader SPD-Ratsfraktion mit ihrem Antrag zur Abschaffung der Straßenausbaubeitragssatzung gelandet hat. Die einen aus Schölisch klatschten Beifall, die anderen Mitstreiter aus der Politik waren offenbar überrascht und irritiert. Einen ganz pikanten Einblick in das Seelenleben der CDU lieferte der CDU-Stadtverbandsvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Oliver Grundmann. Der hatte am Nachmittag bei TAGEBLATT online lesen müssen, dass der CDU-Bürgermeisterkandidat Sönke Hartlef schnell erklärt hatte, dem SPD-Antrag zuzustimmen. Das hatte er deutlich meinem Kollegen Wilfried Stief gesagt. Doch gegen 17 Uhr ruderte der Kandidat ein wenig zurück. Er stimme der Abschaffung zu, den SPD-Antrag wollte er nicht erwähnt wissen. So stand es dann online und im TAGEBLATT. Warum Hartlef sich korrigieren musste, wurde wenig später klar, denn gleich bei drei TAGEBLATT-Redakteuren versuchte Oliver Grundmann am Abend Hartlefs Aussagen zu korrigieren. So wie es online zu lesen war, habe der Bürgermeisterkandidat es nicht gesagt – sagte Grundmann. Was für die Redaktion aber kein Grund war, die Hartlef-Aussage zu ändern, denn dass Oliver Grundmann auch Pressesprecher des CDU-Bürgermeisterkandidaten ist, wurde uns offiziell noch nicht mitgeteilt …
Sie wurden medial auch im TAGEBLATT groß gefeiert und hatten Erfolg: Die „Fleischerjungs“ in Person von Daniel Röhrs (28) und Ole Meyer (27) aus Jork, die nach neunmonatiger Planungsphase Anfang Mai in der Buxtehuder Altstadt die Metzgerei „Fleischerjungs“ eröffneten und seit dem ersten Tag an einen grandiosen Zulauf haben. Mit neuen frischen Ideen, so ihr Programm, wollten sie „Handwerk neu denken“. Doch die Erfolgsgeschichte hat einen empfindlichen Dämpfer bekommen, denn aus den „Fleischerjungs“ ist jetzt ein „Fleischerjunge“ geworden, denn Ole Meyer ist nicht mehr an Bord. Wenn Altländer streiten, ist das bekanntlich immer heftig und so soll es auch in diesem Fall gewesen sein. Schön geht anders. Die vielen Gerüchte, die sich um diese nur kurze Erfolgsgeschichte ranken, sollen intern bleiben, sagt Ole Meyer, der keine schmutzige Wäsche waschen möchte. Aber er bestätigt, dass er raus ist. Mehr nicht. Wer mit ihm redet, wird aber schnell spüren, dass das Bedauern groß ist. Schade. Unter „Handwerk neu denken“ hatten wir uns alle etwas anderes vorgestellt …
Hoffen wir, dass andere Initiativen erfolgreicher verlaufen und freuen wir uns auf
Ein schönes Wochenende