Nadel in Süßigkeit – Mädchen (9) in Bremervörde verletzt
Dieses von der Polizei in Thüringen zur Verfügung gestellte Bild zeigt eine Metallnadel in einem Kaubonbon, das Kinder jetzt an Halloween gesammelt haben. Foto: Polizeiinspektion Unstrut-Hainich/dpa
Die Meldungen über gefährliche Gegenständie in Bonbons und Schokoriegeln lassen nicht nach. Im Stader Nachbarkreis wird ein Kind gar verletzt. Was unternimmt die Polizei?
Bremervörde/Hannover. Nach zahlreichen Funden von Nadeln, Nägeln und anderen Metallobjekten in Süßigkeiten am Halloween-Wochenende wird nun das bundesweit erste verletzte Kind bekannt. „Ein neunjähriges Mädchen verletzte sich in Bremervörde beim Verzehr eines Schokoriegels an der Zunge. Bei einer anschließenden Untersuchung wurde in dem Riegel eine mindestens fünf Zentimeter lange Stecknadel entdeckt“, berichtet Charleen Tönjes, Sprecherin der Polizeiinspektion Rotenburg.
Die Polizei ermittelt. Sie geht davon aus, dass die an Halloween verteilte Süßigkeit mit Absicht präpariert worden sei. Die Polizei mahnt Eltern zu besonderer Vorsicht. Tönjes: „Halloween-Süßigkeiten sollten vor dem Verzehr gründlich auf mögliche Einstichstellen, beschädigte Verpackungen oder Fremdkörper untersucht werden.
Nähnadeln und Nagel in Schokoriegeln und Bonbons
Kinder und Eltern hatten in mehreren Regionen Deutschlands Entdeckungen dieser Art in eingesammelten Süßigkeiten gefunden - zum Beispiel in Schokoriegeln, Kaubonbons und Weingummis. Fälle wurden etwa in Niedersachsen, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen gemeldet. Die Ermittlungen laufen.
In Hannover fand ein neunjähriges Mädchen, das mit seinen Erziehungsberechtigten von Haus zu Haus gezogen war, in drei einzeln verpackten Süßigkeiten jeweils eine Nähnadel. Wie die Polizei weiter mitteilte, handelte es sich um einen Schokoriegel und zwei Kaubonbons. Das Kind blieb unverletzt. Die Beamten bitten um Hinweise aus der Bevölkerung.

An Halloween wurden in Hannover Süßigkeiten mit Nadeln an Kinder verschenkt - die Polizei ermittelt. Foto: ---/Polizei Hannover/dpa
In Bremen fand eine Mutter, die mit ihren Kindern an Halloween unterwegs war, am Abend einen Schokoriegel mit einem Nagel und informierte die Polizei. Verletzt wurde niemand, wie ein Polizeisprecher sagte. Hinweise auf weitere manipulierte Süßigkeiten im Stadtgebiet gab es demnach zunächst nicht.
In Salzgitter schilderte eine Frau der Polizei, dass sie in einem Schokoriegel eine Nadel gefunden habe. Demnach hatten ihre Kinder die Süßigkeit zu Halloween geschenkt bekommen. In allen drei Fällen ermitteln die Beamten wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung.
Wurden Kinder verletzt?
Bis zum Montagvormittag berichtete die Polizei von keinen Verletzungen durch die entdeckten Fremdkörper. In den geschilderten Fällen wurden die Metallteile bemerkt, bevor die Kinder die Süßigkeiten aßen. Aus den einzelnen Meldungen lässt sich aber noch keine abschließende bundesweite Bilanz ableiten. Inwieweit noch viel mehr Süßigkeiten an weiteren Orten betroffen sind, ist bislang unklar.
Spitze oder scharfe Gegenstände können beim Verschlucken schwere innere Verletzungen verursachen, etwa Verletzungen der Speiseröhre, des Magens oder des Darms - das kann schnell zu akuter Lebensgefahr führen. Besteht der Verdacht, dass ein Kind etwa eine Nähnadel verschluckt hat, sollten Eltern sofort ärztliche Hilfe suchen. Das rät etwa die Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder.
Wer und was steckt dahinter?
Bislang weiß man wenig über die Hintergründe. Vielerorts geht die Polizei davon aus, dass die Nadeln absichtlich in die Süßigkeiten gesteckt wurden. Wer dahintersteckt und aus welchem Motiv, ist offen. Ebenso ist völlig unklar, ob ein Zusammenhang zwischen den Funden in den verschiedenen Regionen Deutschlands besteht.
Ein weiterer Fall passt zudem nicht ohne Weiteres zum Süßigkeitensammeln: In Garbsen bei Hannover meldete eine Frau eine Nähnadel in einem Schokoriegel, den sie nach eigenen Angaben am Freitag bei einem Lebensmittelhändler gekauft hatte. Verpackung und Riegel hätten keine erkennbaren Hinweise auf eine Manipulation gezeigt. Auch hier sind die Hintergründe unklar.
Gab es solche Fälle schon früher?
Ja. Auch in den vergangenen Jahren wurden in Deutschland Metallgegenstände in Halloween-Süßigkeiten gefunden. 2025 entdeckte eine Mutter in Mittelfranken einen zwei Zentimeter langen Nagel in einer Süßigkeit ihrer Tochter. Die aktuelle Häufung von Fällen im Bundesgebiet ist aber sehr auffällig. Inwieweit etwa ein Trend in sozialen Medien dahinterstehen könnte, ist noch völlig unklar.
Wie ermittelt die Polizei?
Einige Polizeistellen ermitteln wegen des Verdachts der versuchten gefährlichen Körperverletzung. Keine einfache Aufgabe: Wer an zahlreichen Haustüren klingelt, weiß später häufig nicht mehr, woher welcher Riegel stammt. Für die Ermittlungen können aber Hinweise der Familien und Spuren an Süßigkeit, Verpackung und Fremdkörper wichtig sein.
Verdächtige Süßigkeiten sollten nicht gegessen, sondern einschließlich der Verpackung aufbewahrt und dem örtlichen Polizeirevier gemeldet werden, teilt die Polizei in Konstanz mit. „Mögliche Fremdkörper sollten nach Möglichkeit nicht selbst entfernt werden, um vorhandene Spuren zu erhalten.“ (dpa)
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