HSV-Trainer Walter muss Abwehrspieler Jonas David schützen
HSV-Verteidiger Jonas David präsentierte sich zuletzt fehlerhaft. Foto: dpa
Tim Walter freut sich auf die Endphase der Saison in der 2. Fußball-Bundesliga. Nächste Etappe ist in Kaiserslautern. Ein Spieler bekommt eine Einsatzgarantie, ein anderer einen Rüffel im Training.
Von Claas Hennig
Die Lust auf den Schlussspurt der Saison in der 2. Fußball-Bundesliga lässt sich HSV-Trainer Tim Walter nicht von erkälteten Spielern, Kritik an jungen Verteidigern oder laufunwilligen Stürmern nehmen. „Ich freue mich einfach drauf. Alles andere macht ja eh keinen Sinn“, sagte der 47-Jährige am Donnerstag in Hamburg. „Wir sind überzeugt von uns. Sonst würden wir nicht so reden.“ Dass nun ein Vierkampf um die zwei direkten Aufstiegsplätze und dem Relegationsrang entbrannt ist, interessiert Walter nach eigener Aussage ebenfalls nicht. „Es sind noch sieben Spiele zu gehen. Wir gehen ein Spiel nach dem anderen an“, meinte er.
Vor der Partie am Sonnabend beim 1. FC Kaiserslautern (20.30 Uhr/Sky und Sport1) sind die Hamburger (53 Punkte) Tabellenzweiter mit fünf Punkten weniger als der Erste Darmstadt 98. Der 1. FC Heidenheim liegt zwei Zähler hinter dem HSV auf dem Relegationsplatz. Der FC St. Pauli ist nach seiner Serie von zehn Siegen bis auf vier Punkte an die Heidenheimer auf Rang vier geklettert.
HSV-Trainer Walter zum Saisonendspurt: Lust statt Last
In Kaiserslautern muss Walter möglicherweise auf Moritz Heyer verzichten, der noch mit einer Erkältung zu tun hat. Heyer ist für die Viererkette vorgesehen. Mit Sicherheit spielen wird Jonas David. Walter verteidigte den nicht immer sicher wirkenden Abwehrspieler vor Kritik von außen. „Im Verband passt es einfach mit Bascho (Sebastian Schonlau) zusammen. Von daher bin ich total zufrieden„, sagte er. „Was andere darüber denken, ist mir völlig egal.“
Zuletzt hatte David am vergangenen Sonnabend im Spiel gegen Hannover 96 (6:1) in der Anfangsphase gepatzt und sich bei dem anschließenden Foul früh eine Gelbe Karte geholt. Im Laufe des Spiels hatte sich der 23-Jährige gefangen. „Ich fand, dass er in Situationen oftmals richtig gehandelt und es meiner Meinung nach gut zu Ende geführt hat“, sagte Walter. „Er ist ein junger Spieler, der immer peu à peu weiter wächst.“
Allerdings hatte David auch schon in anderen Spielen regelmäßig seine Fehler, vor allem wenn Abwehrchef Schonlau wegen Sperre oder Verletzung nicht an seiner Seite war. David muss die Lücke von Mario Vuskovic füllen, der wegen seiner Doping-Sperre seit Mitte November fehlt. „Wir machen es so, wie wir es immer machen: als Verbund“, sagte Walter. Er betonte aber auch: „Einen Mario Vuskovic werden wir nicht ersetzen können, weil er einfach eine Klasse hat, die man in der 2. Liga sucht.“
HSV: Dompé mit schlechter Trainingsleistung
Weniger zufrieden war Walter zuletzt mit dem angeschlagenen Jean-Luc Dompé. Der französische Offensivspieler war am Mittwoch wieder in das Team-Training eingestiegen. Am Donnerstag wurde er laut Medien erst von Kapitän Schonlau und dann von Walter lautstark gerüffelt. Dompé war nach einer Aktion nicht zurückgelaufen.
In der Pressekonferenz streichelte der Trainer dem 27-Jährige verbal wieder die Seele. „Es ist wie bei jedem anderen Spieler auch: Wenn er den Weg nach hinten nicht findet, nachdem er den Ball verliert, dann muss man es sagen“, meinte Walter. „Das trifft auf jeden Spieler zu. Wenn unser Kapitän oder jemand anderer das Gefühl hat, dass es nicht in dem Maße ist, dann darf man das sagen.“
Dompé habe so viel Qualität. „Wenn er von zehnmal siebenmal an dem Spieler vorbeikommt, dann jubeln alle. Wenn er dreimal hängenbleibt, aber hinterherläuft, dann lieben sie ihn. Das muss er noch mehr intus haben“, riet ihm Walter. „Ich glaube, dass er das versteht. Manchmal muss man ihn aber noch ermutigen. Das macht er dann auch.“
Lasogga und seine HSV-Zeit: „Immer nur Vollgas oder kein Gas“
Pierre-Michel Lasogga hat auch vier Jahre nach seinem Abschied noch immer eine ganz besondere Beziehung zum Hamburger SV. „Es war eine sehr, sehr spezielle Zeit. Mit den zwei Relegationsspielen, den vielen Abstiegsduellen. Es gab nur Höhen und Tiefen, nie Mittelfeldgeplänkel, bei man mal hätte durchatmen können“, sagte der 31 Jahre alte Fußball-Profi am Donnerstag in einem Interview des RBB. „Es war immer nur Vollgas oder kein Gas. Das prägt.“
Es habe auch viele Momente erlebt, in denen er dachte: „Hier will ich gerade nicht sein. Weil es nur drauf, drauf, drauf gab“, meinte der derzeit vereinslose Stürmer. „Aber insgesamt war es eine geile Zeit. Ich habe viele tolle Leute kennengelernt, der HSV hat eine riesige Strahlkraft. Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa, vielleicht sogar weltweit.“
Lasogga war 2014 von Hertha BSC aus Berlin zum HSV gekommen. In der Saison 2017/18 war er an Leeds United ausgeliehen und erlebte den ersten Bundesliga-Abstieg der Hamburger nicht mit. Nachdem der Aufstieg aus der 2. Bundesliga 2019 erstmals verpasst wurde, wechselte er nach Katar und spielte dort bis Sommer 2022 für zwei Clubs. Seitdem ist er ohne Verein. Seit Februar trainiert er beim VfB Lübeck mit, ist für den Tabellenführer der Regionalliga Nord aber nicht spielberechtigt.
Lasogga will Profikarriere im Sommer fortsetzen
Lasogga möchte seine Profi-Karriere im Sommer in jedem Fall fortsetzen. „Ich weiß, was ich kann und dass die nächsten Jahre noch seriöser Fußball drin ist“, meinte er. „Aber ich weiß auch, dass viele Leute erstmal sehen müssen, dass ich funktioniere.“ Vier Jahre auf gutem Niveau habe er „auf jeden Fall noch im Tank. Ich fühle mich gerade sehr, sehr gut. Mir macht’s Spaß. Aber man weiß nie. Wenn es am Ende zwei Jahre sind, sind es zwei Jahre.“ (dpa)