Münzprüf-Firma: Crane Payment Innovations baut 70 Jobs ab
Blick auf das Werksgelände am Fruchthof in Buxtehude. Foto: Vasel
In der vergangenen Woche verkündete Bacardi das Aus für das Buxtehuder Werk. Jetzt will auch Crane Payment Innovations (CPI), früher unter dem Namen National Rejectors (NRI) bekannt, die Produktion schließen. 70 Mitarbeiter werden ihre Arbeit verlieren.
CPI mit Sitz im Gewerbegebiet Westende produziert Münzprüfer. Die Forschungs- und Entwicklungsabteilung bleibt erhalten. Das Unternehmen begründete seine Absicht mit strategischen Erwägungen. Vorgeschichte: Im Jahr 2014 hatte der US-Mutterkonzern Crane das Unternehmen MEI erworben. Dadurch gebe es zu viele Standorte. „Zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit“ sollen laut CPI jetzt Kompetenzzentren geschaffen werden. In Zukunft will der Konzern automatisierte Zahlungssysteme nur noch in drei Werken – im Billiglohnland Mexiko sowie in Japan und in Großbritannien – produzieren. Die Buxtehuder Produktion soll nach Manchester verlagert werden. Das haben der Betriebsratsvorsitzende von Crane Payment Innovations, Heinz Peter Jansen, und der Geschäftsführer Stig Goepel dem TAGEBLATT bestätigt. Letzterer sprach von einem Plan und äußerte sich zu den Details nur schriftlich.
Die Geschäftsführung von CPI habe in dieser Woche erste Gespräche mit dem Betriebsrat über die geplante Schließung der Produktion von Münzprüfern und die Verlegung nach Manchester in Großbritannien eingeleitet. Es existiert noch ein Sozialplan von 2014, der Folgen der Verschmelzung der US-Konzerne MEI und Crane (wie die Aufgabe von Produkten aufgrund von EU-Wettbewerbsauflagen) abfedern sollte und alle durch die Integration von MEI bedingten Restrukturierungsmaßnahmen erfasste. „Daher können die von einem Verlust ihrer Arbeitsplätze betroffenen Mitarbeiter sozialverträgliche Lösungen erwarten“, so die CPI-Führung.
Gleichwohl werde das Licht in Buxtehude nicht ganz ausgehen. Forschung und Entwicklung und Vertrieb (50 Mitarbeiter) werden erhalten, CPI in Buxtehude bleibe ein zentraler Ingenieursstandort. „Die Verlegung der Produktion nach Manchester ist eine schwierige, aber notwendige Maßnahme, um unser Geschäft langfristig zu sichern“, erklärte der CPIGeschäftsführer Stig Goepel.
„Wir stehen der strategischen Entscheidung des Unternehmens etwas hilflos gegenüber“, sagt der Betriebsratsvorsitzende. Eigentlich stehe Buxtehude gut da. Laut Bundesanzeiger sollte der Umsatz 2017 bei 44 Millionen Euro liegen, CPI schreibt Gewinne mit der Produktion und dem Vertrieb von Zahlungsmittelprüfsystemen für Automaten. Betriebsrat und IG Metall wollen sozialverträgliche Lösungen finden – nicht nur über Abfindungen, so Jürgen Wolf von der IG Metall. Es gehe auch um Vermittlung neuer Arbeitsplätze. Einige Kollegen müssten qualifiziert werden. In der Produktion in Buxtehude arbeiten viele Ältere und Ungelernte.
Dass die Münzprüferfertigung gerade nach England verlagert werden soll, sorgt für Verwunderung. Eigentlich verlassen viele Firmen die Insel mit Blick auf den Brexit. Offenbar sei Buxtehude mit einem Umsatzanteil von vier Prozent zu unbedeutend für Crane. Seit dem MEI-Kauf hätten die Kollegen trotz guter wirtschaftlicher Lage solche Schritte befürchtet. Jetzt gelte es, das Beste für die rund 70 betroffenen Kollegen zu erreichen.
Im März 2003 hatte CPI (bis 2011 lautete der Name NRI) schon einmal viele entlassen. 79 Mitarbeiter waren es seinerzeit. Einige wurden in einer Qualifizierungsgesellschaft fit für einen neuen Job gemacht. Gründe: Nach der Euro-Umstellung – die Gewinne steckte sich der Mutterkonzern ein – und der Steuererhöhung für Zigaretten und der Einführung des Dosenpfands kam es 2003 zu Einbrüchen. Davon erholte sich CPI auch dank der Innovationen der Ingenieure. Noch in den 1980er Jahren beschäftigte die 1959 am Fruchthof angesiedelte Firma rund 650 Mitarbeiter. Mit der Umstellung von mechanischen auf elektronische Geräte verschwanden Jobs.
Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt sprach von einer zweiten Hiobsbotschaft nach dem Aus für Bacardi. Es seien übergeordnete strategische Entscheidungen der Großkonzerne gewesen, keine gegen den guten Standort Buxtehude an sich. Die Stadt werde prüfen, wie sie den Betroffenen helfen könne. Neue Ansiedlungen auf den Werksgeländen, Vermittlung von Arbeit – all das seien Möglichkeiten. Wirtschaftsförderung wie Arbeitsagentur werden ihr Mögliches tun. Erste Gespräche mit den Beteiligten gab es bereits.
CPI ist eine Tochtergesellschaft von Crane Co., die in Deutschland bei verschiedenen Gesellschaften an Standorten wie Buxtehude, Kreuztal, Düsseldorf, Reichelsheim und Lindau mehr als 900 Arbeitnehmer beschäftigt. Gegründet wurde NRI 1934 in Hot Springs (USA). 1956 expandierte das Unternehmen nach Deutschland. In Hamburg bauten 15 Mitarbeiter mit Teilen aus den USA erste Münzprüfer zusammen. 1959 zog NRI nach Buxtehude. Seit 1985 gehört die weltweit aktive Firma zum US-Konzern Crane. Heute erwirtschaften 120 Mitarbeiter einen Umsatz von über 45 Millionen Euro.