Gülle bereitet Bauern Sorgen
Die Herausforderungen für die Landwirtschaft waren Thema bei der Jahresabschluss-Versammlung des Kreisbauernverbandes in Stade. Ganz frisch auf dem Tisch: der Havarie-Erlass. Er soll dabei helfen, das Problem der vollen Gülle-Lager zu lösen.
Die Güllebehälter in der Region werden immer voller. Wegen des vielen Regens der vergangenen Monate wurden Landwirte den Dünger auf ihren nassen Böden nicht los. Bilder von überlaufenden Behältern sind daher durchaus vorstellbar. In Schleswig-Holstein wurde vor wenigen Tagen ein Notfallplan Gülle verkündet.
Auf den Notstand hat auch das niedersächsische Umweltministerium reagiert und einen Havarie-Erlass ausgegeben. Der soll ermöglichen, natürlich unter strengen Auflagen, dass auch in der jetzt geltenden Sperrfrist Gülle ausgebracht werden kann, wenn die Lagerkapazitäten erschöpft sind. Zuständig für Genehmigungen ist die Untere Wasserbehörde beim Landkreis.
Der Havarie-Erlass ist so frisch, dass bei der Jahresabschlussversammlung, bei der Fachleute aus den verschiedenen Bereichen der Landwirtschaft zusammenkamen, von Kreislandwirt Johann Knabbe gleich eine Sondersitzung im Anschluss an die Versammlung zusammengetrommelt wurde.
Ziel der Sitzung war es, gemeinsam einen Weg zu finden, um dem Landkreis bei der Umsetzung des Erlasses behilflich sein zu können. Am besten sollten Nägel mit Köpfen noch vor der Ferien- und Urlaubszeit der kommenden Feiertage gemacht werden, so Knabbe. Einen Termin mit dem Landkreis gibt es bereits für die nächste Woche.
Wie brenzlig die Situation ist, wurde auch in der Diskussion deutlich. Da wurde über die Erdlöcher im nördlichen Nachbarbundesland gesprochen, in die das Zuviel an Gülle deponiert wurde und über die Möglichkeit, einen Tanker als Lagerstätte zu nutzen. Vom Havarie-Erlass wurde als dem letzten Strohhalm gesprochen.
Über weitere Herausforderungen und höher werdende Hürden für die Landwirtschaft sprach Karsten Lodders, Leiter der Landwirtschaftskammer Bremervörde, die auch für Stade zuständig ist. Dabei wurde deutlich, dass Bauvorhaben wie die Autobahnen und Stromtrassen die Landwirte vor Probleme stellen, dass aber Bauvorhaben von Landwirten selbst nur unter großen Auflagen möglich sind.
Lodders verwies insbesondere auf das niedersächsische Umweltinformationsgesetz NUIG. Das mache seit geraumer Zeit jedes geplante Bauvorhaben in der Landwirtschaft öffentlich. Umweltverbände dürften die Unterlagen jederzeit einsehen und könnten es durch Nachfragen ins Wanken bringen. „Ihre Anträge müssen robust sein“, empfahl Karsten Lodders. Auch Kreislandwirt Johann Knabbe griff das Thema auf. „Wehe dem, der einen Nachbarn hat, der der Landwirtschaft nicht wohlgesonnen ist“, sagte er. Ein Beispiel: Landwirte müssen anhand ihrer Flächen eine ausreichende Futtergrundlage nachweisen. Wenn Umweltverbände oder Nachbarn da Flächen rauskegeln, kann es eng für das Bauvorhaben werden.
Kreislandwirt Knabbe ging in seinem agrarpolitischen Kurzbericht auf drei aktuelle Themen ein. Beim Thema Glyphosat habe er kein Verständnis für manche Äußerungen, die Verschwörung unterstellen, mehr. Es gebe Regeln, die die Landwirte umsetzen würden. Da wünsche er sich mehr Verständnis.
Das Jahr 2017 bewertet Johann Knabbe mit Blick auf die Märkte insgesamt als erholsam. In einigen Bereichen seien die Preise für Produkte gestiegen, was auch für entspanntere Mienen gesorgt habe.
„Wir haben top ausgebildete junge Landwirte, die etwas produzieren wollen“, sagte Knabbe am Rande der Sitzung. Der Wohlstand hierzulande hänge von leistungsbereiten Menschen ab. Knabbe: „Die haben wir in der Landwirtschaft.“