TTourismusstudie: Was dem Tourismus im Kreis Stade noch alles fehlt
Auf zu neuen Ufern: Ines Utech, Kai Seefried, Katharina Meifert und Tim Detering auf der Brücke der Lühe-Schulau-Fähre nach der Präsentation des Tourismuskonzept für den Landkreis Stade (von links). Foto: Vasel
Die Tourismusverband im Landkreis Stade hat sein neues Konzept vorgestellt - symbolträchtig bei einer Fahrt über die Elbe. Ines Utecht setzte einen neuen Kurs.
Grünendeich. „Auf zu neuen Ufern“ - unter diesem Motto haben Katharina Meifert und Tim Detering von der BTE Tourismus- und Regionalberatung auf der Lühe-Schulau-Fähre das neue Tourismuskonzept für den Landkreis Stade vorgestellt.
Landrat Seefried: „Wir müssen besser werden“
„Wir wollen die Urlaubsregion fit für die Zukunft machen. Wir müssen besser werden“, sagte Landrat Kai Seefried. Der Tourismus ist ein harter Standortfaktor, sagte er und verwies auf die dwif-Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus“ von 2025. Tagesausflügler und Touristen sorgen für einen Gesamtumsatz von 310 Millionen Euro im Jahr.
Von 1,02 Millionen Übernachtungen und acht Millionen Tagesreisen hatte der Geschäftsführer von dwif-Consulting aus Berlin, Karsten Heinsohn, gesprochen. 70 Prozent der Umsätze werden über Tagesreisen generiert. Die BTE-Kollegen teilten bei der Fahrt über die Elbe die Auffassung, dass die Potenziale noch nicht ausgeschöpft seien.
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Zahlen seien steigerungsfähig
Übernachtungszahlen und -dauer seien noch zu steigern. Aktuell reiche die Aufenthaltsdauer von 1,8 Tage in Nordkehdingen bis 5,2 Tage in der Samtgemeinde Lühe (Feriendorf). Die Gäste kommen vor allem aus Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.
Der Anteil ausländischer Gäste, vor allem Niederländer, Dänen und Schweden, ist mit zehn Prozent eher gering. 450 Unterkünfte gibt es. Anbieter von Ferienwohnungen und -häusern dominieren mit einem Anteil von 80 Prozent. Klassische Hotels sind in der Minderheit.
Tourismus lebt vor allem von den Tagesausflüglern
Das Tagesausflugspotenzial in der Metropolregion Hamburg sei mit 5,4 Millionen Einwohnern groß. 960.000 Menschen leben im 60-Minuten-Radius um den Kreis Stade. Diese bilden den wichtigsten Quellmarkt für Kurzaufenthalte und Tagesbesuche.

Landrat Kai Seefried und Ines Utecht, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes, bei der Vorstellung an Bord der Lühe-Schulau-Fähre. Foto: Vasel
Rund ein Jahr lang hatten 20 Akteure aus dem Kreis Stade die Stärken, Schwächen und Chancen der Urlaubsregion herausgearbeitet. Mit BTE entwickelten Vertreter der Touristinfos und Wirtschaft unter Federführung des Tourismusverbandes Landkreis Stade/Elbe das Konzept.
Gemeinsam neue Potenziale in Stadt und Land heben
Mit den Hansestädten Stade und Buxtehude und dem Alten Land als größtes Obstanbaugebiet Nordeuropas habe die Region einiges zu bieten. Diese seien die Anker der Urlaubsregion. Jetzt gelte es, auch die Potenziale der bislang weniger im Fokus stehenden Erlebnisräume Kehdingen und Stader Geest zu heben - und alles zu vernetzen.
Die Kritik klang deutlich durch: Wichtige Profilbausteine wie Fahrradfahren, Wandern, Natur- und Landerleben, maritimes Erleben oder wetterunabhängige Angebote seien nur punktuell entwickelt und kaum verknüpft. Es fehlten Angebote mit starker überregionaler Strahlkraft.
Gehobenes Segment zu schwach vertreten
Die BTE Tourismus- und Regionalberatung mahnte an, an der Qualität zu arbeiten. Unter anderem gebe es zu wenig Hotels und Ferienwohnungen und -häuser im gehobenen Segment des Vier- bis Fünf-Sterne-Bereichs in der Urlaubsregion. Hier gibt es nur das Elbstrand Resort auf Krautsand und das Navigare in Buxtehude. Abgesehen vom Baumhaushotel auf Krautsand fehlen laut BTE außergewöhnliche Angebote.
Radwege-Infrastruktur muss verbessert werden
Die Qualität der Radwege-Infrastruktur entspreche nicht den Anforderungen einer wettbewerbsfähigen Radregion. Dabei könnte die Urlaubsregion mit ihrem 1000 Kilometer umfassenden, ausgeschilderten Radwege-Netz durchaus punkten. Doch Radwege seien vielerorts sanierungsbedürftig, andere weisen Lücken und fehlende Anschlüsse auf.
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Mit Verleih- und Serviceangeboten, Ladestationen und Elbe-Radwanderbus seien wichtige Bausteine vorhanden, die den Radtourismus unterstützen. Rastplätze, Abstellanlagen oder fahrradfreundliche Gastronomie und Unterkünfte fehlen. Noch seien Qualitätsstandards, wie sie die Gäste aus anderen Radregionen gewohnt seien, nicht erreicht. Zertifizierte Qualitätsrouten fehlen ebenfalls.
Damit nicht genug: Auch der ÖPNV sei - insbesondere das Busangebot auf dem Land - nicht ausreichend. Verspätung und Zugausfälle im S-Bahn-Bereich beeinträchtigten den Tourismus.
Mehr Wanderwege und maritime Erlebnisse
Des Weiteren fehle ein landkreisweites Wanderwegenetz. Buxtehude und Horneburg seien Vorreiter. Doch mit den Wanderregionen wie Harz, Lüneburger Heide oder Weserbergland könne der Kreis nicht mithalten.
„Die maritime DNA wird an zu wenigen Stellen greif- und erlebbar“, sagte BTE-Experte Detering. Vorbildlich sei Stade mit Stand-up-Paddle-Trails, Kanuverleih, Holzhafen-Sauna sowie Ausflugsfahrten mit historischen Schiffen.
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Organisatorisch liege viel Arbeit vor den Touristikern. Kritisiert wurden auch: zersplitterte Kommunikation, Online-Präsenzen, Markennutzen sowie eingeschränkte Sichtbarkeit und Buchbarkeit von Angeboten. Das soll sich ändern.
Touristiker schnüren Maßnahmenbündel
Das Konzept sieht 17 Maßnahmenbündel vor. Erste Projekte laufen: Landrat und Kreistag wollen mehr Geld in die Radwege stecken. Ab 2027 werden Radler nach einem Knotenpunktsystem fahren können. Das ist Standard in vielen Radregionen. Konzept: Radeln nach Zahlen. Das Modell erleichtert laut ADFC die Orientierung erheblich. Utecht: „Davon profitieren auch die Einheimischen in ihrer Freizeit.“

Mit diesen Themen soll sich der Tourismus profilieren. Foto: BTE
Ergänzt wird es mit Umgebungskarten mit Infos zu Sehenswürdigkeiten und Gastronomie. Diese Routen seien analog und digital mit dem Smartphone zu befahren. Überdachte Rastplätze mit Trinkwasser-Auffüllstationen gehören dazu.

Erlebnis: Fahrradfahren am Deich mit Blick auf Elbe und Containerschiffe. Foto: Tourismusverband
Mehr Schlecht-Wetter-Angebote - in Museen und Natureum, aber auch Escape Rooms - sind weitere Ziele. Die Saisonalität sei zu ausgeprägt, Obstblüte und Apfelernte begrenzen die Hauptsaison.
Jüngere Zielgruppen sollen gewonnen werden. Über das Förderprojekt Moorregion werden 55 Sehenswürdigkeiten digital inszeniert. Urlauber werden ab 2027/2028 unter anderem mit einem Obstbauern oder Hansekaufmann flanieren können - Augmented Reality sei Dank. Die reale Welt wird um computergestützte Inhalte wie 3D-Modelle, historische und aktuelle Bilder oder Videos ergänzt. Diese werden mit Audio-Sequenzen auf Smartphone, Tablet oder Datenbrillen eingeblendet.
Immer wichtiger: Natur und Landschaft erleben
Außerdem gelte es, vom Megatrends wie Ökointelligenz zu profitieren: Gäste hätten ein Bedürfnis nach Naturerleben mit Formaten wie Obst erleben (Ernte, Verarbeitung, Konsum), Hofbesuchen, Umweltbildung, Slow-Food oder Vermittlung nachhaltiger Wertschöpfungsketten. Das fördere auch den Absatz regionaler Produkte.
Wasserwanderrouten für Kanu und SUP sind an der Este in der Pipeline. In Kehdingen ist eine Große Hafenrundfahrt per Rad angedacht, um maritimes Erbe erleben zu können. Weitere Radrouten sollen Marsch, Moor und Geest und Städte verbinden.
Auch Künstliche Intelligenz ist Thema. Ein KI-Chatbot als digitaler Reiseassistent ist geplant. Der soll Urlaubern alle Fragen beantworten, von der Unterkunft bis zu Gastro- und Ausflugstipps.
„Mit dem Konzept haben wir eine praxisorientierte Grundlage geschaffen, um unser touristisches Profil weiter zu schärfen und neue Gästegruppen gezielt anzusprechen - von jungen Aktivurlaubern bis zu Kulturinteressierten“, sagte Utecht. Der Schulterschluss aller Akteure sei Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung. Es gelte, Schwächen in Stärken zu verwandeln.
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