TDer lange Weg zu neuen und günstigen Wohnungen in Stade
Philip Laing (links) und Ingomar Schumacher-Hahn planen und realisieren die zwei neuen Gebäude auf dem Festplatz in Stade. Foto: Strüning
Mehr als 30 Wohnungen will DSW Immobilien in Stade bauen, darunter auch 18 extrem günstige. Bis es so weit ist, muss nicht nur viel Bürokratie erledigt werden.
Stade. Im Frühjahr will Ingomar Schumacher-Hahn mit den Bauarbeiten auf dem ehemaligen Festplatz an der Harburger Straße in Stade starten. Seine gemeinsam mit Partnern betriebenen Firmen DSW und ISH planen, bauen und vertreiben die neuen Wohnungen. Der erste Entwurf geht auf das Jahr 2021 zurück. Geplante Bauzeit: 18 Monate.
Zuschlag für den Bau auf dem Festplatz bereits 2021
Vor vier Jahren konnte sich DSW den Bauplatz von der Stadt sichern, die einen Investorenwettbewerb ausgeschrieben hatte für das 2100 Quadratmeter große Grundstück in der Salinenstraße, nahe der Harburger Straße an der Grenze zum Autohaus Cordes. Das lag zum einen an der sozialen Komponente des Konzepts, aber auch an ökologischen Ideen. Lehmputz, nachhaltige Baustoffe, Photovoltaik, Mieterstrom-Modell und Luft-Wasser-Wärmepumpe wurden berücksichtigt.

Das Wohngebäude auf dem ehemaligen Stader Festplatz. Foto: DSW
Dann ruhte erst mal still der See, weil Baukosten und Finanzierung neu gerechnet werden mussten. Der ursprüngliche Entwurf war wirtschaftlich nicht mehr darstellbar. Schumacher-Hahn und Kollegen speckten ab.
Mehr Wohnungen wurden eingeplant, die aufwendig zu bauende und damit kostspielige Tiefgarage gestrichen. Geblieben ist die Grundidee, mit zwei Gebäuden auf dem Areal zu arbeiten. In einem entstehen 14 Eigentumswohnungen, sieben davon sollen schon reserviert sein, Quadratmeterpreis komplett: 5400 Euro.
18 Sozialwohnungen mit extrem niedriger Miete
Das andere Gebäude bietet extrem günstigen Wohnraum: Hier sollen 18 Sozialwohnungen entstehen. Die werden mit öffentlichen Krediten gebaut und haben eine Mietpreisbindung von gut 6 Euro, sagen Schumacher-Hahn und sein Kollege Philip Laing.
Wie schwer es ist, günstigen Wohnraum zu schaffen, zeigt ein Beispiel der Wohnstätte Stade, die bekannt ist für ihre preiswerten Wohnungen. Im entstehenden Neubau Kopenkamp-Mitte wird die Wohnstätte gut 14 Euro an Kaltmiete verlangen müssen.
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Die N-Bank bearbeitet derzeit die Anträge für die Projekte auf dem Festplatz, der Zins für die Darlehen liegt bei unter einem Prozent. „Die Umsetzung gestaltet sich schwierig. Wir warten auf die Finanzierung“, sagt Schumacher-Hahn. Warten gehört ohnehin zum Geschäft.
Der Bauantrag lag lange bei der Stadt. In diesem Fall habe das positive Folgen, denn die Baupreise seien in der Zwischenzeit gefallen. Pro Gebäude rechnen die Investoren mit einer Summe von sechs Millionen Euro. 25 Prozent müssen sie aus Eigenkapital aufbringen, das verlangen die Banken.
Bereits jetzt ist viel Geld in die Vorarbeit geflossen. „Wir haben richtig Geld versenkt bisher“, sagt Schumacher-Hahn. Bodengutachten mussten beispielsweise erstellt oder auch der Lärmschutz zum Start der Planungen beachtet werden. Das bedeutet viel Arbeit und viel Bürokratie.
Heizung oder Elektrik: Bei Planungen fällt viel Papier an
Die neuen, höheren Standards bei der eingebauten Elektrik müssen umgesetzt und nachgewiesen werden, der Brandschutz nimmt ein breites Feld ein wie auch eine möglichst emissionsfreie Energieversorgung mit der entsprechenden Technik. Da fällt viel Papier an.
Jetzt laufe bereits der Vertrieb für den Verkauf der Eigentumswohnungen. Die Hälfte müsse bereits im Vorverkauf abgesetzt sein, dann springen auch die Banken auf den Zug. In diesem Fall ist es die Kreissparkasse Stade. Auch sie muss auf Nummer sicher gehen, dass die Gelder aus den Darlehen in sichere Objekte fließen. Noch ist kein Stein auf den anderen gesetzt, aber sieben Wohnungen wurden bereits verkauft.
Typische Käufer seien ältere Ehepaare, die ihr Eigenheim veräußern und sich verkleinern wollen. Bei den Mietwohnungen benötigen Interessenten einen Wohnberechtigungsschein. Die Auswahl, wer einzieht, organisiert ISH Immobilien, die die Wohnungen vertreibt.
Ingomar Schumacher-Hahn sagte einst, als er den Zuschlag bekam: „Dass wir bei der Gestaltung des ehemaligen Festplatzes mitwirken können, macht mich stolz. Zumal unser Entwurf nachhaltigen, bedarfsgerechten Wohnraum mit Synergien fürs Quartier bietet und die Mobilität der Zukunft mitdenkt.“ Damit meint Schumacher, dass bei der Planung auch an Elektromobilität und Carsharing gedacht worden sei.
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