20 Jahre Opferhilfe: Auch in Stade wird gefeiert
20. Geburtstag: Denise de With und Anne Skaza geben vor dem Opferhilfebüro in Stade Rätsel auf. Foto: Stief
Als der damalige Justizminister Christian Pfeiffer die Opferhilfe Niedersachsen 2001 auf den Weg brachte, war das ein Meilenstein für Menschen, die Opfer einer Straftat wurden. Das ist jetzt 20 Jahre her und wird gefeiert. Auch im Opferhilfebüro in der Stader Altstadt.
Anne Skaza und Denise de With haben alle Vorbereitungen getroffen, damit die 20 geplanten Aktionstage am Montag im Büro am Wilhadikirchhof 3 beginnen können. Auch die Torten sind bestellt. Doch schneiden nicht die beiden Sozialpädagoginnen die Torte an, sondern die Gewinner, die die leckeren Preise mit nach Haus nehmen dürfen.
Der Reihe nach: Alle elf Opferhilfebüros in Niedersachsen haben sich zum 20-jährigen Bestehen der Einrichtung etwas ausgedacht. Die Staderinnen Skaza und de With haben sich für eine coronakonforme Variante entschieden. Sie tauchen ab Montag 20 Tage lang ihre Fenster, die zur Wilhadi-Kirche hin weisen, in oranges Licht. Nach dem Motto: „Helle Momente für den Opferschutz.“
Jeden Dienstag eine neue Aktion
Immer ab dienstags läuft eine Aktion, bei der es eine Torte und ein Buch zu gewinnen gibt. Da werden Lose gezogen (ab 2. November), Quizfragen gestellt (ab 9. November) und Rätsel sind zu lösen (ab 16. November). Eine wichtige Rolle dabei spielen die Fenster, an denen sich die Aktionen abspielen sollen, damit die durch Corona vorgegebenen Abstände eingehalten werden können. Zum Geburtstag der Opferhilfe ist auch ein Buch erschienen, das für 12,80 Euro in der Contor-Buchhandlung erhältlich ist. Wer „Türen öffnen – Einblicke in die Arbeit der Stiftung Opferhilfe Niedersachsen“ kauft, unterstützt damit die Arbeit der Helfer.
Auch wenn die Sozialpädagoginnen, die für Opfer im Großteil des Elbe-Weser-Raums eintreten, ihre Geburtstagsfeierlichkeiten auf Corona abgestimmt haben, so ist ihre alltägliche Arbeit kaum von der Pandemie betroffen. Die Zahl der Menschen, die als Opfer um Hilfe nachsuchten, blieb konstant. Die überwiegende Mehrheit ist weiblich, oft geht es um Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung.
Nicht nur Frauen können Opfer werden
Aber nicht nur Frauen, jeder kann von heute auf morgen in die Opferrolle geraten. Anne Skaza und Denise de With weisen da auf Wohnungseinbrüche hin. Die erschütterten viele Menschen in ihren Grundfesten. Das Vertrauen in andere Menschen ist plötzlich zerrüttet, das Gefühl der Sicherheit verloren. Da Einbrecher nur selten ermittelt werden, ist auch die Angst vor der Rückkehr des Täters oder der Täter groß.
Die Opferhilfe Niedersachsen mit ihrem Büro in Stade hat sich in den 20 Jahren seit Bestehen der Stiftung ein enges Netzwerk an Hilfestellungen aufgebaut. Daher sind Anne Skaza und Denise de With in der Lage, für viele Lebenslagen Hilfe zu vermitteln. Die Menschen, die als Opfer kommen, treibt vor allem die Frage um: „Was soll ich jetzt tun?“
Anne Skaza und Denise de With erklären viel. Was Polizei und Staatsanwaltschaften machen, wie es bei Gericht zugeht. Oft müssen die Opfer vor Gericht aussagen. Das müssen sie allerdings nicht allein. Ein Baustein der Hilfe ist die psychosoziale Prozessbegleitung. Niemand muss Angst davor haben, dass er allein in den Prozess gehen muss, um als Zeuge auszusagen. Seit einigen Jahren gibt es sogar einen Rechtsanspruch auf Prozessbegleitung. Im letzten Jahr machten im Landgerichtsbezirk Stade 20 Menschen davon Gebrauch.
Auch praktische Hilfe ist gefragt
Manchmal geht es bei den Hilfsaktionen ganz praktisch zu. Ein Stalking-Opfer stellte für seine neue Wohnung den Antrag, einen Sichtschutz bezahlt zu bekommen, weil es den nicht von eigenem Geld bezahlen könne. Eine Frau bat um die Reparatur ihres Autos, um wichtige Termine im Krankenhaus wahrnehmen zu können. Ein Mobbing-Opfer, das die Schule wechseln musste, wünschte sich Nachhilfeunterricht, um Versäumtes nachzuholen. Solche Anträge auf einmalige Finanzhilfe werden geprüft und haben gute Chancen, anerkannt zu werden, wenn der Bezug zur Tat deutlich erkennbar ist.
Drei Viertel der Menschen, die das Opferhilfebüro aufsuchen, sind weiblich. 120 Frauen weist die Jahresstatistik aus. Auffällig ist die hohe Zahl von Kindern und Jugendlichen, nämlich 33 im Jahr 2020. Meist hat die Polizei den Opfern den Weg aufgezeigt, von sich aus kommen nur zehn Prozent der Hilfesuchenden.
Manche wissen nicht, wo sie Hilfe bekommen können, andere schämen sich. Wer den Weg ins Opferhilfebüro in Stade gefunden hat, ist mit seinem Schicksal nicht mehr allein, sondern hat ein starkes Netzwerk hinter sich.
Kontakt
Die offene Sprechstunde der Opferhilfe ist mittwochs von 9 bis 13 Uhr. Interessierte können montags bis freitags Termine telefonisch unter 0 41 41/ 4 03 04 30 vereinbaren.