T„Rock meets Classic“ bekommt einen schillernden Nachfolger
Bei den Musical-Aufführungen seiner Musical Company nimmt Pascal F. Skuppe auch mal mehreren Funktionen ein und singt und musiziert neben seiner Rolle als Dirigent und Chorleiter. Als Gesicht des „Rock meets Classic“-Nachfolgers „Rocket Nig
„Rock meets Classic“ ist Geschichte, aber die Idee des Buxtehuder Konzertformats lebt weiter. Wer ist der Mann, der das Projekt von Peter Schmidt fortsetzt? Wann stehen Orchester und Rockband wieder gemeinsam auf der Bühne? Und wird dann alles beim Alten sein?
Die „Rocket Night“ hätte längst über die Bühne gehen sollen. Und Pascal F. Skuppe hätte sich dem Buxtehuder Publikum längst als Nachfolger von Peter Schmidt als Leiter des früheren „Rock meets Classic“-Formats vorstellen können. Doch die Pandemie verhinderte das Doppelkonzert auf der Halepaghen-Bühne am 10. und 11. Oktober 2020. Aufgrund der unsicheren Lage inmitten der Corona-Krise ist der Neustart gar auf 2022 verlegt worden. Eine lange Wartezeit für alle Anhänger des Kulturkonzerts.
Seine Vision eines Crossover-Projektes für Buxtehude hat der Dirigent und Gesangscoach Pascal F. Skuppe aus Maschen deswegen exklusiv für das TAGEBLATT skizziert. So viel ist klar: Ein „Rock meets Classic Reloaded“ nach bewährtem Rezept wird es nicht geben. „Das war Peters Ding und es war gut so, wie es war“, sagt der 35-Jährige. Einfach kopieren, das sei weder für ihn akzeptabel noch gewinnbringend für das Publikum.
Schmidt: „Wenn einer es fortführen kann, dann Pascal“
Die konkreten Änderungen des Formats sind unten nachzulesen. Zusammengefasst möchte der neue Leiter Rock und Klassik noch weiter zusammenführen, mehr moderne Rockklänge einbinden und weniger auf die Moderation setzen, die Peter Schmidt stets auf unnachahmliche Weise umsetzte. Schmidt hatte das Konzertformat als Mischung aus Klassik und Rockmusik 2008 erstmals auf die Bühne gebracht und seitdem große Erfolge damit gefeiert. 2019 stieg er als Leiter und Gesicht des Projektes aus.
Als Schmidt, der weiterhin den „Musikmarkt Buxtehude“ betreibt, anderthalb Jahre vor seinem Ausstieg über die Zukunft des Projekts nachdachte, sei ihm klar gewesen: „Wenn einer es fortführen kann, dann Pascal.“ Der war 2016 als Dirigent zu „Rock meets Classic“ gestoßen. „Ein Glücksfall“, wie Peter Schmidt sagt.
Pascal F. Skuppe SW Portrait (C) Matthias Clausen
Skuppe, der schon vor seinem Studium an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg als Chorleiter arbeitete und mittlerweile als Gesangscoach, Dirigent, Musical-Produzent, Uni-Dozent und einiges mehr arbeitet, wusste gar nicht genau, worauf er sich damals einließ, wie er sagt. Die Begeisterung der „Rock meets Classic“-Crew unter der Regie von Peter Schmidt habe ihn aber sofort mitgerissen.
Neuerungen mit Respekt
Nun zieht er selbst die Strippen und ist das Gesicht des Nachfolgeformats „Rocket Night“. Das Erbe möchte er trotz Neuerungen mit Respekt behandeln. „Ich bin sehr dankbar, dass Peter mir sein Baby geschenkt hat“, sagt er. Dass er das Risiko eingeht, die eingefleischten Fans zu verprellen, ist ihm bewusst. Er gehe aber fest davon aus, alle mit seiner Version zu überzeugen.
Das Selbstbewusstsein des jungen Dirigenten kommt nicht von ungefähr. Bereits 2015 brachte er das Crossover-Projekt „Jesus Christ – Superstar? – eine Matthäuspassion“ gemeinsam mit dem Dirigenten Cornelius Trantow auf die Bühne der Hamburger Laeiszhalle. Mit dabei: Acht Solisten, 57 Symphoniker, eine Rockband und 120 Chorsänger. Die Liste seiner abgeschlossenen und laufenden Projekte ist lang.
Seine Fähigkeiten in den einzelnen Disziplinen hält Skuppe selbst für beschränkt, dafür sei er ein perfekter Allrounder und Organisator. „Ich habe meine Krakenarme überall.“
Wenn der 35-Jährige einmal beginnt, über seine Projekte und die Musik im Allgemeinen zu sprechen, ist er kaum zu stoppen. Peter Schmidt bezeichnet Skuppe gern als „schillernde Persönlichkeit“. Wer den Vollblutmusiker einmal dabei erlebt, wie er gleichzeitig ein Kammerorchester dirigiert, den Chor leitet und nebenbei noch eine der Hauptrollen des aufgeführten Musicals singt, der weiß, was damit gemeint ist. Zuletzt war das Multitasking-Wunder so bei einer Aufführung von „Titanic“ in Maschen im September zu beobachten.
Debüt in 2022
Mit seiner selbst gegründeten Musical Company – einer seltenen Kombination aus Musikschule, Musical-Talentschmiede und Produktionsfirma – hat Skuppe vor Kurzem das Studio Maschen bezogen, wo einst die Band Truck Stop ihre Lieder aufnahm und zwischenzeitlich eine Diskothek zuhause war. Mit diesem Standort hat sich der Wahl-Maschener auch den Traum eines eigenen Kleinkunsttheaters erfüllt. 120 Gäste fanden in dem Haus vor Ausbruch der Pandemie Platz. Aktuell haben sich Skuppe und seine 17 Mitstreiter auf Streaming-Angebote verlegt, um die Corona-Krise künstlerisch zu überbrücken.
Auf die Vorbereitung für die erste Buxtehuder „Rocket Night“ im Jahr 2022 freut er sich. Die Idee einer früheren, coronagerechten Aufführung mit kleinem Kammerorchester hat Skuppe schnell verworfen. Das sei einfach nicht mehr „Rock meets Classic“. Da müsse es knallen.
Die wichtigsten Änderungen im Überblick
- Die „Rocket Night“ verbindet weiterhin ein klassisches Orchester, Sänger und eine Rockband in einer Performance. Das Gewicht zwischen klassischen und modernen Sängern wird ausgeglichener sein als bei „Rock meets Classic“.
- Die meisten Gesichter der klassischen Orchestermusiker werden dem Buxtehuder Publikum bekannt sein, Skuppe bringt aber eine neue Rockband mit. Ändern soll sich die Anordnung der Musiker. Statt die Rockband rechts und die Sinfoniker links auf der Bühne zu positionieren, soll das Orchester die Band umkreisen, damit beide eine stärkere Einheit bilden.
- Reaktivieren möchte der Leiter die Idee eines Chors.
- Die Begegnung von Rockmusiker und Klassik möchte der Dirigent zu einer echten „Verzahnung“ der Musikformen umdeuten. Das Orchester soll eine wichtigere Rolle spielen und komplexe „Soundflächen“ liefern, statt lediglich zu begleiten.
- Während sich das „Rock meets Classic“-Personal über die Jahre zunehmend professionalisiert hat, möchte Pascal F. Skuppe stärker Profis und Amateure auf der Bühne vermischen. Dies entspricht seinem allgemeinen künstlerischen und pädagogischen Ansatz.
- Der Rock der Siebzigerjahre war stets ein Fundament von „Rock meets Classic“. Das Repertoire erweitert Pascal F. Skuppe noch stärker um moderne Lieder, zum Beispiel Punkrock von Bands wie Greenday oder den Toten Hosen. Aber auch Pop à la Backstreet Boys soll sich in dem Crossover-Konzert wiederfinden.
- Musikalisch möchte der 35-Jährige dem Populären treu bleiben, aber auch unbekanntere Stücke großer Stars ins Programm aufnehmen. Ein hoher Wiedererkennungswert soll erhalten bleiben.
- Pascal F. Skuppe wird die Moderation leicht herunterfahren, die Fußstapfen von Peter Schmidt sind dem Musiker zu groß. Stattdessen gibt es mehrere Lieder ohne Unterbrechungen.
- Beginnen soll das Konzert weiterhin mit einem klassischen Zeremoniell, dem Einlauf der Musiker und einer Ouvertüre.