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Ewer Margareta

Dieses Denkmal sieht wieder aus wie früher

Der Mast des Ewers Margareta wurde am Mittwochvormittag wieder aufgerichtet. Foto: Frank

Der Mast des Ewers Margareta wurde am Mittwochvormittag wieder aufgerichtet. Foto: Frank

Das passiert nur etwa alle 25 Jahre: Der Mast des Ewers Margareta wurde gelegt, geschliffen und geölt – und am Mittwoch erfolgreich wieder aufgerichtet. Der Ewer ist bald auch Teil der Tage der Industriekultur am Wasser, die in der gesamten Region zum Entdecken von Denkmalen einladen.

Von Ina Frank Mittwoch, 15.09.2021, 16:21 Uhr

Gerne hätte man an diesem Vormittag das Wetter vom Vortag gehabt: Es regnet in Strömen, als das Team des Fördervereins Buxtehuder Hafen und Este, der den Ewer Margareta betreut, und Mitarbeiter der Zimmerei Peters (samt Kran) und der Hamburger Firma Seil-Hering anrücken, um den Mast des Ewers Margareta wieder aufzustellen. Im Mai war der Mast hingelegt worden – bei genau so bescheidenem Wetter, erinnern sich die Vereinsmitglieder. Die Jugendbauhütte, die Jugendwerkstatt Walze und Mitglieder und Freunde des Fördervereins hatten den Mast seitdem durch Schleifen und dreifaches Ölen wieder auf Vordermann gebracht.

Das Stellen des Masts ist ein aufwendiges Manöver, und trotz Regen bleiben einige Schaulustige stehen, um die Aktion zu beobachten. Das letzte Mal war der Mast vor 30 Jahren hingelegt worden, als das historische Schiff, das dem Buxtehuder Altstadtverein gehört, unter den Brücken hindurch an seinen jetzigen Platz ins Fleth geschleppt wurde.

Masterarbeit über das historische Schiff

„Es ist schön, wenn ein Denkmal so regelmäßig gepflegt und gewartet wird“, sagt Casha Ipach von der Fachgruppe Bauordnung und Denkmalschutz/Denkmalpflege, „Buxtehude kann stolz auf den Ewer als Denkmal sein.“ Ipach begleitete das Stellen des Masts und dokumentierte es mit vielen Fotos. 1992 wurde der Ewer als Denkmal deklariert. Die Entscheidung darüber, was ein Denkmal ist, trifft das Landesamt für Denkmalpflege. Ipach erklärt die Kriterien: „Gebäude oder auch Schiffe können zu Baudenkmalen werden, wenn aufgrund ihrer geschichtlichen, künstlerischen, wissenschaftlichen oder städtebaulichen Bedeutung ein öffentliches Interesse besteht.“

Die „Margareta“ weise gleich mehrere dieser Faktoren auf. Zum einen ist das Schiff für die Ortsgeschichte bedeutsam, zum anderen habe es einen „Zeugnis- und Schauwert“ für die Heimatkunde sowie für die Geschichte von Wirtschaft und Technik. Für ein Denkmal muss ausreichend historische Substanz erhalten sein; die Sanierung muss stets passend zum Originalzustand erfolgen. Solchen Denkmalen widmen sich auch die „Tage der Industriekultur am Wasser“, die von der Metropolregion Hamburg organisiert werden (siehe Kasten rechts). In diesem Jahr finden sie am 25. und 26. September statt, der Ewer und viele andere Denkmale in der Region sind dabei.

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Der Ewer, seine Geschichte und seine heutige Nutzung sind zur Zeit auch Gegenstand wissenschaftlicher Forschung: Karoline Kaiser, die an der Universität Hamburg Empirische Kulturwissenschaft studiert, schreibt ihre Masterarbeit zu diesem Thema. Auch sie beobachtete das Stellen des Masts und machte sich viele Notizen, die später Teil der Arbeit werden sollen. „Es ist gut, ein spezifisches Thema und einen festgelegten Forschungsgegenstand zu haben“, sagt sie. Karoline Kaiser hat sich während ihres Studiums viel mit maritimer Kultur beschäftigt und ihre Bachelorarbeit zu einem Projekt im Hamburger Hafen geschrieben. Ein Dozent machte sie auf die „Margareta“ aufmerksam. Den Ewer und Buxtehude kannte sie, bevor sie mit ihrer Masterarbeit anfing, gar nicht – nun ist sie das jüngste Mitglied des Fördervereins.

Auch das Tuckerboot wurde überholt

Auf dem historischen Ewer war in den letzten Monaten aber noch einiges mehr zu tun. Der Rumpf wurde abgeschliffen, von Rost befreit und angestrichen; kleinere Holzteile des sogenannten „laufenden Guts“ – das sind Rollen und Blöcke, die an Bord Lasten bewegen – wurden bearbeitet und Messingteile poliert. Auch das Tuckerboot „Margarethe“ im Buxtehuder Hafen, um das sich der Förderverein ebenfalls kümmert, hat einen Schutzanstrich bekommen.

Zwei Takler von der Firma Seil-Hering (in den weißen Anzügen) und Vereinmitglied Lutz Brahmst richten den Mast des Ewers Margareta wieder auf. Alle Interessierten können den Ewer an den Tagen der Industriekultur am Wasser besichtigen. Foto:

Zwei Takler von der Firma Seil-Hering (in den weißen Anzügen) und Vereinmitglied Lutz Brahmst richten den Mast des Ewers Margareta wieder auf. Alle Interessierten können den Ewer an den Tagen der Industriekultur am Wasser besichtigen. Foto:

Die Geschichte der Ewer: Die Ewer waren über Jahrhunderte auf der Niederelbe die typischen Frachtschiffe. Die Bezeichnung soll zum ersten Mal im Jahr 1251 aufgetaucht sein. Ewer sind so gebaut, dass sie Bereiche befahren können, deren Wasserverhältnisse sich durch Ebbe und Flut ständig ändern. Darüber hinaus ist es kein Problem, wenn Ewer trockenfallen und erst mit dem nächsten Hochwasser weiterfahren. Zu Anfang wurden die Schiffe ausschließlich aus Holz gebaut, später setzte sich der Schiffbaustahl durch. Auch der Rumpf der „Margareta“ ist aus Stahl. So ist der Ewer auch etwas einfacher zu erhalten: Schiffe aus Holz können mit der Zeit durchfaulen.

Der Förderverein Buxtehuder Hafen und Este wurde 2015 gegründet, um unter Beachtung der Umwelt- und Naturschutzregeln den Buxtehuder Hafen und die Untere Este zu beleben.

Die Tage der Industriekultur am Wasser

Mit 200 Veranstaltungen in mehr als 110 Denkmalen an 49 Orten lädt die Metropolregion Hamburg am Sonnabend, 25., und Sonntag, 26. September, zum sechsten Mal zu den „Tagen der Industriekultur am Wasser“. Auch in den Landkreisen Stade und Harburg gibt es an diesem Wochenende einiges zu entdecken.

In Buxtehude ist neben dem Ewer Margareta die Ovelgönner Wassermühle dabei. Am Sonntag zwischen 14 und 17 Uhr werden Führungen durch die Mühle angeboten. Stade ist mit seinem Stadthafen dabei. Die technischen Objekte werden erläutert, Führungen rund um den Portalkran von 1927 finden statt und die Hafenkabine des Hafenkrans kann bestiegen werden. Open Ship heißt es das ganze Wochenende auf der „Greundiek“. Der Ewer „Wilhelmine von Stade“ freut sich am Sonnabend ebenfalls auf Besucherinnen und Besucher. Die Prahmfähre in Estorf-Gräpel wird, wie vor 103 Jahren, noch per Hand über das Wasser gezogen. Die Fährmänner informieren über die Technik und die Hafengeschichte und wer möchte, kann unter Anleitung selbst Hand anlegen. In Drochtersen liegt das Küstenmotorschiff „Jan-Dirk“. Am Sonnabend führen die Mitglieder des Fördervereins über das Schiff und bei günstigen Wasserverhältnissen wird die Maschine laufen. Weiter elbabwärts liegt Freiburg an der Elbe. Der Hafen von Freiburg war einst der Umschlagsplatz für Getreide, Heu und Ziegelsteine – die „Verkaufsschlager“ aus dem Kehdinger Land. Am Sonnabend wird um 13.30 Uhr eine kurze Elbeausfahrt mit dem Blankeneser Pfahlewer angeboten. Bereits um 12 Uhr beginnt der geführte Rundgang durch den Freiburger Hafen. Eine Besichtigung des Leuchtturms in Balje – 1904 in Betrieb genommen – samt Führungen ist das ganze Wochenende über möglich. Eng verzahnt mit Industrie und Wasser sind Mühlen. In der Region zwischen Buxtehude und Rotenburg finden sich einige beeindruckende Exponate. Die Amtswassermühle in Moisburg ist eine der letzten funktionstüchtigen traditionellen Mühlen in Norddeutschland. Am Sonntag können Kinder Schrot mahlen und sieben und Mühlen basteln. Die Estebrücken Eisenbahn Hollenstedt sind zum ersten Mal dabei. Mit dem Fahrrad geht es unter fachkundiger Führung entlang der vier Brücken und zwei Bahnhöfen auf einer Strecke von zehn Kilometern hin und zurück.

Das ausführliche Programm zu allen Anlagen und Museen der Industriegeschichte in der Metropolregion Hamburg sow wie weitere Informationen zur Industriegeschichte gibt unter www.tagederindustriekultur.de.

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