HSV gewinnt Zitterduell gegen Nürnberg
Der Hamburger Jonas David (2.v.l.) jubelt mit seinen Mannschaftskollegen Mikkel Kaufmann (l), Sonny Kittel (3.v.l.), Ludovit Reis und Jonas Meffert (r) über seinen Treffer zum 0:1. Foto: Daniel Karmann/dpa
120 Minuten reichten nicht um den Fußball-Klassiker zu entscheiden. Daniel Heuer Fernandes war um 23.32 Uhr der Held des Spiels. 5:3 hat der HSV mit seinem gehaltenen Elfer gewonnen, in einem Pokalspiel in Nürnberg, das bis zuletzt auf Messers Schneide stand.
Wenn Pokalsiege angeblich ihre eigenen Gesetze haben, dann galt in den ersten 20 Minuten Paragraph 1, Absatz 1 des Pokal-Lehrbuchs, der gefährliche Aktionen im Strafraum beider Teams untersagt. Dafür wurde im Mittelfeld hart um jeden Ball gefightet, was die Beobachter gerne als ein intensives Spiel beschreiben.
Bei seinen Nominierungen in der Startelf hatte Tim Walter die Rufe nach Tommy Doyle erhört, der Siegtorschütze in Paderborn startete erstmals, auch Mikkel Kaufmann war neu an der Seite von Robert Glatzel in der vordersten Linie. Bakery Jatta und Faride Alidou blieben zunächst draußen, kamen aber rechtzeitig vor der Verlängerung.
Tim Leibold schwer verletzt
Nach 21 Minuten musste Tim Walter aber schon wechseln, denn Abwehrspieler Tim Leibold verletzte sich vermutlich schwer. Bei einem Zweikampf an der Außenlinie traf der Nürnberger Tom Krauß erst den Ball und dann das Knie des Hamburgers, dessen Gestik und Mimik beim Abtransport auf der Trage eine schlimme Verletzung ahnen ließen. Immerhin gab es nach 25 Minuten einen Torschuss von Mikkel Kaufmann, der aber weit das Tor verfehlte.
Nach 35 Minuten zeigte Tommy Doyle, warum er als torgefährlich gilt. Von der Strafraumkante zog er trocken ab, aber Nürnbergs Pokal-Torhüter Carl Klaus konnte gerade noch parieren. Kurz vor dem Pausenpfiff war der Keeper aber machtlos, nach einer Ecke von Sonny Kittel stieg Jonas David ganz hoch und bugsierte das Spielgerät mit dem Kopf ins Netz zur Hamburger Führung, die durchaus verdient war, denn auch wenn beide Teams lange mit angezogener Handbremse spielten, waren die Gäste vor 20 000 Zuschauern (erlaubt waren 25 000) das bessere Team.
Schock zu Beginn der zweiten Halbzeit
Mit einem Schock begann die zweite Halbzeit, weil Muheim und Krauß nach zehn Sekunden ganz böse ineinander knallten. Der Nürnberger hatte das Bewusstsein verloren und musste minutenlang auf dem Platz behandelt werden. Das Drama um den Dänen Christian Eriksen bei der EM war plötzlich allgegenwärtig im Max-Morlock-Stadion. Beim Abtransport nach fünf Minuten zeigte der Nürnberger Spieler seinen Daumen hoch.
Beide Mannschaften spielten zunächst so, wie in Halbzeit eins, mit vielen intensiven Duellen im Mittelfeld. Bis die Nürnberger ihren ersten guten Angriff starteten und über links eine Flanke zum Elfmeterpunkt schlugen, der eingewechselte Taylan Duheim setzte sich gegen vier Hamburger Abwehrspieler durch, die ihn nicht eng genug attackierten, das 1:1 in der 60. Minute war folgerichtig.
Glanzparade rettet den HSV in die Verlängerung
Der Ausgleich hatte Folgen für das Spiel der Hamburger, das aus der Abwehr heraus unsauberer wurde. Weil aber auch Nürnberg keineswegs souverän wirke, war von einem Pokalfight bis eine Viertelstunde vor Schluss noch nichts zu spüren. Aber Nürnberg wurde stärker und die Hamburger waren kurzfristig nur noch defensiv unterwegs und hatten Riesenglück, dass Dovedan nach 78 Minuten einen Kopfball über das Tor setzte, wieder hatte die HSV-Abwehr nicht aufgepasst. In der 90. Minute rettete Daniel Heuer Fernandes den HSV mit einer Glanzparade in die Verlängerung.
Mit viel Druck ging der HSV in die weiteren 30 Minuten, vor allem Jatta spielte immer wieder seine Schnelligkeit aus, aber ohne Ertrag. Erneut musste Heuer Fernandes den HSV nach 98 und nach 100 Minuten mit zwei Paraden im Spiel halten. In den restlichen 15 Minuten der Verlängerung wurde um jeden Ball und Meter gekämpft, Chancen blieben aber aus. Das Alidou kurz vor Schluss im Strafraum fiel und mit Gelb bestraft wurde, war eine Fehlentscheidung von Schiedsrichter Dankert. Das Elfmeterschießen musste den Fußball-Klassiker entscheiden: Geis trifft zum 1:0 für Nürnberg. 1:1 durch Kinsombi, Duman 2:1, Kittel zum 2:2 mit einem Lupfer, Tengelmann drüber, Schonlau trifft, 2:3 für den HSV, Sörensen vergibt, denn Heuer Fernandes hält, Entscheidung durch Jonas David: 2:4, der HSV hat das Elfmeterschießen gewonnen. 5:3 stand am Ende auf der Anzeigentafel.
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