Herbstmarkt trotzt dem Regen
Seit mehr als 80 Jahren steht Familie Bode auf dem Herbst- und Pferdemarkt in Horneburg: Samtgemeinde-Bürgermeister Knut Willenbockel und Flecken-Bürgermeister Jörk Philippsen ehren Vera und David Hermann sowie René Ludwig Bode im strömenden Regen (von links). Fotos: Vasel
Horneburg. Das Traditionsvolksfest zog trotz Regens wieder Tausende an: Prost Jahrmarkt, hieß es am Freitag immer wieder. Morgens füllte sich der Herbstmarkt allerdings erst langsam. Die Horneburger feierten bis in die Nacht. Erst ging es auf den Markt, dann zu Stechmann auf den Saal. Das ist das elfte Gebot im Flecken.
Mit drei kräftigen Hammer-Schlägen auf den Amboss eröffnete der Flecken-Bürgermeister Jörk Philippsen am Freitag gegen 10 Uhr im Handwerksmuseum den Horneburger Herbst- und Pferdemarkt. Der Bürgermeister und die neue Pastorin Dorlies Schulze unterstrichen am Morgen mit Verweis auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und den Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel, dass es - angesichts schrecklicher Nachrichten - auch Tage wie diesen Freitag geben müsse, an denen Menschen „einfach ihre Seele baumeln lassen können, sich treffen, gemeinsam feiern und über die ganz banalen Dinge des Alltags reden können“.
Absagen wegenSchietwetter
Im strömenden Regen wagten sich die ersten Besucher bereits kurz vor der Eröffnung auf den Markt. 15 Schausteller und Kunsthandwerker waren wegen der Wetterlage nicht angereist, sagte Marktmeisterin Vanessa Heider. Für sie war es der letzte Herbstmarkt, sie wechselt bekanntlich zum Stadtmarketing Harsefeld. Myriam-Judith Reinwein-Kappelhoff folgt ihr als Tourismus- und Veranstaltungsmanagerin im Rathaus nach, sie war Pressesprecherin der Stadt Stade und des Stadeums.Gegen Mittag wurde es voller. McPiet, bekannt als inoffizieller Botschafter der Irish-Pub-Kultur, heizte den Besuchern vor der Brennerei Nordik ein. In Erinnerung an glorreichere Zeiten standen am Horneburger Bahnhof auch einige Pferde und Esel. In früheren Zeiten standen bis zu 1000 Pferde auf dem Herbstmarkt - um das Jahr 1900 noch der wichtigste Viehmarkt an der Niederelbe. Die Wurzeln reichen zurück ins Jahr 1734. Solange ist die Schaustellerfamilie Bode aus Kranenburg noch nicht auf dem Markt vertreten. Doch seit mehr als 80 Jahren reisen die Kranenburger an.
Horneburg dankt der Schausteller-Dynastie Der Flecken-Bürgermeister Jörk Philippsen und Samtgemeinde-Bürgermeister Knut Willenbockel ehrten die Familie Bode für ihre Treue zum Herbstmarkt. Unter anderem sind sie mit Wurfbude, Kinderkarussell und Süßwaren vertreten - auch mit Spezialitäten wie dem Mokka-Schaumkuss, den es bekanntlich nur in Stade und Horneburg gibt.„Bei Wind und Wetter kommen die Besucher in Horneburg“, betont David Bode. Der eintägige Markt profitiere von der „starken Heimatverbundenheit“, sagt der Kranenburger. In Zeiten der Inflation und hoher Energiekosten ziehe es viele Menschen wieder auf die Volksfeste - auch, weil Freizeitparks für viele Familien einfach zu teuer seien. Seit dem Ende der Corona-Pandemie stiegen die Besucherzahlen bei Volksfesten mit Tradition an, sagt der Vorsitzende des Schaustellerverbands in der Region. Mit einem Kuchenwagen ging es im Jahr 1939 in Horneburg los - ein Bulldog-Trecker zog den Wagen, vorher waren es Pferde. Die Schausteller-Dynastie hat viel zu erzählen: 125 Schuss feuerte ein junger Mann ab, doch bezahlen konnte dieser nicht. Frau Baronin musste tief ins Portemonnaie greifen. Sie nahm sich ihren Sohn zur Brust. Dieser lief anschließend mit hochrotem und hängendem Kopf immer wieder an der Schießbude vorbei. Legendär ist auch die Geschichte von dem Viehhändler, der laut David Bode sein Portemonnaie mit 3500 Mark vergaß, weil er nach dem Kauf eines Lebkuchenherzens nur Augen für seine Geliebte hatte.
Marktmeisterin Vanessa Heider zieht ihr letztes Fazit Der Herbstmarkt-Magnet für Jugendliche bleibt der Autoscooter am Marktplatz, doch auch die Beat Box am Burggraben, ein Fahrgeschäft für 18 Personen, die in einem überdimensionierten Scheibenwischer mit Bauchkribbeln-Garantie sitzen, zog vor allem Jugendliche an. Marktmeisterin Heider und Schausteller David Bode zogen am Abend gegen 20 Uhr eine durchwachsene, aber positive Bilanz. Auch Polizei und Security sprachen von einem friedlichen Markt. Bode: „Wir Schausteller haben in den Nicht-Starkregen-Phasen sehr gute Umsätze gemacht.“
Auch Pferde und Esel standen wieder am Bahnhof.

Nachmittags herrschte immer wieder dichtes Gedrängel auf der Horneburger Marktmeile.

Die Beat Box zog vor allem ältere Kinder und Jugendliche an.


Bummel bei Wind und Wetter: Gegen Mittag füllte sich der Herbstmarkt in Horneburg. Foto: Vasel

Marktmeisterin Vanessa Heider sagt Ade. Für sie war es der letzte Herbstmarkt, sie wechselt bekanntlich zum Stadtmarketing Harsefeld. Myriam-Judith Reinwein-Kappelhoff tritt in ihre Fußstapfen (von links). Foto: Elsen/Flecken Horneburg






