TGender-Engel und andere Kunstwerke hängen in ihrem Atelier
Tag der Druckkunst, Artothek, Bullenverleihung - die Künstlerin Britta Lange hat schon viele Türen für die Druckkunst geöffnet. Hier ein Einblick in die Welt ihres Schaffens.
Das Einfamilienhaus in Buxtehudes Süden, in dem Britta Lange mit ihrer Familie lebt, wirkt eher unscheinbar. Doch innen entfaltet sich ihre Druckkunst in nahezu jedem Raum. Hier hat die Künstlerin Platz für Workshops für Erwachsene und Jugendliche und auch für ihre große Druckerpresse. „Der Druck ist die erste mediale Gestaltungsform der Menschen“, sagt Britta Lange. Die studierte Kommunikationsdesignerin und Art-Direktorin hat sich 2001 aus der Werbebranche verabschiedet und sich seitdem intensiv mit künstlerischen Drucktechniken beschäftigt. „Im Unterschied zum Malen gibt es hier zwei Schritte - erst die Form und dann erst die Farbe.“
Zu ihren Spezialgebieten zählen die Radierungen, eines der ältesten Tiefdruckverfahren der Welt, mit den Techniken Kaltnadel, Strichätzung, Aquatinta und Vernis Mou. Des Weiteren beherrscht sie die bei vielen bekannteren Hochdrucktechniken Holzschnitt und Linolschnitt und die moderne Form der Monotypie mit Acrylfarbe, den Gelli-Print oder auch Gelatine-Druck genannt.
Ausstellung von BBS-Schülern im Schleusenhaus
Britta Lange hat schon so manche Türen für ihre Druckkunst geöffnet. Etwa in Schulen in Buxtehude, Horneburg und Stade, wo sie Kinder, Jugendliche und Erwachsene unterrichtete. Auch die Tür zum Schleusenhaus hat sie über den Kunstverein für die Stader BBS-Schüler ihres Kunstunterrichts für eine Ausstellung geöffnet.
Die künstlerischen Drucktechniken des Hochdrucks, Tiefdrucks, Flachdrucks, Durchdrucks und deren Mischformen wurden 2018 in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Deutschen Unesco-Kommission aufgenommen. Seitdem hat Britta Lange in Buxtehude jährlich Türen für den Tag der Druckkunst geöffnet, etwa dieses Jahr im März die Pforte zum historischen Zwinger, der eine optimale Kulisse für die Druckkunst bot. Unter Corona-Bedingungen machten etliche Künstler und Künstlerinnen, Druckwerkstätten, Museen, Galerien und Kunstvereine in ganz Deutschland ebenfalls auf die Bedeutung der Druckkunst aufmerksam.
Bunny Zwannys als Corona-Schmerzensgeld
Als mit dem Corona-Lockdown das kulturelle Leben starb und Absagen und geschlossene Ausstellungen den Künstleralltag bestimmten, initiierten zwei Nürnberger Künstler, Martin Droschke und Oliver Hess, eine Selbsthilfe-Aktion - mit dem Appell an alle Künstler: „Gestaltet und druckt falsche Fünfziger! Legt eure eigene Währung auf.“ Britta Lange beteiligte sich an dieser deutschlandweiten Aktion und druckte als „Schmerzensgeld“ für Liebhaber der Druckkunst zwei Motive ihrer Buxtehuder Bunny Zwannys im Wert von 20 Euro, die sie gegen Bargeld umtauschte.
Selbst die Tür der Buxtehuder Halepaghen-Aula öffnete sich für die Druckkunst bei der Verleihung des diesjährigen Buxtehuder Jugendliteraturpreises „Buxtehuder Bulle“. Die beiden deutschen Übersetzer des Siegertitels „Anzus - Das Flüstern der Raben“ erhielten bei der Verleihung auf der Bühne Britta Langes Druckkunstwerk „Jungbulle Ferdinand“ von der Hansestadt Buxtehude überreicht. Britta Langes großer Bulle „Red Bull“ wurde bereits im vergangenen Jahr in die Buxtehuder Artothek aufgenommen und kann dort von Bürgerinnen und Bürgern ausgeliehen werden. Der diesjährige Siegertitel der dänischen Schriftstellerin Malene Sölvsten inspirierte die Buxtehuder Künstlerin außerdem zu einem mehrfarbigen Holzschnitt eines Raben, den es im Format 50 mal 50 Zentimeter oder auch als Postkarte gibt.
Weihnachtsmarkt im Atelier
Auch im nächsten Jahr öffnet die Künstlerin wieder ihre Türen für Workshops und Kurse für Erwachsene und speziell für Jugendliche jeden Donnerstag in ihrer Druck-Werkstatt in Buxtehudes Süden.
Am heutigen Sonnabend, 3. Dezember, werden die Türen zu dem „Weihnachtsmarkt im Atelier“ von 14 bis 19 Uhr geöffnet, zu dem Britta Lange und die Jorker Künstlerin Elena Kühn in die Schützenhofstraße 9 in Jork einladen. Hier präsentieren weitere Künstlerinnen aus der Region Kunst und Kunsthandwerk in weihnachtlicher Stimmung.
Die Adventsserie
Im Dezember öffnet das TAGEBLATT bis Heiligabend 24 Türen, hinter denen sich interessante Menschen und spannende Geschichten aus der Region verbergen. Den vierten Teil lesen Sie am Montag im TAGEBLATT oder schon am Sonntag auf TAGEBLATT online. Alle Folgen der Serie gibt es im Internet unter
Pünktlich zur Weihnachtszeit kommt der Gender-Engel „Sankt Pauli“ aus der Druckerpresse der Buxtehuder Künstlerin Britta Lange. Foto: Laudien