Heute vor 75 Jahren: Niedersachsen feiert Geburtstag mit viel Prominenz
Gerhard Schröder (von links), Alt-Bundeskanzler, und seine Frau So-yeon Schröder-Kim, Christian Wulff, ehemaliger Bundespräsident, und seine Frau Bettina Wulff stehen beim Festakt im Congress Centrum Hannover. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Niedersachsen zum 1. November 1946 aus den Ländern Hannover, Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe gebildet worden. Nun wird der 75. Geburtstag mit prominenten Gästen gefeiert.
Von Marc Niedzolka
Mit einem großen Festakt feiert Niedersachsen seinen 75. Geburtstag. Bei der Feier im Congress Centrum in Hannover wurden am Montagvormittag rund 2000 Gäste erwartet – darunter etwa Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) und Altbundespräsident Christian Wulff (CDU). Beide waren auch Ministerpräsidenten des Bundeslandes. Neben Gästen aus der Politik waren auch mehrere hundert Menschen eingeladen, die sich ehrenamtlich engagieren.
Der Festakt begann mit klassischer Musik, begleitet von Filmaufnahmen aus dem Bundesland – etwa von der Heide, von Apfelbäumen oder VW. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bezeichnete Niedersachsen bei seiner Rede als „schönstes Bundesland in Deutschland“. Zuvor kam am Montagvormittag ein kleinerer Kreis bereits zu einem Ökumenischen Gottesdienst in der Marktkirche in der Landeshauptstadt zusammen.
Festakt kostet 910.000 Euro
Für die Miete des Congress Centrums, das Catering für den Empfang und die Inszenierung des Festaktes entstehen dem Land nach Angaben der Staatskanzlei Kosten in Höhe von etwa 910.000 Euro. Diese werden aus dem für die 75-Jahr-Feier im Haushalt eingestellten Titel bezahlt.
„75 Jahre Niedersachsen – das ist eine vergleichsweise kurze Zeitspanne für eine beeindruckende Entwicklung, die in diesen 75 Jahren über alle Bereiche unseres Lebens hinweg stattgefunden hat“, sagte der CDU-Landesvorsitzende Bernd Althusmann laut Mitteilung.
Bürger feiern 2022 in Hannover
Die Bürger werden wegen der Corona-Pandemie erst im nächsten Jahr mitfeiern. Aufgrund der Planungszeit und der Unwägbarkeiten wurde der Tag der Niedersachsen auf den 10. bis 12. Juni 2022 gelegt. Das Land Niedersachsen und die Landeshauptstadt Hannover laden dann alle Bürger ein, das Landesjubiläum mitzuerleben.
Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) spricht beim Festakt. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Rund um das Neue Rathaus und den Maschsee erstrecken sich verschiedene Themenmeilen, die Informations- und Mitmachangebote bereithalten. Abgerundet werden die Feierlichkeiten durch ein buntes Rahmenprogramm auf verschiedenen Bühnen, in dem sich die typischen Charakteristika des Landes widerspiegeln.
Zur Geschichte des Landes
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Niedersachsen zum 1. November 1946 aus den Ländern Hannover, Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe gebildet worden. Wo heute Niedersachsen ist, lebte im frühen Mittelalter eigentlich der germanische Stamm der Sachsen. Ihr Herzogtum wurde im 8. Jahrhundert vom Frankenherrscher Karl dem Großen unterworfen.
Die Herrschaftsgebiete der Sachsen und damit der Name wanderten über die Jahrhunderte die Elbe hinauf bis ins heutige Sachsen-Anhalt und Sachsen. Zur Unterscheidung tauchte um das Jahr 1300 erstmals die Bezeichnung Niedersachsen für die flachen Gebiete im Norden auf.
Am 9. Juni 1948 stellte der wiederbeauftragte damalige niedersächsische Ministerpräsident Hinrich Kopf (5. von links) seine neue Regierung vor. Kopf stammte aus Neuenkirchen bei Otterndorf. Foto: dpa
Einst das Armenhaus des Landes
Ministerpräsident Weil erinnerte jüngst an die Anfänge des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg. „Niedersachsen war ein Land, das in großen Teilen bitterarm gewesen ist“ – etwa im Emsland oder entlang der früheren Zonengrenze zur DDR. Nun sei Niedersachsen ein starkes Agrar- und Industrieland, „ein Land im Herzen Europas“. Vor allem aber habe Norddeutschland noch nie so lange Frieden erlebt wie in 75 Jahren Niedersachsen. Das sei „wirklich eine großartige Bilanz“. (dpa)
Der Festakt im Congress Centrum kostet das Land etwa 910.000 Euro. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Stephan Weil (SPD, l-r), Ministerpräsident Niedersachsen, und seine Frau Rosemarie Kerkow-Weil, Gabriele Andretta, Präsidentin des Niedersächsischen Landtags, Thomas Smollich, Präsident des Niedersächsischen Staatsgerichtshofes, Christian Wulff, ehemaliger Bundespräsident, und seine Frau Bettina Wulff, Gerhard Schröder, Alt-Bundeskanzler, und seine Frau So-yeon Schröder-Kim sitzen bei einem ökumenischen Gottesdienst in der Marktkirche zur Gründung des Landes Niedersachsen vor 75 Jahren. Foto: Julian Stratenschulte/dpa