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Quartier Benedixland: Der neue Stadtteil nimmt Form an

Politik und Verwaltung haben ein großes Stück Innenstadterweiterung vorangebracht. Zwischen Altländer Viertel und den Bahngleisen sollen Bürogebäude und Wohnungen entstehen, dazu Kita und Park. Der Bebauungsplan soll jetzt erneut öffentlich ausgelegt werden.

Von Wilfried Stief Dienstag, 24.09.2019, 19:10 Uhr

Der Sanddamm vom neuen Staatsarchiv bis zum Camper Tunnel ist schon geschüttet. Dort entsteht eine Straße, die das verkehrliche Rückgrat des Quartiers abgeben wird. Ansonsten weist noch nichts darauf hin, dass hier, vor der Haustür des Staatsarchivs, Großes geplant ist.

Dabei sind die ersten Nutzer schon in Sicht und planerisch gut dabei, Leben auf die kahle Fläche südlich des Altländer Viertels zu bringen. Die Finanzbeamten zum Beispiel: Sie werden in Stade in absehbarer Zeit umziehen. Das alte Gebäude gilt vor allem energetisch als nicht sanierungsfähig. Zudem sollen alle Abteilungen unter ein Dach kommen. Ein Neubau muss her, die Finanzierung durch das Land ist gesichert. Der Neubau wird mit 22 Millionen Euro taxiert.

6000 Quadratmeter des Gebietes sind für den Landkreis reserviert, der sein neues Jugendamt erstellen lassen will – im ÖPP-Verfahren, bei dem die öffentliche Hand mit privaten Firmen zusammenarbeitet. Bei diesem Bau geht es um 13 Millionen Euro (Stand Oktober 2017). Es soll nach ursprünglichen Planungen Platz für 100 Mitarbeiter bieten. 90 Mitarbeiter des Jugendamts sollen hier zentrumsnah und in modernen Räumen untergebracht werden. Aktuell sind diese Kreisangestellten in einer städtischen Immobilie im Ortsteil Ottenbeck untergebracht. Die soll dann verkauft werden.

In direkter Nachbarschaft zum Jugendamt wird die Stadt Stade ein Gebäude für fünf Kindergarten-Gruppen bauen, drei im Elementarbereich für Drei- bis Sechsjährige und zwei Krippengruppen für bis zu drei Jahre alte Kinder. Die zwei Hektar große Fläche Richtung der Wiesen des Benedixlands ist für verdichtete Wohnbebauung vorgesehen. Einfamilienhäuser sind nicht geplant, aber Reihenhäuser und vor allem drei- bis viergeschossige Mehrfamilienhäuser. Die Stadt kann einen Anteil von 20 Prozent für sozialen Wohnungsbau vorsehen.

Der Baugrund selbst ist nicht ohne. Die zwölf Hektar große Fläche liegt vor allem in der Marsch. Das Grundwasser sei so nah, dass wohl keiner auf die Idee käme, eine Tiefgarage zu bauen, hieß es auf der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt (ASU). Hier wird eine Entwässerung das Wasser in Richtung Altes Land bringen, wo es auch zur Beregnung verwendet werden kann, und nicht wie bislang in den Burggraben.

In Richtung Bahngleise mussten sich die Planer mit Altlasten beschäftigen. Das Gelände des Mineralölwerks weist Belastungen auf, ebenso das Gelände des Güterbahnhofs, auf dem auch Jahrzehnte gewirtschaftet wurde. Ein Monitoring soll die Lage im Blick haben. Im Benedixland befindet sich auch ein Altspülfeld mit Sedimenten des Burggrabens. Nils Jacobs, Fachbereichsleiter Bauen, wies darauf hin, dass es aufgrund der guten Lage zur Innenstadt und zum Bahnhof kurze Wege geben werde.

Die Pläne sehen vor, den Verkehr in diesem Gebiet neu zu ordnen. Die jetzige Verbindung zwischen Camper Tunnel und der Straße Am Güterbahnhof wird gekappt. Der Verkehr wird in Zukunft über die neue Straße Am Staatsarchiv geführt, die bislang nur teilweise vorhanden ist.

Ihr Bau braucht Zeit. Erst einmal muss sich der Sanddamm setzen, um den Untergrund zu verfestigen – wie beim Autobahnbau. Für die 400 Meter lange Strecke kostet das die Stadt 900.000 Euro. Dann, wohl im Herbst 2020, kann mit dem Straßenbau begonnen werden. Die Fertigstellung peilt die Stadt für Mitte 2021 an.

Das Land der Benediktiner

Zur Mitte des 12. Jahrhunderts wurde außerhalb der damaligen Stadtmauer ein Kloster erbaut: das Benediktiner-Kloster St. Marien. Es lag auf dem Gelände des heutigen Bahnhofs. Zum Kloster gehörten damals viele Ländereien, darunter eben auch das Benedixland – also das Land der Benediktiner. Die Schweden lösten das Kloster 1648 auf und übertrugen den Besitz an die Stadt.

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