AbonnierenAbo
Zähl Pixel
EM-Qualifikation

Handballer Golla zwischen Seelenlast und Kapitänspflicht

DHB-Kapitän Johannes Golla will die MT Melsungen so schnell wie möglich verlassen.

DHB-Kapitän Johannes Golla will die MT Melsungen so schnell wie möglich verlassen. Foto: Swen Pförtner/dpa

Er kämpft mit persönlichen Sorgen, soll aber anderen Halt geben: Johannes Golla kehrt bei der EM-Qualifikation gegen Belgien ins DHB-Rampenlicht zurück. In welcher Verfassung?

Von Jordan Raza, dpa 02.11.2026, 09:00 Uhr
12 Monate Premium-Zugriff für nur 1,00 € pro Woche! Langfristig sparen!

Berlin. Fast einen Monat lang hat Johannes Golla öffentlich kein Wort mehr über seine persönliche Situation verloren. Keine Interviews, keine neuen Erklärungen zu seinem Wechsel-Wirbel und den Sorgen um seine mentale Gesundheit. Doch mit dem Start der EM-Qualifikation rückt der Kapitän der deutschen Handball-Nationalmannschaft wieder ins Rampenlicht - und mit ihm die Fragen, die ihn seit Wochen begleiten.

Wie sehr beschäftigt Golla der Medienwirbel? Und wie gelingt es ihm, sich wieder voll auf seine Rolle als Führungsspieler im DHB-Team zu konzentrieren? Erste Antworten dürfte das Länderspiel an diesem Donnerstag (20.30 Uhr) gegen Belgien liefern.

Gollas mentale Gesundheit „ernsthaft gefährdet“

Auslöser der Debatten ist Gollas überraschender Wunsch nach einer Rückkehr zur SG Flensburg-Handewitt. Erst im Sommer war der zweifache Vater nach acht Jahren an der Förde zur MT Melsungen gewechselt. Doch der Transfer in die hessische Heimat wurde für den 28-Jährigen zur emotionalen Belastungsprobe.

Johannes Golla wird Deutschland auch bei der Heim-WM als Kapitän aufs Feld führen. (Archivbild)

Johannes Golla wird Deutschland auch bei der Heim-WM als Kapitän aufs Feld führen. (Archivbild) Foto: Sina Schuldt/dpa

„Der Abschied von Flensburg und all den geliebten Menschen dort hinterlässt Spuren. Menschen, die mich gut kennen, haben längst gesehen, dass es mir nicht gut geht und es mittlerweile nicht mehr nur Heimweh ist, sondern meine mentale Gesundheit ernsthaft gefährdet ist“, schrieb Golla Anfang Oktober auf Instagram.

Gemeinsam mit seiner Frau habe er deshalb das Gespräch mit den Melsunger Verantwortlichen gesucht und sich dabei so verletzlich wie nie zuvor gezeigt.

Golla schweigt - andere diskutieren

Seine Kehrtwende löste eine Grundsatzdebatte über die Transferregeln im Handball aus. Dass Verträge oft Jahre im Voraus vereinbart werden, bezeichnete Stefan Kretzschmar als „katastrophale Entwicklung“. Welthandballer Mathias Gidsel drängte auf eine Reform.

Auch HBL-Präsident Uwe Schwenker sieht Handlungsbedarf. „Die sportliche Glaubwürdigkeit und die Identifikation leiden darunter“, sagte er. Die Handball-Bundesliga setzt jedoch auf eine europäische Lösung statt auf einen deutschen Alleingang.

Hanning: Golla weiß, „wie es in Melsungen aussieht“

Golla hatte seinen bis 2031 laufenden Vertrag in Melsungen bereits Ende 2024 unterschrieben. Anfang Oktober kündigte er diesen außerordentlich, zog die Kündigung inzwischen aber zurück. Sein Wechselwunsch besteht weiter. Zwar sollten Verträge eingehalten werden, schrieb Golla, er befinde sich aber „leider in einer Situation, in der mir das unmöglich erscheint. Ich bin mir im Klaren darüber, dass die Entscheidung für den Vertrag in Melsungen verfrüht war.“

Bob Hanning ist gegen die Einführung von Transferfenstern im Handball. (Archivbild)

Bob Hanning ist gegen die Einführung von Transferfenstern im Handball. (Archivbild) Foto: Andreas Gora/dpa

Laut „Bild“ enthält sein Vertrag eine Ausstiegsklausel über 500.000 Euro. Bei verpasster Europapokal-Qualifikation soll die Ablöse auf 350.000 Euro sinken. Strittig ist, ob sie 2028 oder erst 2029 greift. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur bot Flensburg zuletzt rund 700.000 Euro Ablöse, Melsungen fordert jedoch eine Millionensumme. Eine Einigung ist nicht in Sicht. 

„Dass er weiß, wie es in Melsungen aussieht, weil er da ursprünglich herkommt - davon konnten wir eigentlich schon ausgehen, oder?“, merkte Füchse-Boss Bob Hanning kritisch an.

DHB stärkt Golla den Rücken

Während seine Zukunft auf Vereinsebene offen ist, genießt Golla beim Deutschen Handballbund weiter volles Vertrauen. Auch bei der Heim-WM im Januar werde er die Auswahl als Kapitän anführen, sagte Sportvorstand Ingo Meckes der dpa. Golla trägt die Binde seit November 2021. Unter seiner Führung gewann Deutschland Olympia-Silber 2024 und wurde 2026 Vize-Europameister.

Gegen Belgien und drei Tage später in der Slowakei kann Golla nun dort Antworten geben, wo er sich am wohlsten fühlt: auf dem Handballfeld.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel