Elbe Klinikum: Das steckt hinter dem Schrittmacher für die Zunge
Professo. Dr. Ozan Gökler, Leitender Oberarzt der HNO-Klinik am Elbe Klinikum Stade, erklärt anhand eines Modells, wo der Zungenschrittmacher implantiert wird. Foto: Elbe Kliniken, Sebastian Braeutigam
Herzschrittmacher kennt fast jeder. Es gibt aber auch einen für die Zunge. Die HNO-Klinik im Elbe Klinikum Stade bietet ihn bei Schlafapnoe als Alternative zur Maske an.
Landkreis. Die Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Elbe Klinikum Stade hat ihr Behandlungsspektrum für Menschen mit obstruktiver Schlafapnoe erweitert. Mit der sogenannten Hypoglossusstimulation, umgangssprachlich als „Zungenschrittmacher“ bezeichnet, steht auch in Stade eine moderne operative Therapieoption zur Verfügung. Das Verfahren richtet sich an ausgewählte Patienten, bei denen die nächtliche Atemtherapie mit einer CPAP-Maske nicht ausreichend wirksam ist oder nicht vertragen wird.
Implantation durch ein HNO-Experten-Team
Die Implantationen werden von der HNO-Klinik unter der Leitung von Chefarzt Professor Dr. Randolf Riemann durchgeführt. Gemeinsam mit dem Leitenden Oberarzt Professor Dr. Ozan Gökler erweitert er damit die bereits langjährige schlafmedizinische Expertise des Elbe Klinikums Stade um eine zusätzliche operative Behandlungsmöglichkeit.
Schrittmacher erkennt gefährliche Atemaussetzer
Bei einer obstruktiven Schlafapnoe erschlafft die Muskulatur im Bereich der oberen Atemwege während des Schlafs so stark, dass sich der Atemweg wiederholt verengt oder vollständig verschließt. Die Folge sind Atemaussetzer, die den Schlaf erheblich beeinträchtigen können. Die Hypoglossusstimulation setzt gezielt an dieser Ursache an: Ein Mini-Stimulationssystem wird unter der Haut implantiert und mit dem für die Zungenbewegung zuständigen Hypoglossusnerv verbunden. Während des Schlafs erkennt das System die Atmung und stimuliert den Nerv passend zur Einatmung. Die Zunge wird dadurch nach vorne bewegt und der Atemweg offengehalten. „Die Hypoglossusstimulation ist für ausgewählte Patientinnen und Patienten eine sehr interessante Therapieoption, insbesondere dann, wenn eine CPAP-Therapie nicht ausreichend funktioniert oder nicht vertragen wird“, sagt der Chefarzt der HNO-Klinik.
Langjährige Erfahrung in der Schlafmedizin
Er verdeutlicht aber auch: „Entscheidend ist eine sorgfältige Diagnostik. Nicht jede Form der obstruktiven Schlafapnoe eignet sich für die Behandlung mit einem Zungenschrittmacher.“ Die notwendige Expertise in der Diagnostik schlafbezogener Atmungsstörungen ist am Elbe Klinikum Stade bereits seit vielen Jahren vorhanden. Seit 2010 wird unter der Leitung von Professor Riemann die entsprechende Diagnostik im Schlaflabor durchgeführt. Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf eine Schlafapnoe können dort umfassend untersucht und die Ursachen ihrer Beschwerden abgeklärt werden.
Was Schicht- und Nachtarbeit mit uns macht
Vor Implantation diverse Untersuchungen notwendig
Vor einer möglichen Implantation des Zungenschrittmachers sind weitere Untersuchungen erforderlich. Dabei wird unter anderem beurteilt, wie und an welcher Stelle sich die oberen Atemwege während des Schlafs verschließen. Zudem müssen bestimmte medizinische und anatomische Voraussetzungen erfüllt sein. „Mit der Hypoglossusstimulation können wir geeigneten Patienten eine wirksame Alternative zur klassischen Maskentherapie anbieten“, sagt Professor Ozan Gökler. „Von der schlafmedizinischen Untersuchung über die Beurteilung der individuellen Voraussetzungen bis zur operativen Therapie können wir die notwendigen Schritte eng aufeinander abstimmen.“

Professor Randolf Riemann (2. v. l.), Chefarzt der HNO-Klinik, gemeinsam mit seinem Team des Schlaflabors. Jährlich führt die HNO-Klinik mehr als 3500 operative Eingriffe durch. Foto: Elbe Kliniken, Sebastian Braeutigam
Diagnostik und Therapie wohnortnah möglich
Betroffene können die notwendige Diagnostik und, wenn die medizinischen Voraussetzungen erfüllt sind, auch die operative Behandlung wohnortnah erhalten. Eine unbehandelte obstruktive Schlafapnoe kann die Schlaf- und Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Mögliche Anzeichen sind lautes Schnarchen, beobachtete Atemaussetzer, morgendliche Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme und ausgeprägte Tagesmüdigkeit. Darüber hinaus ist eine obstruktive Schlafapnoe mit einem erhöhten Risiko für verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. (iha)
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