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24-Stunden-Reportage: Eine Nacht in Heinbockel

Janina Klintworth studiert auf Lehramt in Hamburg und arbeitet bereits seit acht Jahren an der Bar im „Musikladen Heinbockel“. Fotos Albus

Janina Klintworth studiert auf Lehramt in Hamburg und arbeitet bereits seit acht Jahren an der Bar im „Musikladen Heinbockel“. Fotos Albus

Jeden Freitag pilgern Hunderte junge Leute in die Dorfstraße 12 in Heinbockel. Während um sie herum die Partygäste ausgelassen feiern, sorgen Janina Klintworth und Nicole Hinrichs hinter dem Bartresen für Getränkenachschub. Zu Gast bei der Party-Institution schlechthin.

Von Laura Albus Dienstag, 03.07.2018, 17:51 Uhr

„Es hat sich einiges verändert in den letzten Jahren“, sagt Janina Klintworth. Sie läuft zum Kühlschrank, nimmt eine Dose Energy-Drink heraus, reicht sie über den Tresen und nimmt das Geld entgegen. „Die Leute hier werden immer jünger“, sagt sie, während die Musik für einen kurzen Moment leiser wird. Und nicht nur das Publikum werde immer jünger, erklärt sie: „Die Partys gehen auch immer später los.“ Mittlerweile fülle sich der Laden erst so ab Mitternacht, während noch vor einigen Jahren der Höhepunkt erreicht war. Die Barkeeperin stört das aber nicht.

Janinas Augen gleiten über den Tresen, aufmerksam auf der Suche nach neuen Gästen. Doch in diesem Moment ist die Kundschaft versorgt. Die Kundschaft – das sind zahlreiche junge Leute, die tanzen und Spaß haben möchten. Jeden Freitag von 22 Uhr bis 4.30 Uhr morgens geht die Musik an, und der „Musikladen Heinbockel“ öffnet seine Türen. Janina Klintworth arbeitet seit acht Jahren hinter dem Tresen in „Bockel“. Sie hat Spaß an ihrem Nebenjob und ist fast jedes Wochenende im Einsatz. Dadurch finanziert sie sich das Studium: Lehramt für Mathe und Geografie. Während der Woche ist sie an der Uni in Hamburg unterwegs, die Wochenenden verbringt sie hier in der Heimat. „Aber mittlerweile kenne ich gar nicht mehr so viele Leute hier“, erklärt sie lachend.

Die Männer-Truppe um Jannek, Sebastian und Nico kommt regelmäßig in „Bockel“ vorbei, um zu feiern.

Der Bass dröhnt. Es laufen Housemusik-Versionen von Chart-Hits – schließlich ist „My!House“-Party. DJ Jerome legt auf. Er ist regelmäßig in „Bockel“, wenn er nicht gerade in europäischen Party-Metropolen wie Lloret de Mar in Spanien oder Novalja in Kroatien auflegt oder als DJ die Hörer seiner Show bei Radio Hamburg in Partystimmung bringt.

Janinas Armbanduhr zeigt 2.35 Uhr. Trotz der Bekanntheit des DJs ist noch Platz auf der Tanzfläche und am Tresen. „Heute ist echt wenig los“, sagt Nicole Hinrichs, die ebenfalls an der Bar arbeitet. Normalerweise sei in der Stunde zwischen zwei und drei Uhr nachts der Höhepunkt der Party. Sie vermutet, dass es an den Schulferien liegt, die gerade begonnen haben. Die Schulpartys seien nun alle durch und die Jugendlichen in alle Lande verstreut. So feiern knapp 200 Leute. Deutlich weniger als in den vergangenen Wochen. Unter den feiernden Leuten sind Nico, Jannek und Sebastian. Die drei sind gut drauf, auch wenn der Laden nicht ausgelastet ist. Die Männer-Truppe kommt regelmäßig vorbei. „Immer, wenn es passt“, sagt Nico und zieht dann mit seinen Kumpels schnell weiter Richtung Tanzfläche.

Das Standardgetränk seit Jahrzehnten, das auch in dieser Nacht wieder unzählige Male über den Tresen geht, ist Cola-Korn. Ein Großteil der kleinen 0,2-Liter-Gläser ist auch gefüllt mit einem weiteren Getränke-Klassiker: Fanta-Korn oder aber dem Angebot des Abends: Vodka-Red Bull.

Die beiden Barkeeperinnen überlegen, was „Bockel“ ausmacht. „Günstige Getränke und die familiäre Atmosphäre“, sagt Janina Klintworth. Nicole Hinrichs fügt hinzu: „Ja, das stimmt, man kennt sich einfach.“

Trotz des Alkohols, der hier fließe, gebe es nur wenige Auseinandersetzungen und Prügeleien an ihrer Bar. „Und im Notfall haben wir hier ein Walkie-Talkie, über das wir die Security informieren können“, verrät Nicole Hinrichs. Das ist einer der Gründe, aus denen sie nicht mittrinken – egal, wie nett die Kunden fragen.

Knapp zwei Stunden werden Janina Klintworth und Nicole Hinrichs in dieser Nacht noch Cola-Korn über den Tresen reichen, mit Gästen schnacken und dafür sorgen, dass an ihrer Bar alles reibungslos abläuft. Dann werden sie schlafen, ihrer regulären Beschäftigung nachgehen, bevor sie am nächsten Freitag wieder für Getränke in der Kult-Disco „Heinbockel“ sorgen.

Für die Serie „24 Stunden: Reportagen rund um die Uhr“ verbringen TAGEBLATT-Redakteure je eine Stunde an einem Ort in der Region. Start und Ende der Serie ist 0 Uhr, was 24 Stunden und damit 24 Serienteile ergibt. Und das sind die Folgen:

  • Teil 1: In der Verpackungsindustrie
  • Teil 2: Im Altenheim
  • Teil 3: Im Musikladen Heinbockel
  • Teil 4: Im Elbe Klinikum
  • Teil 5: Mit dem Bevern-Bus on Tour
  • Teil 6: Auf dem Wochenmarkt
  • Teil 7: Im Tower bei Airbus
  • Teil 8: Der Hausmeister
  • Teil 9: Die Wasserschutzpolizei
  • Teil 10: Bei Stackmann
  • Teil 11: Auf der Baustelle
  • Teil 12: Der Parkplatzwächter
  • Teil 13: Am Bratwurststand
  • Teil 14: Der Tierpfleger
  • Teil 15: In der Demenz-WG
  • Teil 16: Am Strand
  • Teil 17: Bei der Orgelführung
  • Teil 18: Der Streetworker
  • Teil 19: Bei der Ernte
  • Teil 20: Beim Party-Service
  • Teil 21: Im Freibad
  • Teil 22: Beim Kampfsport
  • Teil 23: Im Einzelhandel
  • Teil 24: In der Kneipe

 

24-Stunden-Reportage: Eine Nacht in Heinbockel

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