Junikäfer - Die Bruchpiloten im Garten
Junikäfer ähneln den Maikäfern, sind aber deutlich kleiner. Foto: Paulin
Sie fliegen am Abend taumelnd durch die Luft und landen mitunter an denkbar schlechten Stellen: in menschlichen Haaren oder im Weinglas. Warum die braunen Junikäfer so unbeholfen sind.
Ein warmer Abend im Juni, und dann dies: Große Insekten fliegen quer durch den Garten, taumeln im Flug um den Apfelbaum oder den Ahorn. Mal fliegen sie tief in das Blattwerk hinein, mal umkreisen sie den Baum. Sie wirken nicht gut orientiert. Ab und zu fliegt ein Tier auf den Beobachter zu und versucht sogar in dessen Haaren zu landen. Die dicken Junikäfer schwärmen. Es sind überwiegend männliche Tiere. Sie ähneln Maikäfern, sind aber deutlich kleiner und haben gerippte Flügeldecken.
Junikäfer orientieren sich nur an Schwarz-weiß-Mustern
Junikäfer können schlecht sehen. Sie orientieren sich an Schwarz-weiß-Mustern, können nur Silhouetten erkennen. Die Bruchpiloten am Abendhimmel haben nur ein Ziel: die Paarung. Die Männchen wollen brummend auf sich aufmerksam machen. Die Weibchen sitzen meistens im Geäst und warten, welches Männchen da wohl kommt. Zum Fressen haben sie kaum Zeit. Obwohl die mit den gefräßigen Maikäfern verwandt sind, Schäden im Blattwerk richten sie selten an.
Ausgewachsene Junikäfer leben nur zwei bis drei Wochen. Während dieser Zeit muss das Weibchen seine Eier im Boden abgelegt haben. Aus ihnen schlüpfen Larven, die für ihr Leben gern Wurzeln fressen. Wenn im sauber gemähten Rasen ein brauner Fleck auffällt, dann kann es sein, dass sich hier die Junikäfer-Engerlinge im dunklen Boden gütlich tun. Alle paar Jahre ist so etwas häufiger zu beobachten. Junikäfer brauchen für ihre Entwicklung zwei oder drei Jahre. Je nach Winterkälte oder Trockenheit im Sommer kann die Entwicklung verzögert oder verlängert werden.
Leichte Beute für Fledermäuse und Star
Mag sein, dass ein Junikäfer im Bier- oder Weinglas landet. Mag sein, dass manchem das Herz blutet, wenn der glattrasierte Rasen an einigen Stellen verbraunt. Was tun? Wird das Internet befragt, dann lautet zum Beispiel die Empfehlung, den Rasen intensiver zu düngen oder gar zu fräsen. Aber Vögel wie der Star können die Engerlinge im Boden gut orten und fressen. Junikäfer sind für Fledermäuse ein fetter Leckerbissen. Sie wurden sogar dabei beobachtet, wie sie auf dem Erdboden sitzen und auf Junikäfer warten, die sich nach dem Schlüpfen mühsam aus der Erde emporarbeiten.
Was kreucht und fleucht denn da in der Region? Wolfgang Kurtze, Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur. Das TAGEBLATT veröffentlicht die Artikel des promovierten Biologen in loser Reihenfolge.