Trennung von Müller-Korn – BSV schweigt
Caroline Müller-Korn warf am vergangenen Sonnabend beim BSV noch die Siebenmeter. Foto: Jan Iso Jürgens
Der Handball-Bundesligist Buxtehuder SV hat sich mit sofortiger Wirkung überraschend von Spielmacherin Caroline Müller-Korn getrennt. Die Hintergründe bleiben unklar. Der Verein schweigt – „zum Schutz des Vereins und der Spielerin“.
(Letztes Update: 21. Oktober, 17.11 Uhr: Detailinformationen ergänzt.)
Über die genauen Gründe für die plötzliche Trennung haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart, hieß es in einer Mitteilung am Donnerstagvormittag. Nur so viel: „Beide Seiten sehen keine Basis mehr für eine weitere Zusammenarbeit.“ Ob es in dieser Woche einen konkreten Vorfall, ob es etwaige Verfehlungen seitens der Spielerin gegeben habe, wollte BSV-Geschäftsführer Peter Prior auf Nachfrage nicht beantworten.
Trennung für BSV ein Novum
„Es gibt gute Gründe zu schweigen“, sagt Prior. Die Hintergründe seien nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. „Da gibt es auch ein Schutzbedürfnis für den Verein und die Spielerin“, so Prior. Nach TAGEBLATT-Informationen ist der ursprünglich bis zum 30. Juni 2022 geschlossene Vertrag zwischen dem BSV und Müller-Korn noch nicht aufgelöst. Fragen nach der Einvernehmlichkeit der Entscheidung oder einer möglichen Aufarbeitung vor dem Arbeitsgericht blieben unbeantwortet. Für den BSV ist eine vorzeitige Trennung mitten in der Saison – abgesehen von Karriereenden oder Schwangerschaften – ein Novum.
Die Mitteilung überrascht zudem, da die 28-jährige Müller-Korn, die als „Königstransfer“ im Sommer 2020 von Borussia Dortmund nach Buxtehude wechselte, am vergangenen Sonnabend beim Heimerfolg gegen Bensheim/Auerbach (34:22) noch auf dem Feld stand. Die Spielmacherin erzielte fünf Tore, davon vier vom Siebenmeterstrich, wo die frühere Nationalspielerin (sieben Länderspiele) Werferin Nummer eins ist.
„Ich bin mir sicher, dass wir als Team stark genug sind, um den sportlichen Verlust von Caro zu kompensieren“, kommentierte BSV-Trainer Dirk Leun das Aus seiner einstigen Wunschspielerin. Ohne Nachverpflichtung fehlt dem Coach nun eine gelernte Rückraummitte-Spielerin im Kader, nachdem Mieke Düvel (24) und Mia Lakenmacher (18) weiterhin verletzt fehlen. Der BSV verliert zudem an Erfahrung. Nach der Schwangerschaft von Ex-Kapitänin Lone Fischer (33) war Müller-Korn mit 28 Jahren die älteste Spielerin im Kader.
Kontroverser Facebook-Post
Als „verlängerter Arm“ des Trainers auf dem Spielfeld konnte die Rechtshänderin nach verheißungsvollem Start nicht immer die in sie gesteckten Erwartungen erfüllen. Allerdings fiel die gebürtige Wittenbergerin nach einer Meniskus-Operation monatelang verletzt aus, stellte sich in der schwierigen Rückserie 2020/21 trotz kurzer Reha-Zeit dennoch in den Dienst der Mannschaft. Die Spielmacherin erzielte in 20 Bundesliga-Spielen 83 Tore für den BSV, davon 54 Siebenmeter.
„Wie schade, der Fan-Club wünscht Caro alles Gute und bedankt sich für die gute Zusammenarbeit. Caro war unsere Ansprechpartnerin im Team Buxtehude. Wir sind sehr traurig“, hieß es bei Facebook vom BSV-Fan-Club „Has & Igel“. Unter dem BSV-Post zur Trennung wurde zudem mit dem Facebook-Profil von Fred Müller, dem Vater von Caroline Müller-Korn, online kommentiert: „Unbequem muß gehen. Wenn eine Spielerin mehr Handballsachverstand hat als das Präsidium, ausgenommen dem Trainerteam, dann muss man die los werden“, war dort zu lesen.
Caroline Müller-Korn war für das TAGEBLATT am Donnerstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Neben dem Bundesliga-Handball hat sie gemeinsam mit ihrem Mann Christoph Korn das Gesundheitsberatungsangebot „Dein Körperwerk“ aufgebaut. Sie ließ sich zudem zum Ernährungscoach ausbilden und veröffentlichte ein Rezeptbuch. „Dein Etwas Anderes Kochbuch“ verschwand am Donnerstagabend aus dem Online-Shop des BSV.
Die BSV- Handballerin Caroline Müller-Korn und ihr Ehemann Christoph haben Anfang Dezember ein Kochbuch herausgebracht. Das Besondere: Die einzelnen Rezepte sind mit Farben gekennzeichnet. Die „Grünen“ bestehen aus Lebensmitteln, die täglich gegessen werden sollten; die „Orangenen“ sind „Sättigungsbeilagen oder Proteinquellen; und die „Roten“ sollten genossen werden. Was alle verwendeten Zutaten eint: Sie sind gluten- und zuckerfrei. Die Autoren sagen, sie ernähren sich selber nach dieser Maßgabe. Fotos: Scholz /Axel Kadow (3)
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