THorneburgs Top-Talent Ole Hagedorn wechselt in die 2. Bundesliga
Hagedorn muss seinen Heimatverein noch nicht ganz verlassen. Foto: Berlin
Eines der größten Talente aus der Region wagt den nächsten Karriereschritt: Der 18 Jahre alte Rückraumshooter spielt ab der kommenden Saison beim ehemaligen Erstligisten VfL Lübeck-Schwartau. Von seinem Heimatverein muss sich Hagedorn noch nicht gänzlich verabschieden.
Nachdem Ole Hagedorn 16 Tore geworfen hat, schwärmt er von der fantastischen Kulisse in der Hansehalle, gemeinhin auch „Hansehölle“ genannt. 550 Zuschauer hatten Lärm gemacht, während sich der MTV Lübeck und der VfL Horneburg in der A-Jugend-Bundesliga gegenüberstanden. Und Hagedorn war der herausragende Akteur, wurde zum Spieler des Spiels gewählt. Das war im vergangenen September.
Da ahnten Hagedorn und die Handball-Fans in Lübeck noch nicht, dass sie sich in Zukunft häufiger in der Hansehalle sehen werden. Hagedorn hat in der vergangenen Woche einen Zweijahresvertrag (bis 2024) beim Männer-Zweitligisten VfL Lübeck-Schwartau unterschrieben. Außerdem kann er im ersten Jahr durch ein Zweitspielrecht mit dem Männer-Team des VfL Horneburg in der Verbandsliga spielen. „Ich freue mich auf diese große Herausforderung“, sagt der 18-Jährige.
Ole Hagedorn wechselt vom VfL Horneburg zum VfL Lübeck-Schwartau
Ole Hagedorn ist eines der größten Handball-Talente in der Region. Es war bekannt, dass der 2,03 Meter große Rückraumspieler umworben wurde, aber ein Leben in einem Nachwuchsinternat eines Bundesligisten, das konnte er sich in den vergangenen Jahren nicht vorstellen. Hagedorn fühlt sich in Horneburg wohl, zumal dem VfL der Sprung in die Jugend-Bundesliga gelang. Dort spielt er mit seinen Freunden, wird von seinem Vater Stefan Hagedorn trainiert, wohnt nur zwei Minuten von der Halle entfernt.
In der A-Jugend-Bundesliga, der höchsten Jugendklasse im deutschen Handball, fällt Hagedorn Woche für Woche als Leistungsträger des VfL Horneburg auf. Er ist mit seiner Mannschaft auf dem besten Weg in die K.o.-Runde der deutschen Meisterschaft und gehört mit 136 Toren in 13 Saisonspielen zu den erfolgreichsten Werfern. Der VfL Lübeck-Schwartau registrierte das.
Top-Talent spielt im Probetraining vor und überzeugt
Im vergangenen November spielte Hagedorn schließlich vor. „Bei einem Probetraining in Lübeck hat er uns dann endgültig von seinem Potenzial überzeugt“, sagt VfL-Jugendkoordinator Gerrit Claasen. Hagedorn gefiel’s ebenfalls. Ein Berater, der auch Nationaltorhüter Johannes Bitter (39/HSV Hamburg) betreut, unterstützte ihn beim Vertragsabschluss. „Wir sind glücklich, dass wir Ole von unserem Konzept überzeugen konnten“, sagt Geschäftsführer Daniel Pankofer und richtet warme Worte an den Ausbildungsverein: „Der VfL Horneburg leistet tolle Arbeit im Jugendbereich, dort wird mit viel Leidenschaft auf einem hohen Niveau gearbeitet.“
Auftritt an neuer Wirkungsstätte: Ole Hagedorn war im vergangenen Jahr mit dem VfL Horneburg zu Gast in der Lübecker Hansehalle . Dort erzielte er 16 Tore. Foto: Scholz
Geplant ist, dass Hagedorn in der ersten Saison zweimal pro Woche in Lübeck trainiert und an das Niveau der zweiten Liga herangeführt wird. Dadurch kann er im kommenden Jahr das Abitur in Stade machen und ab Sommer 2023 ausschließlich in Lübeck spielen. „Ich bin sehr dankbar, dass der VfL Lübeck-Schwartau mir mit diesem Modell die Möglichkeit gibt, im Profi-Handball Fuß zu fassen und gleichzeitig die Schule in meiner Heimat zu beenden“, sagt Hagedorn. Er schwärmt: Der VfL habe Handball-Tradition, trage seine Heimspiele in normalen Zeiten vor 2000 Zuschauern aus und habe in der kommenden Saison mit David Röhrig einen Trainer, der mit jungen Spielern gut umgehen könne. Aktuell steht das Team allerdings nur auf Platz 15.
Außergewöhnliche Karriere: Ohne Internatswechsel in die Handball-Bundesliga
„Die zweite Liga ist ein relativ großer Schritt“, sagt Hagedorn. Hätte man ihn vor zwei Jahren gefragt, hätte er sich nicht vorstellen können, bald in der zweiten Liga zu spielen. „Das war in der B-Jugend noch so weit weg“, sagt er. Seine Leistungen in der A-Jugend-Bundesliga schließlich bekräftigten ihn darin, dass er mit den Top-Spielern namhafter Clubs mithalten kann. Und auch das Umfeld habe ihm dabei geholfen: „In Horneburg ist der Spaßfaktor ziemlich groß“, sagt Hagedorn. Dass er sich keinem Internat angeschlossen hat, bereut er daher nicht.
Hagedorn geht davon aus, dass die kommende Saison ein reines Lehrjahr werde. Er will sich an das Niveau gewöhnen, seine Rolle im Team finden, an körperlichen Defiziten arbeiten, das Leben als Leistungssportler kennenlernen und ein wenig Zweitliga-Luft schnuppern. Hagedorn wird ein WG-Zimmer in Lübeck beziehen, damit er im ersten Jahr nicht jeden Tag pendeln muss. Nach dem Abitur könnte er sich ein Studium vorstellen.
VfL Horneburg vor Verfolgerduell in der A-Jugend-Bundesliga
Beim VfL Horneburg wird der Rechtshänder bis zum Ende der Saison 2022/23 spielen. „Das ist für mich noch weit weg“, sagt er, „Ehrlich gesagt habe ich bisher nicht so viel über den Abschied nachgedacht.“ Die Zeit, die ihm in seinem Heimatverein bleibt, will Hagedorn nun umso mehr genießen.
Der VfL Horneburg tritt am Sonntag (16 Uhr) im nächsten Hauptrundenspiel der A-Jugend-Bundesliga bei seinem Verfolger HC Empor Rostock an. „Wir wollen eine gute Abwehr stellen und keine Gegenstöße zulassen“, fordert Trainer Stefan Hagedorn. In dieser Saison gewann der VfL bereits zwei Mal gegen Rostock, zuletzt das Hauptrunden-Hinspiel im November (35:30). Punkten die Horneburger, können sie ihre Verfolger weiter auf Abstand halten und allmählich für die K.o.-Runde der deutschen Meisterschaft planen. Der Einsatz einiger Spieler ist fraglich.