THorneburger Handball stand kurz vor dem Aus
Der VfL Horneburg muss sich in dieser Saison neu fokussieren. Fotos: Andreas Schlichtmann
Der VfL Horneburg hatte große Hoffnung in seine Handball-Talente aus der A-Jugend gesetzt. Doch durch den Abstieg der ersten Herren-Mannschaft sind nur noch wenige geblieben. Und auch der Trainer hat hingeschmissen.
Anfang Februar saßen acht Horneburger A-Jugend-Spieler auf einer Holzbank in der Sporthalle an der Hermannstraße und lächelten für das TAGEBLATT in die Kamera. Was der VfL damit zeigen wollte: dass vielversprechende Talente aus dem eigenen Verein bereitstehen - sie sollten den Horneburger Männer-Handball in eine erfolgreiche Zukunft führen.
Ex-Bundesligaspieler verlassen den Verein
Zu diesem Zeitpunkt stellten die Talente bereits Woche für Woche ihr großes Potenzial in der A-Jugend-Bundesliga, der höchsten deutschen Spielklasse im Jugendhandball, unter Beweis. „Da kommt eine Menge Qualität nach oben“, sagte Spartenleiter Stefan Hagedorn.
Doch zu Beginn der Saison 2022/23 ist von der Euphorie wenig übrig. Die meisten A-Jugendlichen haben den Verein verlassen. Und auch Trainer Christoph Hagedorn hat hingeschmissen. „Das haben wir uns natürlich anders vorgestellt“, sagt Spartenleiter Stefan Hagedorn.
Abstieg von der Verbands- in die Landesliga
Die Situation änderte sich nach dem Saisonende, als der Abstieg der ersten Mannschaft von der Verbands- in die Landesliga feststand. Die Talente verließen den VfL in Richtung Oberliga. Jonas Gerkens, Bjarne Maerz, Niklas Kortstegge und Lukas Fürste wechselten zum SV Beckdorf; David Lüer, Justin Saul, Dennis Klingebiel und David Meinke spielen beim TSV Bremervörde - und Top-Talent Ole Hagedorn beim VfL Fredenbeck (das TAGEBLATT berichtete). Vor einigen Jahren spielte der VfL Horneburg noch in der dritten Liga.
Trainer Christoph Hagedorn trat wenige Wochen nach dem Saisonende von seinem Amt zurück. „Ich habe die letzten Jahre reflektiert“, sagt er. Die Familie, der Job, die Corona-Entwicklung und auch der Verlauf der vergangenen Saison hätten bei seiner Entscheidung eine Rolle gespielt. Zehn Jahre lang hatte er durchgehend verschiedene VfL-Mannschaften trainiert. Stellvertretender Spartenleiter wird er erst mal bleiben.
Tim Philippsen übernimmt den Trainerposten
Tim Philippsen, Trainer der zweiten Mannschaft, erklärte sich kurzfristig bereit, auch die erste zu übernehmen und ein neues Team zu formen. „Ich stand vor einem Trümmerhaufen“, sagt er. „Aber was wäre die Alternative gewesen? Der Handball in Horneburg wäre tot gewesen.“ Von den ehemaligen A-Junioren sind nur Phillip Düselder und Tim Kröger geblieben. Erste und zweite Mannschaft trainieren jetzt zusammen - insgesamt rund 30 Spieler.
Tim Philippsen.
Dem 38-jährigen Tim Philippsen liegt der Handball in Horneburg am Herzen. Er selbst spielt seit Kindesbeinen beim VfL. „Schon meine Eltern waren Handballer. Ich bin ein absolutes Hallenkind“, sagt er. Seit 2020 trainiert er die zweite Mannschaft, die in der Regionsoberliga spielt. Einen Trainerlehrgang konnte er noch nicht absolvieren, weil er jetzt eine Mannschaft mehr betreut.
Neuer Trainer äußert Verständnis für die jungen Spieler
Philippsen sagt, er könne die Talente aus der A-Jugend verstehen, „die haben vorher in der Jugendbundesliga gespielt, die wollen nicht in der Landesliga herumkrebsen“. Allerdings hätten die Verantwortlichen früher Gespräche mit den Spielern führen können und ihnen neue Perspektiven aufzeigen können, findet er. Spartenleiter Stefan Hagedorn: „Uns sind durch den Abstieg nur noch wenige Argumente geblieben.“ Geld wird in Horneburg nicht gezahlt.
Die erste Herren-Mannschaft ist mit einer knappen Niederlage gegen den HV Lüneburg und einem Heimsieg gegen den TSV Daverden II in die Saison gestartet. Am 8. Oktober (19 Uhr) empfängt der VfL Horneburg den Tabellenführer SG Achim/Baden II. „Ich denke, dass wir irgendwo im Mittelfeld der Liga mitspielen werden“, sagt Philippsen. Der Abstieg werde sicherlich kein Thema sein. Und die Rückkehr in die Oberliga? „Dafür ist es noch zu früh.“