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Serienstart 24-Stunden-Reportage

TWie die Farbe auf die Zeitungsseite gelangt

Schichtleiter Dieter Hilck hat an seinem Leitstand in der TAGEBLATT-Druckerei alles im Blick. Fotos: Frank

Schichtleiter Dieter Hilck hat an seinem Leitstand in der TAGEBLATT-Druckerei alles im Blick. Fotos: Frank

Was passiert eigentlich nachts in der Druckerei beim TAGEBLATT? Schichtleiter Dieter Hilck gewährt im ersten Teil der 24-Stunden-Serie einen Einblick. Er erzählt, wie die Farbe aufs Papier kommt und was solch eine Zeitungsseite wiegt.

Von Ina Frank Montag, 02.08.2021, 12:02 Uhr

Zeitungsdruck ist Nachtarbeit. Es ist kurz vor Mitternacht in der TAGEBLATT-Druckerei am Pressehaus in Stade. Schichtleiter Dieter Hilck spannt die letzten Druckplatten in die Maschine ein. Von einer Druckplatte gibt es jeweils vier Stück – für die Farben Schwarz, Cyan, Magenta und Gelb. In dieser Reihenfolge wird auch gedruckt. Das weiche Metall, aus dem die Druckplatten sind, lässt sich biegen und so in die Klemmleisten schieben. Auf jeder Druckplatte ist am Rand das Wichtigste vermerkt: Datum der Zeitungsausgabe, Farbe, Seitenzahl.

„Wenn die Platten nicht richtig eingehängt sind, stimmt die Positionierung der Seiten nachher nicht“, erklärt Hilck. Und noch etwas gilt es zu beachten: Gedruckt werden die Zeitungsseiten, 28 sind es heute, auf zwei Bahnen. Es gibt das sogenannte erste Buch und das zweite Buch – den überregionalen Teil bis Seite 14 und den lokalen Teil ab Seite 15. Die korrespondierenden Seiten müssen hintereinander liegen, erklärt Hilck, zum Beispiel Seite 5 und Seite 19.

Bevor es losgeht, gewährt Hilck noch einen Blick in das Papierlager – gefüllt bis unter die Decke. Denn Papier ist nicht gleich Papier. Für den normalen Zeitungsdruck wird Papier mit einem Gewicht von 45 Gramm pro Quadratmeter verwendet (diesen Wert bezeichnet man auch als „Grammatur“). Bei Magazinen, etwas „Business & People“, sind es 52 Gramm. Eine Papierrolle ist etwa 22 Kilometer lang. Wie viel Papier wird eigentlich benötigt? Hilck gibt ein Beispiel: Vier Papierrollen brauche es in der Regel, um eine Ausgabe des Mittwochsjournals zu drucken.

Farben können nachträglich noch korrigiert werden

0 Uhr, das Drucken beginnt, es wird laut in der Halle. Das Papier schießt nur so durch die Maschinen, was darauf steht, ist nur verschwommen zu erahnen. Das Buxtehuder Tageblatt wird zuerst gedruckt, 6220 Exemplare sind es heute. „Um 0.33 Uhr sind wir damit fertig“, sagt Hilck. Er befindet sich jetzt in einem erhöht liegenden Nebenraum am „Leitstand“. Hier kann er alles überwachen: Auf einem Display ist zu sehen, wie die jeweilige Zeitungsseite aussehen soll, auf einem anderen die Einstellungen – die Farben etwa können noch nachträglich korrigiert werden. Sein Kollege Frank Skoruppa achtet derweil an einem anderen Display darauf, dass der sogenannte „Passer“ richtig ist. Das bedeutet: Die vier Farben müssen nacheinander genau übereinander gedruckt werden, also übereinander „passen“. Stimmt etwas nicht, sind die Bilder verschwommen. Pro Stunde können übrigens bis zu 35.000 Zeitungen gedruckt werden, gerade sind es 20.000. Vom Maximum wird nur Gebrauch gemacht, wenn die Zeit knapp wird, weil der Andruck nach hinten verschoben werden musste – etwa jüngst bei der Fußball-EM, wenn Spiele erst im Elfmeterschießen entschieden wurden und somit die Sport-Seiten erst spät fertig waren.

Nun geht es an die Qualitätskontrolle: Immer wieder gehen Hilck und Skoruppa die kleine Treppe hinunter zur Maschine, schnappen sich Zeitungen und blättern sie im Leitstand Seite für Seite durch, um zu überprüfen, ob alles so aussieht, wie es sein soll. „Kontrollieren ist das A und O“, sagt Hilck schmunzelnd. Denn nicht nur bei den Farben kann etwas schief gehen. Die weißen Stellen auf der Zeitungsseite werden beim Druck mit Wasser benetzt. Ist es zu wenig Wasser, schmiert die Farbe. Hin und wieder muss Feuchtigkeit nachgeführt werden, denn die Maschine wird beim Drucken ja wärmer. Dafür gibt es zwei Techniken, erläutert Hilck: die Sprühfeuchtung und die Bürstenfeuchtung des Papiers. Bei ersterer kann eine Düse verstopfen, unter Umständen wird die Seite dann komplett schwarz.

Kurz vor dem Andruck spannt Dieter Hilck die Druckplatten ein.

Kurz vor dem Andruck spannt Dieter Hilck die Druckplatten ein.

Beim Tausch der Papierrolle kann die Maschine weiterlaufen

0.25 Uhr, es knallt einmal laut – kaputt gegangen ist aber nichts. Eine Papierrolle ging zu Ende, das Abschlagmesser schlägt den Rest ab, eine neue Rolle geht an den Start. Früher musste die Maschine dafür gestoppt werden, heute geht der Druck einfach weiter seinen Gang. Ohnehin läuft fast alles automatisch: Die fertig gedruckten Zeitungen werden gefaltet und in die Versand-Abteilung transportiert. Dort legen Mitarbeiter eine Beilage – die Fernsehzeitung – wiederum in eine Maschine ein, die sie in die Zeitungen steckt. Als Pakete werden die Zeitungen gestapelt, mit Plastikfolie umhüllt, durch zwei Bänder werden die Pakete verschnürt – fertig sind sie, um an die Zusteller geliefert zu werden. All das haben Maschinen erledigt. Leise ist es in den Hallen der Druckerei wahrlich nicht.

Die paketweise gestapelten Zeitungen werden von Maschinen in Folie verpackt und mit Bändern zusammengebunden, um dann zu den Zustellern gebracht zu werden.

Die paketweise gestapelten Zeitungen werden von Maschinen in Folie verpackt und mit Bändern zusammengebunden, um dann zu den Zustellern gebracht zu werden.

Um kurz nach halb eins wird die Titelseite gewechselt, dann geht es mit der „Kleinen“ weiter: dem Altländer Tageblatt, Auflage knapp 1500 Stück. Hilck holt eine Zeitung – die erste Lokalseite ist gelb gefleckt; die Jacken, die Feuerwehrleute auf einem Foto tragen, sind knallpink. „Da wurde versehentlich eine falsche Platte eingelegt“, sagt Hilck und kümmert sich. Passiert.

Gleich 1 Uhr, Zeit für eine Pause, um die Druckplatten zu wechseln. Um 1.30 Uhr geht es mit dem Druck des Stader Tageblatts weiter. Seit 36 Jahren arbeitet Dieter Hilck schon in der Druckerei, hier hat er auch seine Ausbildung gemacht. „Und es macht mir immer noch Spaß“, sagt er. Er hat ursprünglich Bogendruck gelernt, denn man für Bücher und Plakate benötigt. Früher wurden auch die beim TAGEBLATT gedruckt. „So lernt man Genauigkeit. Da will man keine verschwommene Schrift oder einen Knick in der Seite“, sagt Hilck schmunzelnd. Der Beruf nennt sich Medientechnologe – zum 1. September wird übrigens noch ein Auszubildender gesucht.

Die 24-Stunden-Reportage

Für die Serie „24 Stunden: Reportagen rund um die Uhr“ verbringen TAGEBLATT-Redakteure je eine Stunde an einem Ort in der Region. Start und Ende der Serie ist um 0 Uhr, was 24 Stunden und damit 24 Serienteile ergibt. Und das sind die geplanten Folgen in diesem Sommer:

  • Teil 1: Andruck beim TAGEBLATT
  • Teil 2: In der Rettungsleitstelle
  • Teil 3: Auf Stadersand
  • Teil 4: In der Intensivstation
  • Teil 5: Beim Brötchen-Imbiss
  • Teil 6: Im Molkerei-Tankwagen
  • Teil 7: Krafttraining beim BSV
  • Teil 8: Packen des Verkaufswagens
  • Teil 9: Der Spül- und Saugwagen
  • Teil 10: Rattenfänger bei der Arbeit
  • Teil 11: 1000 Essen in der Küche
  • Teil 12: Im Oste-Sperrwerk
  • Teil 13: Beim Mittagstisch
  • Teil 14: Auf der Greundiek
  • Teil 15: Bei der Wasserschutzpolizei
  • Teil 16: Beim Minigolf
  • Teil 17: Die DJ’s von der Elbe
  • Teil 18: Beim Streetworker
  • Teil 19: Beim Strandwächter
  • Teil 20: Ausbildung zum Jagdhund
  • Teil 21: Am Lühe-Anleger
  • Teil 22: Katzen fangen
  • Teil 23: Kneipen-Kehraus
  • Teil 24: Der letzte Zug
Über die Decke wandern die Zeitungen zum Versand-Bereich.

Über die Decke wandern die Zeitungen zum Versand-Bereich.

Das gut gefüllte Papierlager . Gabelstapler transportieren die Ballen ins Druckzentrum.

Das gut gefüllte Papierlager . Gabelstapler transportieren die Ballen ins Druckzentrum.

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