Falsche Polizisten und Bankmitarbeiter erbeuten im Kreis Stade Zehntausende Euro
In Ahlerstedt erbeuteten Betrüger, die sich als Bankmitarbeiter ausgegeben haben, Schmuckstücke einer Seniorin. Foto: picture alliance/dpa
Die Betrugsmasche am Telefon funktioniert ständig. Besonders dreist ist der Fall einer 90-Jährigen, bei der Diebe zunächst nicht erfolgreich waren - und dennoch zuschlugen.
Landkreis. Die Masche ist nicht neu, dennoch lassen sich immer wieder Menschen übers Ohr hauen - fast immer ältere. So geschehen am vergangenen Dienstag im Stader Stadtteil Kopenkamp, wie die Polizei berichtet.
Eine dort lebende 82-Jährige erhielt einen Anruf von einem angeblichen Herrn Sander von der Polizei. In mehreren Telefonaten über den Tag verteilt konnte der falsche Beamte die Seniorin davon überzeugen, dass ihr Schließfach in der Bank nicht mehr sicher sei. Angeblich seien einige Bankmitarbeiter von kriminellen Gruppen bestochen worden und sollen heimlich die Bankschließfächer leerräumen.
„Die Frau sollte alles aus ihrem Bankschließfach an die Polizei übergeben, damit es sicher aufbewahrt werden kann“, berichtet Polizeisprecher Daniel Kraus. Am Nachmittag begab sich die Frau dann zu ihrer Bank, entnahm alle Sachen aus dem Schließfach und übergab sie später bei sich zu Hause an einen angekündigten Polizisten. So erbeuteten die Täter unter anderem kleine Goldmünzen. Insgesamt entstand so ein Sachschaden im unteren fünfstelligen Euro-Bereich.
Keine EC-Karte? Das hält die Betrüger nicht ab
Ein weiterer Betrug ereignete sich bereits am 26. Oktober in Ahlerstedt, wie die Polizei jetzt mitteilte. Ein vermeintlicher Mitarbeiter einer Sparkasse hatte eine 90-jährige Frau angerufen und sie über ihre EC-Karte ausgefragt. Angeblich sei diese nicht mehr sicher und müsse durch die Bank gesperrt werden. Dazu wollte der Betrüger auch den PIN-Code haben.
„Die Seniorin hat aber gar keine EC-Karte, da sie selbst keine Bankgeschäfte mehr tätigt“, so Kraus. Trotzdem habe der Betrüger eine angebliche Bankmitarbeiterin angekündigt, die bei der Seniorin vorbeikommen würde.
Kurze Zeit nach dem Telefonat am Nachmittag erschien tatsächlich eine vermeintliche Bankmitarbeiterin und fragte erneut nach der EC-Karte, die die Seniorin gar nicht besitzt. Letztlich konnte die Betrügerin die Seniorin davon überzeugen, dass ihr Schmuck bei der Bank im Schließfach aufbewahrt werden sollte. Auf diese Weise erbeuteten die Betrüger Schmuckstücke der Seniorin.
Betrugsfälle auch im Kreis Rotenburg
Falsche Bankmitarbeiter waren auch im Landkreis Rotenburg unterwegs. Unter verschiedenen Vorwänden versuchten sie, am Telefon oder an der Haustür an die EC-Karten und PIN ihrer Opfer zu gelangen. Die Betrüger behaupteten beispielsweise, es habe eine Festnahme oder eine unrechtmäßige Kontobewegung gegeben. Aus Sicherheitsgründen müsse deshalb die EC-Karte ausgetauscht oder gesperrt werden.
Anschließend forderten sie die Betroffenen auf, ihre Bankkarte samt PIN auszuhändigen. Im Nachhinein nutzten die Täter dann die erlangten Karten für unberechtigte Bargeldabhebungen.
Im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Rotenburg kam es in den vergangenen Wochen auf diese Weise zu Taten in Rotenburg, Sittensen und Zeven. In allen Fällen übergaben die Betroffenen den angeblichen Bankmitarbeitern oder auch angeblichen Polizisten ihre EC-Karten und PIN. Anschließend hoben die Täter Bargeld ab.
Der entstandene Gesamtschaden beläuft sich auf mehr als 10.000 Euro. Ob die Taten miteinander in Zusammenhang stehen, ist derzeit Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen.
Betrugsmasche: Das rät die Polizei
In diesem Zusammenhang raten die Stader und die Rotenburger Polizei eindringlich:
- Weder die Polizei noch Mitarbeiter einer Bank, der Staatsanwaltschaft oder eines Gerichts werden Sie jemals anrufen und dabei Daten zu Bankverbindungen erfragen oder Sie auffordern, Wertsachen zu übergeben.
- Geben Sie Ihre EC-Karte niemals aus der Hand. Bankmitarbeiter oder Polizisten holen keine Bankkarten samt PIN an der Haustür ab.
- Geben Sie Ihre PIN niemals weiter. Auch echte Bankmitarbeiter werden Sie niemals danach fragen.
- Seien Sie misstrauisch bei unerwarteten Anrufen oder Besuchen, bei denen Druck aufgebaut und eine angebliche Gefahr für Ihr Konto geschildert wird.
- Beenden Sie das Gespräch und kontaktieren Sie Ihre Bank selbst über die Ihnen bekannte Telefonnummer. Nutzen Sie dafür nicht die Rückruffunktion und keine von unbekannten Personen mitgeteilten Kontaktdaten, sondern Recherchieren Sie die Nummern selbst.
- Folgen Sie keiner Aufforderung während eines laufenden Telefonats beispielsweise die 110 zu wählen. Beenden Sie das Telefonat und vergewissern Sie sich anschließend bei der örtlichen Polizei unter der selbst recherchierten Nummer.
- Sperren Sie Ihre Bankkarte umgehend, wenn Sie diese bereits aus der Hand gegeben haben oder einen Missbrauch vermuten. Wenden Sie sich außerdem an die Polizei.
- Alle Tipps gelten auch für die Kautionsmasche, wonach angeblich die eigene Tochter oder der Sohn jemanden bei einem Verkehrsunfall verletzt habe und nun Kaution bezahlt werden müsse, um eine Verhaftung zu vermeiden.
- Sprechen Sie auch mit Angehörigen, Freunden und insbesondere älteren Menschen über diese Betrugsmasche. Aufklärung und gegenseitige Aufmerksamkeit können helfen, weitere Taten zu verhindern. (ham/pm)
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