Zähl Pixel
Ehrenamt-Adventskalender

Jeder Kinderbrief ist eine Wundertüte

Meta Stielper – hier an der Wunschzettel-Stellwand ¨ – möchte die schöne Tätigkeit im Christkindpostamt in der Adventszeit nicht missen.

Meta Stielper – hier an der Wunschzettel-Stellwand ¨ – möchte die schöne Tätigkeit im Christkindpostamt in der Adventszeit nicht missen.

35.000 Zusendungen – und jeder Brief eine Wundertüte: Im Christkindpostamt in Himmelpforten haben Ehrenamtliche große Freude daran, auf Post an den Weihnachtsmann zu antworten. Eine von ihnen ist Meta Stielper. Die 80-Jährige ist seit 21 Jahren dabei.

Sonntag, 15.12.2019, 09:59 Uhr

„Wir sind hier eine eingeschworene Gemeinschaft“, lachen die Frauen am langen Tisch im weihnachtlich geschmückten Veranstaltungsraum der Villa von Issendorff. Ihre „Arbeitsfläche“ biegt sich unter gelben Postkästen, Briefstapeln, Stößen von frankierten Umschlägen, Schreibutensilien – und diversen Bastel- und Malarbeiten. Denn viele Kinder bekritzeln, bemalen und bekleben ihre Wunschzettel, fügen Gummibärchen und Glitzer, Engelchen und Teebeutel bei.

Vielleicht ist es Brief 17 498, den Meta Stielper an diesem Nachmittag öffnet (denn über 17 000 Antworten sind seit dem 28. November schon abgeschickt). Ein kleiner Lukas übermittelt mit schiefen Großbuchstaben, dass er sich ein „Haus für einen Hasen“ wünscht. Leider ist der Nachname auf der Adresse ähnlich krakelig verfasst. Meta Stielper schiebt den Umschlag zu Wolfgang Dipper. „Du Wolle, guck da mal drauf“, sagt sie zu dem ehemaligen Postbeamten, der das Christkindpostamt der Post in Himmelpforten seit 16 Jahren leitet – seit drei Jahren als Ruheständler ehrenamtlich.

{picture1}

Dipper ist sich sicher, den Namen richtig entziffern zu können – und Meta Stielper adressiert den diesjährigen Standardbrief, der an Kinder (und Erwachsene) in aller Welt herausgeht. Auch nach Namibia, Australien, Taiwan und Malaysia.

„Ich kann nicht still in der Ecke sitzen und über Krankheiten nachdenken“, sagt die früh verwitwete Himmelpfortenerin, die noch ganz allein Haushalt und Garten schafft und gerne unter Menschen ist (so wie früher, als sie noch als Verkäuferin arbeitete, unter anderem bei Stackmann in Buxtehude).

Stillsitzen ist auch im Christkindpostamt ein Problem für den „Wippstert“. Wie gut, dass „Meta“ den besten Kaffee kocht, gerne den Tisch deckt und Freude daran hat, die anderen zu verwöhnen. Die großartige Amerikatorte, die an diesem Tag auf dem Tisch steht, hat eine Nachbarin vorbei gebracht.

Die 80-Jährige gehört zur Nachmittagsschicht des Christkindpostamtes, in dem 24 Ehrenamtliche noch bis zum Heiligen Abend tätig sind. Sie sitzt mit Blick zu den Stellwänden, wo besonders schöne Briefe der Vorjahre angepinnt sind, ohne dass der Datenschutz verletzt wird. Das ist allen wichtig im Haus. Die gebürtige Staderin, die lange in Bayern lebte, kabbelt und frotzelt gerne. „Brav ist doch langweilig“, hat sie dem Weihnachtsmann geantwortet, der nebenan in der Weihnachtsmannstube residiert und auch Erwachsene fragt, ob sie artig waren.

Sie sei Skorpion, verrät die Rentnerin, und der habe nun mal einen Stachel. Die anderen Frauen im Raum lachen. Man versteht sich, ist vertraut miteinander. „Wenn wir im Advent zusammen kommen, ist es nach fünf Minuten wieder so, als hätten wir die lange Zeit dazwischen gar nicht gehabt“, sagt Milly Niethen. Sie ist im Team für die problematischen Briefe zuständig, die persönlich beantwortet werden.

Und weil der Zusammenhalt so schön ist, ist aus dieser Runde heraus die Feier für Alleinstehende und Interessierte am Heiligen Abend entstanden, die es seit einigen Jahren gibt. Klar, dass Meta Stielper auch da den Kaffee kocht und herumwirbelt, ebenso wie beim Frühstück 60+, zu dem der Seniorenbeirat regelmäßig in die Villa einlädt. In Himmelpforten sind die „jungen Alten“ und ehrenamtlich Tätigen gut verzahnt, vernetzt, vertraut. Wer im Christkindpostamt arbeitet, hat meist auch noch andere Ämter. „Bei den Landfrauen, im Museum, bei der Tafel“, listet Wolfgang Dipper auf. Der Burweger selber ist da keine Ausnahme und ebenfalls ein „Vereinsmeier“.

Meta Stielper hat schon vieles ausprobiert, war in Chor und Kegelclub, im DRK und im Gartenbauverein aktiv. Postler und Kegelfreund Hermann Bardenhagen war es denn auch vor 21 Jahren, der sie für das Christkindpostamt warb. Damals wurden die Briefmarken noch geklebt, und Dinge wie ein I-Phone und ein „Nerf“ waren noch nicht erfunden. Aber bis heute geblieben ist in den Kindergenerationen der Wunsch nach einem echten Tier zum Liebhaben, ob Hund oder Katze, Hase oder Pony. Und die Sehnsucht nach Frieden auf der Welt und Harmonie in der Familie...

Meta Stielper freut sich, wenn sie einen Brief öffnet, der von einer Oma geschrieben wurde. Das kommt recht häufig vor, oder es wird einer Großmutter vom Enkel gedankt. „Omas werden gebraucht“, lesen die Ehrenamtlichen aus der Post raus. So wie sie als ältere Ehrenamtliche gebraucht werden an diesem besonderen Ort.

Das TAGEBLATT öffnet in der Adventszeit jeden Tag ein Türchen. Hinter diesem Türchen verbirgt sich ein ehrenamtlich engagierter Mensch.

Gestern: Trainer in der Integrationssportgruppe
Morgen: die Blutspendehelferin

Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.