HSV-Trainer vor größter Bewährungsprobe – Personallage verbessert
Am Sonnabend kann Merlin Polzin wieder mit Stürmer Davie Selke, Ransford Königsdörffer sowie Verteidiger Sebastian Schonlau und Torwart Daniel Heuer Fernandes planen. Foto: Axel Heimken/dpa
Gleich mit dem Top-Duell gegen den Tabellenführer 1. FC Köln geht für den Hamburger SV die Zweitliga-Rückrunde los. Viele werden dann auf den zum HSV-Cheftrainer beförderten Merlin Polzin achten.
Hamburg. Vier Spiele war Merlin Polzin in der Zweitliga-Saison schon der verantwortliche Mann des Hamburger SV neben dem Platz. Und dennoch bringt das Top-Duell zum Auftakt der Rückrunde gegen den Tabellenersten 1. FC Köln eine Premiere für den 34-Jährigen. Erstmals wird er am Samstag (20.30 Uhr/ Sky und Sport1) als Cheftrainer das Spielfeld Richtung Bank gehen.
Für ihn und seinen Assistenten Loïc Favé ändere sich nichts, sagte Polzin bei der Spieltags-Pressekonferenz. „Es ist in jedem Spiel, bei dem wir, also Loïc und ich, angetreten sind, so gewesen, dass wir das Spiel gewinnen wollen“, meinte er.
Für sie sei festgestanden: „Wir haben eine Trainingswoche, wo wir uns auf den Gegner und auf unser eigenes Spiel einstellen, was wir sehen wollen am Wochenende. Und das war der Fokus, und der Fokus hat sich jetzt nicht verändert.“
Rückhalt in der Mannschaft
Einen Tag nach dem versöhnlichen Jahresabschluss am Samstag vor Weihnachten mit dem 5:0 gegen die SpVgg Greuther Fürth hatten die HSV-Verantwortlichen um Sportvorstand Stefan Kuntz das Trainer-Talent vom Interims- zum Cheftrainer befördert. Schon zuvor hatten die Wortführer im Team sich eindeutig für den gebürtigen Hamburger aus dem Stadtteil Bramfeld ausgesprochen.
„Er kennt die Jungs natürlich in- und auswendig. Das ist sicherlich ein Vorteil für ihn“, hatte stellvertretend Kapitän Sebastian Schonlau gemeint. „Er hat es geschafft, Inhalte reinzubringen, aber auch Lockerheit, Spaß und eine gewisse Gier.“
Mehr als ein Job für den Hamburger Jung’
Polzin soll in der Rückrunde nun das gelingen, was namhaftere Vorgänger wie der im November freigestellte Steffen Baumgart, Tim Walter, Daniel Thioune oder Hannes Wolf in den vergangenen Jahren seit dem Abstieg 2018 nicht gelang: der Aufstieg.
In Polzin und auch sein Co-Trainer Favé tragen jetzt zwei gebürtige Hamburger die Verantwortung. Der Aufstieg unter ihrer Leitung wäre ein schönes Stück Fußball-Romantik.
Die Arbeit beim HSV ist für Polzin und auch Favé auch nicht irgendein Job. Polzin trug schon früh die berühmte HSV-Raute im Herzen und identifiziert sich mit dem Club wie kaum ein anderer. Schon als Kind war er als Fußball-Fan im Volksparkstadion. „Wenn man die Raute auf der Brust tragen darf als Trainer, dann ist das in dem Fall für Loïc und mich immer was sehr, sehr Besonderes. Und das wird auch so bleiben“, sagte er.
Starker Hinrunden-Schlussspurt, gute Vorbereitung
Dass er den Auftrag Aufstieg erfüllen kann, zeigte er vor der Winterpause. In den vier Spielen vor der kurzen Winterpause holte er mit der Mannschaft acht Punkte und führte sie bis auf Platz drei.
Polzin setzt auf eigene Akzente. Den Feinschliff für die zweite Saisonhälfte gab er den Spielern im Trainingslager im türkischen Belek. Polzins Vorgänger Baumgart hatte keine Vorbereitung in der Ferne geplant. Nach Ansicht der Mannschaft war die Reise genau die richtige Maßnahme.
„Merlin ist das Teamgefüge sehr wichtig. Das betont er immer wieder“, sagte Mittelfeldspieler Jonas Meffert. „Ich fand den Teamspirit vorher auch schon sehr gut, aber natürlich hat uns das Trainingslager jetzt nochmal richtig gutgetan.“
Tabellenführer als erste Herausforderung im neuen Jahr
Der 1. FC Köln ist für Polzin und seine Spieler gleich der erste Maßstab, wie weit die Mannschaft ist. Wiederholen die Hamburger ihren Hinrunden-Erfolg in Köln, würden sie mindestens für einen Tag an die Tabellenspitze rücken.
„Natürlich ist ein absolutes Highlight-Spiel. Und wir wollen das Ganze auch so angehen und so bewerten, weil die Jungs einfach richtig Bock haben auf das Spiel“, sagte Polzin.
Heuer Fernandes und Selke dabei
Personell entspannte sich diese Woche die Situation. Torwart Daniel Heuer Fernandes meldete sich ebenso wieder fit wie Zehn-Tore-Mann Selke und dessen Sturmpartner Ransford Königsdörffer.
Noah Katterbach wird nach seinem Kreuzbandriss im Testspiel gegen Bukarest (1:2) in dieser Saison indes nicht mehr spielen. Angreifer Robert Glatzel und Schlussmann Matheo Raab befinden sich noch im Aufbautraining, Ludovit Reis wird bald wieder voll im Mannschafts-Training sein. Ob Schonlau schon wieder spielen kann nach seiner Grippe, wird erst am Freitag oder Samstag entschieden.