Raiffeisen Elbe-Weser schluckt die Spadaka
Die Waren-Genossenschaft Raiffeisen Weser-Elbe mit Sitz in Bad Bederkesa hat einen großen Coup gelandet. Ab Juli übernimmt sie das Warengeschäft der Spar- und Darlehenskasse Börde Lamstedt-Hechthausen.
Der Übergang des Betriebs geschieht im gegenseitigen Einvernehmen. Kürzlich unterschrieben beide Seiten in Lamstedt einen Kooperationsvertrag, der bei der Generalversammlung der Spadaka im Juni von den Genossenschaftsmitgliedern noch abgesegnet werden muss.
Für die Ausgliederung der Warensparte der Spadaka gibt es aus Sicht der Genossenschaftsbank gute Gründe. „Wir sind eine der wenigen Kreditgenossenschaften in Deutschland, die noch ein Warengeschäft betreiben“, sagt Vorständlerin Brunhilde Tiedemann. Das umfasst neben dem klassischen landwirtschaftlichen Warengeschäft auch den Handel mit Energie sowie einen Raiffeisenmarkt im Zentrum von Lamstedt. Mit ihrem Warengeschäft erzielte die Spadaka im abgelaufenen Wirtschaftsjahr einen Umsatz von 13,5 Millionen Euro.
„Wir trennen uns von einem Standbein zum Wohl unserer Mitglieder“, sagt Vorstand Peter Winter. Aus seiner Sicht ein „historischer Moment für die Spadaka“. Den Hintergrund für den Verkauf an die Raiffeisen Weser-Elbe liefert in erster Linie der Strukturwandel in der Landwirtschaft. Denn bis zu vier Prozent der Betriebe geben jährlich auf. Unter den 2530 Mitgliedern der Spadaka-Kreditgenossenschaft befinden sich noch etwa 150 Vollerwerbslandwirte. Hinzu kommen wachsende Ansprüche an die Handelspartner, die Logistik, die Digitalisierung und die Ausbildung der Mitarbeiter. Und nicht zuletzt steigen die Anforderungen durch die agrarpolitische Regulatorik wie etwa im Bereich der Düngeverordnung. Hier sei eine spezialisierte Warengenossenschaft wie die Raiffeisen Weser-Elbe mit ihren 240 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 112 Millionen Euro gegenüber einer Kreditgenossenschaft, die 15 Mitarbeiter im Warengeschäft beschäftigt, schlicht im Vorteil. Die betroffenen Angestellten an den beiden Standorten Lamstedt und Mittelstenahe werden von der Raiffeisen Weser-Elbe weiterbeschäftigt.
Die Bankgeschäfte der Spadaka in Lamstedt, Mittelstenahe und Hechthausen bleiben von dem Verkauf der landwirtschaftlichen Sparte unberührt.
Für den Geschäftsführer der Raiffeisen Weser-Elbe, Dr. Hauke Bronsema, ist die Übernahme nach rund fünf Monaten Verhandlung zum 1. Juli ein konsequenter und logischer Schritt: „Der Übergang kommt nicht aus heiterem Himmel. Wir arbeiten schon lange bei der Getreidevermarktung und im Baustoff-Bereich zusammen.“ Die Spadaka agiere zudem quasi zentral im Geschäftsgebiet der Raiffeisen Weser-Elbe, das von Cuxhaven bis Alfstedt und von Dorum bis Drochtersen reicht.
Mit dem Verteillager der Spadaka im Energiebereich in Mittelstenahe könne die Raiffeisen Weser-Elbe zudem eine Lücke schließen. Als Großkunde bei Futtermitteln besitze die Genossenschaft außerdem im Einkauf eine gehörige Marktmacht, die Vorteile bringe. Raiffeisen Weser-Elbe nimmt gut 60 Prozent der Produktion des Genossenschafts-Kraftfutterwerks in Bremerhaven ab. Mit dem neuen Partner zusammen sind das gut 100 000 Tonnen pro Jahr.
Er hoffe, dass sich die Landwirte der Kreditgenossenschaft nun auch der Raiffeisen Weser-Elbe anschließen, so Bronsema. Vereinbart sei, dass zwei Sitze im Aufsichtsrat von Spadaka-Genossen besetzt werden können. „Wir sind als Partner zusammengekommen“, so Raiffeisen-Aufsichtsratschef Klaus Wist. Diesen Geist atme auch der Kooperationsvertrag. Der sei nicht aus wirtschaftlichem Zwang heraus zustande gekommen, sondern aus einer Position der Stärke.
„Das ist ein Gewinn für alle Beteiligten“, so Wist. „Hier gibt es keine Verlierer. Die Mitarbeiter der Spar- und Darlehenskasse bekommen einen attraktiven Arbeitgeber und eine gefestigte Beschäftigung.“
Über die Höhe des Verkaufspreises haben beide Vertragspartner Stillschweigen vereinbart.
Genossenschaft
Raiffeisen Weser-Elbe eG: Hauptsitz Bad Bederkesa, Raiffeisenstraße 10, 27624 Geestland; Umsatz: 112 Millionen Euro (2016/2017); Mitglieder: 1130; Mitarbeiter: 240; Standorte: 15 (Stand 2017).
Spar- und Darlehenskasse Börde Lamstedt eG: Hauptsitz Kleine Straße 15, 21769 Lamstedt; Umsatz im Warengeschäft: 13,5 Millionen Euro (2016/2017); Mitglieder (insgesamt): 2530; Mitarbeiter (im Warengeschäft): 15 Standorte: Lamstedt, Mittelstenahe (Große Straße 1), Hechthausen (Bahnhofstraße 1).