Der 100-Punkte-Traum: Hertha enteilt der Konkurrenz
Siegtreffer in der Nachspielzeit: Brekalo (M) sorgt für den Hertha-Sieg. Foto: Andreas Gora/dpa
Hertha BSC verblüfft die 2. Fußball-Bundesliga. Auf den großen Ausverkauf im Sommer folgt der Höhenflug. Warum ein Döner das Symbol der Berliner Saison ist.
Berlin. Bei Hertha BSC scheint derzeit selbst das Unmögliche möglich. Die Fans träumen längst von einer perfekten Saison und singen seit Wochen: „Wir werden ungeschlagen sein – 100 Punkte, Hertha BSC!“ Tatsächlich ist die gewagte Rechnung nicht einmal unmöglich. Gewinnt der Hauptstadtclub seine verbleibenden 25 Saisonspiele in der 2. Fußball-Bundesliga, knackt er punktgenau die 100-Punkte-Marke.
Schon jetzt ist Hertha der Konkurrenz enteilt. Weil der 1. FC Nürnberg gegen den 1. FC Kaiserslautern (0:1) patzte und auch der VfL Wolfsburg gegen den VfL Bochum (1:1) Punkte liegen ließ, beträgt der Vorsprung des ungeschlagenen Tabellenführers auf Rang zwei bereits sieben Zähler. Nach dem achten Sieg im neunten Spiel rechnete TV-Experte Torsten Mattuschka bereits den Weg zum Aufstieg vor.
Coach Leitl: „Gar nicht so viel nachdenken“
Trainer Stefan Leitl will von einer Vorentscheidung im Aufstiegsrennen hingegen nichts wissen. Über den Status seiner Mannschaft als Spitzenteam wollte der 49-Jährige nach dem Last-Minute-Sieg gegen Arminia Bielefeld (1:0) jedenfalls nicht groß sprechen. „Das könnt ihr so beschreiben oder so benennen“, sagte Leitl lediglich beim Pay-TV-Sender Sky.

25 Punkte aus neun Spielen: Hertha steht souverän an der Spitze. Foto: Andreas Gora/dpa
Viel wichtiger sei der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft. „Ihr seht ja diese Energie, die diese Mannschaft hat, und dieses Miteinander, diesen Spirit, auch mit den Fans.“ Seine Devise: „Einfach weitermachen, gar nicht so viel nachdenken, gar nicht mit Dingen befassen, sondern das tun, was wir beeinflussen können.“
Döner als Symbol der Berliner Saison
Mit 25 Punkten aus neun Spielen und wettbewerbsübergreifend zehn Siegen in elf Pflichtspielen übertrifft Hertha derzeit alle Erwartungen. Dabei hatten nach dem personellen Umbruch im Sommer viele einen Absturz befürchtet. Mit Fabian Reese, Kennet Eichhorn und Michael Cuisance verließen gleich mehrere Leistungsträger den Verein. Hertha wurde bestenfalls als Kandidat fürs Mittelfeld gehandelt.

Leitl sah einen dominanten Auftritt seines Teams. Foto: Andreas Gora/dpa
Doch das Gegenteil ist eingetreten: Die Mannschaft ist enger zusammengerückt, das Kollektiv zur großen Stärke geworden. Wie gut die Chemie stimmt, zeigt sich auch abseits des Rasens. Nach jedem Auswärtsspiel geht das Team gemeinsam Döner essen. Die Mischung macht’s - offenbar nicht nur im Fladenbrot, sondern auch auf dem Platz.
„Scheißegal, ich habe einfach das Tor gemacht“
Gegen Bielefeld brauchte es allerdings reichlich Geduld und etwas Glück. Trotz drückender Überlegenheit und zahlreicher Chancen drohte Hertha gegen die defensiv eingestellten Gäste lange ein torloses Remis. Erst ein Handspiel von Bielefelds Maximilian Großer in der Nachspielzeit ebnete den Weg zum Sieg. Kapitän Josip Brekalo verwandelte den fälligen Elfmeter, auch wenn Arminia-Torwart Jonas Kersken noch am Ball war.
„Klar, wenn du kurz vor Schluss einen Elfmeter gepfiffen bekommst mit VAR, ist das in dem Moment glücklich, aber in Summe total verdient. Wir haben das komplette Spiel beherrscht, wir haben es dominiert“, sagte Leitl. Brekalo brachte die Gefühlslage der Berliner nach dem nächsten späten Erfolg etwas rustikaler auf den Punkt: „Scheißegal, ich habe einfach das Tor gemacht.“

Der Kapitän sorgt für den Sieg: Brekalo (M) trifft per Elfer. Foto: Andreas Gora/dpa
Viel Zeit zum Feiern bleibt nicht. Schon am Mittwoch (18.00 Uhr/Sky) wartet im DFB-Pokal bei Regionalligist SSV Jeddeloh II die nächste Pflichtaufgabe, ehe es in der Liga zum 1. FC Kaiserslautern geht. Die Berliner Fans dürften derweil weiter von ihren 100 Punkten singen. Und Leitl wird alles daransetzen, dass seine Mannschaft dabei nicht zu sehr ins Träumen gerät.