Handverletzungen: Was im Ernstfall zu tun ist

HARBURG. Unfälle beim Schneiden, Sägen, Hämmern: Chefarzt Dr. Jörg Elsner behandelt am Asklepios Klinikum Harburg mehr als 100 Handverletzungen im Jahr. Im TAGEBLATT gibt der begeisterte Heimwerker Auskunft darüber, was im Ernstfall zu tun ist.


In diesem Artikel:

Die Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie (DGH) hat den 1. März zum „Tag der Hand“ ernannt. Ein Ziel ist es, auf die Bedeutung unserer Hände aufmerksam zu machen und die Prävention von Handverletzungen zu verbessern. Denn was die Spezialisten tagtäglich zu sehen bekommen, ist nicht ohne und sollte von Betroffenen nicht unterschätzt werden.

Den Schwerpunkt bilden Handverletzungen durch Unfälle beim Heimwerken, hat die DGH festgestellt. Am häufigsten sind offene Wunden durch scharfe oder spitze Gegenstände. Auch Prellungen, Knochenbrüche und abgetrennte Finger sind Verletzungen von Hobby-Heimwerkern. Verletzungen an der Hand sollten ernst genommen und sofort behandelt werden. Auch Schnitt- und Stichwunden können gefährlicher sein als sie wirken, nicht zuletzt wegen der Infektionsgefahr. Betroffene sollten sofort einen Arzt oder eine Klinik aufsuchen. Dabei ist ein Handchirurg der geeignete Spezialist für Diagnose und Behandlung.

Schnitt- und Durchspießungsverletzungen

„Mit dem Küchenmesser abgerutscht und in den Finger geschnitten – das ist der Klassiker bei Handverletzungen“, sagt Dr. Jörg Elsner, Chefarzt der Abteilung für Plastisch-Ästhetische, Rekonstruktive und Handchirurgie am Asklepios Klinikum Harburg. „Oft ist es harmlos, doch kann es zu Verletzungen der Nerven oder Sehnen kommen– das muss unbedingt behandelt werden.“ Zu Dr. Elsner kommen Patienten am häufigsten in Folge von Schnitt-, aber auch von sogenannten Durchspießungsverletzungen mit Schraubenziehern, Nägeln oder ähnlichem Werkzeug.

Kreissägenverletzungen: Gewebe oft nicht zu retten

Auch Kreissägenverletzungen sind ein häufiger Grund. Dies trifft sehr oft Hobbyheimwerker, jedoch ebenso professionelle Schreiner. „Bei einer Verletzung mittels Säge wird das Gewebe „zerfetzt“ und ist meist nicht zu retten. Bei komplettem Fingerverlust versuchen wir – wenn möglich – eine Replantation“, sagt der Experte. Damit eine Replantation überhaupt in Frage kommt, rät die DGH, die Wunde möglichst steril zu verbinden, den abgetrennten Finger nicht direkt mit Eis in Kontakt kommen zu lassen und eine Klinik mit einer handchirurgischen Abteilung aufzusuchen.

Ob Profi oder Laie – es kann jeden treffen: „Wir beobachten, dass der Harburger hart im Nehmen zu sein scheint. Zu uns kommen die Patienten im Notfall sogar noch selbst. Die Hand in ein Handtuch gewickelt, sind sie über die Schwere der Verletzung erstaunt“, so Dr. Elsners Erfahrung. Auch beobachtet er eine saisonal bedingte Zunahme von bestimmten Verletzungen – etwa bei Gartenarbeit im Herbst, wenn Häcksler zum Einsatz kommen.

Erste Hilfe bei Handverletzungen

Wenn der Hammer statt des Metallnagels den Fingernagel trifft, ist das oft sehr schmerzhaft.

  • Wunde unter fließendem Wasser reinigen und anschließend gegebenenfalls desinfizieren.

  • Wunde steril verbinden.

  • Bei tiefen oder klaffenden Wunden, zunehmenden Schmerzen oder Blutungen, die sich nicht stillen lassen, einen Arzt aufsuchen.

  • Bei vollständigem Fingerverlust: Den abgetrennten Finger mit einem sterilen Verband umwickeln, in einen durchsichtigen Plastikbeutel packen und diesen fest verschließen. Den ersten Beutel dann in eine zweite Plastiktüte stecken, die zuvor mit kaltem Wasser und gegebenenfalls zusätzlich mit Eiswürfeln befüllt wurde. Wichtig: Den Finger nicht direkt auf Eis legen, da das Gewebe sonst absterben kann! Mit dem Amputatsbeutel schnellstmöglich ein Krankenhaus aufsuchen oder einen Krankenwagen rufen.

 „Viele Unfälle passieren aufgrund von Hektik“

Nach Aussage des Chefarztes betreffen Verletzungen an der Hand alle Altersgruppen und passieren sowohl Männern als auch Frauen: Bei Heimwerkerarbeiten überwiegt der Männeranteil, bei Frauen sind dagegen Schnittverletzungen im Haushalt häufiger.

Die DGH hat für den Umgang mit Werkzeug und Maschinen einen Ratgeber herausgegeben. Er heißt „Sicher Heimwerken. Handverletzungen vermeiden.“ Für Dr. Elsner ist das eine sinnvolle Hilfe, denn auch er gehört zu den vielen Do-it-yourself-Liebhabern im Lande: „Ich heimwerke selbst gerne und finde die Tipps der Broschüre für Anfänger und Fortgeschrittene nützlich“, sagt der Chefarzt, der bei seiner Arbeit auf eine ruhige und gesunde Hand angewiesen ist. „Viele Unfälle passieren allein aufgrund von Hektik. Ich rate deshalb allen Heimwerkern, sich vorab ein paar Minuten Zeit zu nehmen und den Ratgeber für heile Hände zu Rate zu ziehen.“

Tipps für unfallfreies Heimwerken

So schnell es zu gefährlichen Handverletzungen kommen kann, so wirksam lassen sie sich vermeiden. Einfache Sicherheitsregeln, das richtige Werkzeug und geeignete Handschuhe schützen Hände. Die Aktion „Schütz‘ Deine Hände“ gibt wichtige Tipps zum unfallfreien Heimwerken und hat die wichtigsten Hinweise in einem Informationsflyer zusammengestellt. Er ist unter www.dg-h.de einzusehen.

Chefarzt Dr. Jörg Elsner.

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