Zähl Pixel
Archiv

DFB-Mann Augustin: Engländer überholen Deutschland

Der ehemalige Stützpunktkoordinator Bernhard Augustin berät die JFV Buxtehude. Archivfoto: Berlin

Der ehemalige Stützpunktkoordinator Bernhard Augustin berät die JFV Buxtehude. Archivfoto: Berlin

Der englische Jugendfußball scheint den deutschen derzeit rechts zu überholen. Diese These stellt der Stader Bernhard Augustin auf, der für den Deutschen Fußballbund (DFB) die Stützpunkte und das Talentförderprogramm in Norddeutschland koordiniert.

Von Daniel Berlin Donnerstag, 14.06.2018, 10:00 Uhr

Die englische U 20 ist amtierender Weltmeister, die U 19 gewann die Europameisterschaft. Der deutsche Nachwuchs reiht sich nach einigen Jahren großer Erfolge mittlerweile dahinter ein. Auch Spanien und Frankreich sind den Deutschen auf den Fersen. Mit dem neuen Konzept „Unser Weg“, das der DFB seit etwas mehr als einem Jahr an der Basis umsetzt, versucht er, international wieder ganz an die Spitze zurückzukehren.

Nach der schwachen Europameisterschaft der Deutschen A-Nationalmannschaft in Belgien und den Niederlanden im Jahr 2000, als sie ohne Sieg bereits in der Vorrunde ausschied, reagierte der DFB und legte das Talentförderprogramm auf. Stützpunkte entstanden. Kein aussichtsreiches Talent sollte im deutschen Fußball unentdeckt bleiben. Der DFB orientierte sich vor allem am spanischen Kurzpassspiel und lernte von den Philosophien der Franzosen und der Niederländer.

Deutschland war seinerzeit weltweit Vorreiter in Sachen Nachwuchsförderung. Zu den Stützpunkten gesellten sich die Nachwuchsleistungszentren der Bundesligavereine. Der DFB nutzte das ausgeprägte Schulsystem und etablierte an den Schulen Arbeitsgemeinschaften. Die Förderung begann bei den Elfjährigen. Mittlerweile schaffen es 70 Prozent der Talente vom Stützpunkt in ein Nachwuchsleistungszentrum. Aber nur 1,8 Prozent der jährlich gut 100 000 Talente schaffen es auch in die 1. Fußball-Bundesliga.

Europa lernte von den Deutschen. „Die Engländer haben gemerkt, dass sie mit ihrer alten Philosophie international nicht mithalten können“, sagt Augustin. Mit der körperbetonten Spielweise, den langen Bällen und dem Kopfballspiel im Sturmzentrum. Aus der an deutsche Konzepte und Strukturen angelehnten Ausbildung, gepaart mit der eigenen Mentalität, sei gerade bei den Engländern eine erfolgreiche Mischung entstanden.

Bernhard Augustin sagt, dass Bundestrainer Joachim Löw und seine Analysten überlegt haben, was dem deutschen Fußball fehlt. Die Wunschliste landete über die Trainerstäbe und die sportliche Leitung des DFB schließlich in Arbeitsgruppen. Dort überlegten im konkreten Fall Experten, wie an der Basis offensives und defensives Zweikampfverhalten, trainiert werden kann. Entstanden ist das Konzept „Unser Weg“.

Die neue Marschrichtung beinhaltet den ultimativen Kampf um den Ballbesitz, aber auch soziales Verhalten und professionelle Einstellung. Online hat der DFB ein Portal für Trainer geschaffen, in dem für jedes Alter spezifische Trainingsschwerpunkte hinterlegt sind. So lernen die Kinder in einem Quartal das Toreschießen und im nächsten ausschließlich das Zweikampfverhalten. Die Trainer dokumentieren die Daten jedes Spielers.

Sie können sich Videosequenzen ansehen und analysieren, wie andere Nationen zum Erfolg kommen wollen. Sie können ihr eigenes Training aufzeichnen und auswerten. Sie sollen ihre persönliche Note einfließen lassen. Als Krux bezeichnet Augustin allerdings, dass Trainer in den Nachwuchsleistungszentren taktisch manchmal andere Auffassungen haben, als der DFB in seinem Konzept vorgibt. „Unser Weg“ solle dem deutschen Fußball wieder mehr Stabilität geben, sagt Augustin.

Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.