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Konkurrenten für SPD und CDU im Landkreis Harburg

Von oben links nach unten rechts im Bild: Nadja Weippert (Grüne), Wolfgang Knobel (FDP), Joachim Kotteck (Die Linke), Roderik Pfreundschuh (AfD) und Timo Röntsch (Freie Wähler).

Von oben links nach unten rechts im Bild: Nadja Weippert (Grüne), Wolfgang Knobel (FDP), Joachim Kotteck (Die Linke), Roderik Pfreundschuh (AfD) und Timo Röntsch (Freie Wähler).

Außer CDU und SPD bewerben sich fünf weitere Parteien und Gruppierungen im Landkreis Harburg mit Direktkandidaten zur Bundestagswahl im Wahlkreis 36. Die Palette reicht von ganz links bis ganz rechts. Über einen Listenplatz abgesichert sind sie alle nicht.

Von Claudia Michaelis Montag, 18.09.2017, 17:15 Uhr

Die 34-jährige Tostedterin ist Mutter eines sechsjährigen Sohnes und zweite stellvertretende Bürgermeisterin von Tostedt. Die gelernte Versicherungskauffrau arbeitet im Buchladen „Buch & Lesen“ in Tostedt und studiert seit 2014 Politikwissenschaft an der Uni Hamburg. Sie war Mitinitiatorin des Bürgerbegehrens zum Erhalt des historischen Tostedter Ortskerns im Jahr 2013 und ist seither politisch aktiv. Weippert gehört dem Rat und dem Samtgemeinderat Tostedt an. Sie sagt: „Eine ehrliche, transparente und moderne Politik ist mein größtes Anliegen.“ Als Schwerpunkte liegen ihr folgende Themen am Herzen: weniger Bürokratismus, zum Beispiel im Sozialbereich, durch die Vereinfachung von Anträgen. Weniger Gift – eine sanfte Agrarwende verbunden mit der Abschaffung der Massentierhaltung und einem Verbot von Pestiziden wie Glyphosat sowie die Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes in der Massentierhaltung. Weniger Lobbyismus: Die Einflusskraft von Lobbyisten auf politische Entscheidungen soll minimiert werden. „Angesichts der Dieselaffäre ist das aktueller denn je“, so Weippert. Das Ziel laute: Bürgerwohl statt Lobbyistenglück.

Der 71-jährige pensionierte Studienrat aus Drage in der Elbmarsch ist seit vielen Jahren ein bekannter Kopf in der Landkreis-FDP. Bis 2015 war er Kreisvorsitzender der Liberalen. 1969 war Knobel in die FDP eingetreten. In der Elbmarsch saß er im Gemeinde- und Samtgemeinderat. Der verheiratete Vater eines Sohnes war jahrzehntelang Vorsitzender im CVJM Hamburg. Seine Hauptanliegen: Die großen Konzerne, die abwandern und ihre Steuern nicht in Deutschland zahlen, sollen ihre Steuern hier zahlen. Bei der Integration müsse darauf geachtet werden, dass das Grundgesetz gilt. Religionsfreiheit habe sich dem Grundgesetz unterzuordnen. „Es darf keine Scharia in den Hinterzimmern geben“, so Knobel. Zudem sei ihm die Digitalisierung wichtig: „Wir brauchen möglichst schnell ein flächendeckendes Breitbandnetz. Der Ausbau ließe sich finanzieren, indem man Anteile von Post und Telekom verkauft. Die Bildungspolitik müsse besser koordiniert werden, weil der Bildungsföderalismus zu Katastrophen führe. Die Grunderwerbsteuer beim Ersterwerb von Immobilien soll wegfallen, und die Dokumentationspflicht für Betriebe soll eingegrenzt werden.

Der 64-jährige Diplom-Sozialökonom aus Seevetal-Fleestedt ist Schatzmeister des Linken-Kreisverbands Harburg-Land und seit der Kommunalwahl 2016 im Rat der Gemeinde Seevetal aktiv. Seine erklärten Schwerpunkte: Die Rentenungerechtigkeit beseitigen und neue Konzepte für eine gerechte Rente für alle entwickeln. Den Mindestlohn stärken und damit die Renten „sicherer“ machen und die Inlandsnachfrage erhöhen. „Die Privatisierung muss aufhören, Krankenhäuser, Schulen, Pflegeheime, Energieversorger und Sicherheit gehören nicht in private Hände“, sagt Kotteck. Das Fürsorge- und Gewaltmonopol sei ausschließlich die Sache des Staates. Es gebe keine Obergrenze für Asyl-Politik, stattdessen sollte man aufhören, Waffen in Länder zu liefern, die als Krisenherd gelten. Bundeswehreinsätze außerhalb der Bundesrepublik seien zudem nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Kottek will ein Steuerprogramm, „das gerechter ist und denen mehr aufbürdet, die es tragen können, als denen die es nicht tragen können“. Da die Mietpreisbremse ihrem Anspruch nicht gerecht werde, sollten die Kommunen sich am Wiener Wohnungsbau orientieren, um für bezahlbares Wohnen zu sorgen.

Der 41-jährige Jurist ist verheiratet und Vater einer Tochter. Seit 2008 arbeitet der gebürtige Heidelberger als Rechtsanwalt in eigener Kanzlei als Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht in Winsen. Pfreundschuh ist seit seiner Jugend politisch aktiv und derzeit Fraktionschef der AfD im Kreistag des Landkreises Harburg. 1999 war er in die SPD eingetreten und zählte sich dort zum konservativen Seeheimer Kreis. 2013 verließ Pfreundschuh die SPD, weil er die Politik einer Andrea Nahles oder eines Heiko Maas nicht mehr mittragen mochte. 2015 trat Pfreundschuh dann der AfD bei aus Ärger über die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angelika Merkel. Der AfD-Mann sieht seinen Schwerpunkt besonders in der Flüchtlingspolitik. Der Islam sei mit unserem Rechtssystem nicht vereinbar, glaubt Pfreundschuh. „Integration kann nur gelingen, wenn nicht alle die kommen, auch hereingelassen werden“, sagt er. Wie die AfD will Pfreundschuh unbedingt die Zuwanderung von Flüchtlingen reduzieren und fordert eine Obergrenze.

Der 35-Jährige aus der Gemeinde Seevetal ist ledig und für die Freien Wähler im Ortsrat Fleestedt aktiv. In der regionalen Sportgemeinde ist der leidenschaftliche Fußball-Fan Röntsch vor allem durch seine 20-jährige Tätigkeit als Schiedsrichter beim TuS Fleestedt bekannt. Ehrenamtlich engagiert ist er auch in der Feuerwehr, im Reitverein und im Schützenverein Hittfeld. Der Informatik-Kaufmann und studierte Wirtschaftsingenieur arbeitet als IT-Teamleiter bei der Hamburger Hochbahn. Seine Motivation, für den Bundestag zu kandidieren, erklärt er mit dem Wunsch, mehr Bürgernähe ins Berliner Parlament zu bringen. „Wir haben eine unglaubliche lokale Stärke und müssen diese auch im Bund repräsentieren. Die Berufspolitiker haben den Bezug zu lokalen Themen verloren. Was die Bürger bewegt, wird dort nicht behandelt“, findet Röntsch. Seine Schwerpunkte sieht er bei „allem, was mit Jugend zu tun hat“: die Förderung von Jugend, Vereinen, Institutionen und ehrenamtlichen Tätigkeiten. „20 Prozent der Wähler sind Rentner, aber die Parteipolitik vergisst, dass die jungen Leute diejenigen sind, die die Rente erwirtschaften müssen“, so Röntsch.

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