Stader Polizei klärt Rätsel um Nadel in Halloween-Nascherei auf
Die in Stade entdeckte mit Nadeln gespickte Schokolade war ein Fehlalarm. (Symbolbild) Foto: Polizei Herford
Nägel oder Nadeln in Halloween-Süßigkeiten? In den vergangenen Tagen gab es zahlreiche Meldungen darüber, zuletzt auch aus Stade. Jetzt gibt die Polizei vor Ort Entwarnung.
Stade. Der Schreck sitzt Stader Eltern noch in den Knochen: Am Donnerstag teilte die Polizei mit, dass ein Neunjähriger in seinen Halloween-Süßigkeiten einen mit einer Nadel gespickten Schokoriegel entdeckt habe. Die Mutter des Jungen erstattete Anzeige und die Polizei ermittelte wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung.
Jetzt gibt es eine überraschende Wende: „Wie sich im Rahmen der unverzüglich eingeleiteten Ermittlungen herausstellte, war es der Junge selbst, der die Nadel in den Riegel gesteckt hat“, berichtet Daniel Kraus von der Stader Polizei. Es habe darüber hinaus keine weiteren Meldungen von präparierten Süßigkeiten an Halloween im Landkreis Stade gegeben.
Von Kindern an Halloween in Hannover gesammelte und nicht manipulierte Süßigkeiten und Spielzeuge liegen auf einem Tisch. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Die Polizei Stade bittet darum, unbestätigte Meldungen über mögliche Vorfälle nicht weiterzuverbreiten, sondern entsprechende Hinweise unverzüglich der Polizei zu melden, damit der Sachverhalt überprüft werden kann.
Was steckt hinter den Fremdkörpern in Halloween-Süßigkeiten?
Auch Tage nach Halloween werden deutschlandweit neue Fälle von mit Nadeln oder Metallgegenständen bestückten Süßigkeiten bekannt. Wieso häufen sich ausgerechnet in diesem Jahr derartige Fälle - und was steckt dahinter?
Die Vorkommnisse erinnerten an ein Phänomen aus dem englischsprachigen Raum, ordnete Lisa Natter von der Kriminologischen Forschungsgruppe beim Bayerischen Landeskriminalamt (BLKA) auf dpa-Anfrage ein: den „Halloween Sadism“, zu Deutsch Halloween-Sadismus.
Der US-Soziologe Joel Best habe den Begriff bereits in den 1980er Jahren geprägt. „Er hat das als moderne urbane Legende untersucht, die als wahr erzählt wird und auch gesellschaftliche Ängste ausdrückt, deren tatsächliches Ausmaß aber häufig durch empirische Belege nicht gedeckt ist“, erklärte Natter.
Keine systematische Forschung zu „Halloween Sadism“
Wichtig sei dabei: Einzelne Fälle - wie jetzt in Deutschland, aber auch zum Beispiel in Österreich, Irland, Dänemark und Norwegen - würden damit nicht bestritten. „Es zeigt sich vielmehr, dass die Erzählungen als Resonanzraum für allgemeinere gesellschaftliche Ängste dienen.“ Im Hinblick auf die Sicherheit und den Schutz von Kindern handele es sich zudem um ein emotionales Thema.

Kostümierte Kinder mit Taschen für Süßigkeiten. Foto: Swen Pförtner/dpa
Eine systematische Forschung zu „Halloween Sadism“ gebe es allerdings nicht - auch, weil kaum Täter ermittelt würden, erklärte die Expertin. „Angesichts dessen ist natürlich sehr schwierig, irgendwelche Schlussfolgerungen etwa zu Motiven zu ziehen. Das bleibt alles sehr spekulativ.“
Generell sei es aber so, dass nicht zwingend Sadismus - also eine gezielte Schädigungsabsicht - hinter den Taten stehen müsse. Denkbar sei auch, dass Täter provozieren wollten, Aufmerksamkeit suchten oder schlicht Taten nachahmten. (fe/dpa)
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