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2. Bundesliga

Kapitäne sehen Rot: HSV gewinnt aufregendes Nordderby gegen Werder

Werders Christian Gross (rechts) bekommt von Schiedsrichter Sascha Stegemann nach einem Foul an Hamburgs Torwart Daniel Heuer Fernandes die Roten Karte. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Werders Christian Gross (rechts) bekommt von Schiedsrichter Sascha Stegemann nach einem Foul an Hamburgs Torwart Daniel Heuer Fernandes die Roten Karte. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Mehr Aufregung im Nordderby zwischen Werder Bremen und dem HSV war selten: Die Hamburger gewannen am Sonnabendabend das 129. Duell beim Nordrivalen mit 2:0 (2:0). Es war aufregend, es war hart: Zwei Platzverweise und acht Gelbe Karten stehen in der Bilanz.

Von Wolfgang Stephan Samstag, 18.09.2021, 21:52 Uhr

Was für ein Traumstart für den HSV: Noch ehe sich die 21.000 Zuschauer im damit ausverkauften Weserstadion auf das Nordderby eingelassen hatten, klingelte es im Bremer Kasten. 1:23 Minuten waren gespielt, als Moritz Heyer butterweich auf Robert Glatzel flankte, der sträflich alleine vor dem Tor stand und mit dem Kopf das 1:0 für den HSV erzielte, was den mitgereisten 1000 Hamburger Fans erst einmal die Sangeshoheit im weiten Rund bescherte.

Fortan ging es heftig zur Sache, mit Sascha Stegemann stand aber ein Schiedsrichter auf dem Platz, der von Anfang an für Ordnung sorgte und noch in der ersten Halbzeit zum Hauptakteur des Nordderbys werden sollte.

Erste Gelbe Karte nach fünf Minuten

Seine erste Gelbe Karte nach fünf Minuten für den Bremer Christian Groß sollte das erste Warnzeichen für die 22 Akteure sein, die aber weiterhin mit Derbyhärte agierten. Allerdings vornehmlich im Mittelfeld mit deutlich mehr Ballbesitz der Hamburger (62 Prozent nach 45 Minuten).

Allerdings gab es in der ersten halben Stunde kaum Strafraumaktionen und schon gar keine Torchancen. Dann allerdings sorgten die Bremer in der 30. Minute für Aufregung. Erst setzte Niklas Schmidt einen Freistoß knapp über das Tor, wenig später grätschte Bremens Kapitän Groß den Hamburger Torhüter Daniel Heuer Fernandes an der Auslinie so ungeschickt um, dass Stegemann ihm wieder Gelb und folgerichtig Gelb-Rot zeigen musste.

Hektik im Spiel

Nun war Hektik im Spiel. Vier Minuten später forderte ganz Bremen den Strafstoß, nachdem sich Marvin Ducksch und Sebastian Schonlau im Strafraum attackiert hatten und der Bremer zu Fall kam. Stegemann ließ weiterspielen, auch die Überprüfung aus dem Kölner Keller hielt seiner Entscheidung stand. Wieder nur vier Minuten später jubelten die Bremer nach einem Freistoß: Von der Strafraumkante hatte Ducksch das Spielgerät wunderschön über die Mauer ins Netz gezirkelt. Ein Traumtor. Doch Stegemann spielte wieder den Spielverderber und bremste den Bremer Jubel, was ihm wütende Proteste von den Rängen brachte. Mitchell Weiser hatte sich unmittelbar vor der Ausführung in die HSV-Mauer gestellt – was nicht den Regeln entspricht.

Mitten in die Bremer Aufregung starteten die Hamburger kurz vor dem Pausenpfiff ihren zweiten Angriff (!) über die rechte Seite: Bakery Jatta flankte direkt vor die Kiste und am hinteren Pfosten stand Moritz Heyer, der keine Mühe hatte, das 2:0 per Kopf zu erzielen.

 

Jatta vergibt Entscheidung

Es war das Ende einer ersten Halbzeit, die alles hatte, was ein Derby haben muss.

„Wir wollen den Derbysieg“ schallte es zu Beginn der zweiten Halbzeit aus dem HSV-Block, die gleich wieder spektakuläre Elemente hatte, weil Schonlau vor dem Strafraum Ducksch auflaufen ließ. Damit ging auch der HSV-Kapitän von Bord, weil er schon in Halbzeit eins verwarnt worden war.

Nach 60 Minuten hätte Bakery Jatta das Spiel entscheiden müssen, als er alleine mit Ball auf den Bremer Torhüter zulief, doch Zetterer verhinderte die Großchance der Gäste.

Bremer Sturmlauf

Mit der Gleichzahl der Akteure entwickelte sich in der letzten halben Stunde ein Spiel auf Augenhöhe. Die Bremer hatten in der 74. Minute den Anschlusstreffer vor Augen: Nach einem Konter war Daniel Heuer Fernandes aus seinem Tor geeilt und ausgespielt worden, doch der eingewechselte Niclas Füllkrug traf das leere Tor nicht.

Auch danach erspielten sich die Bremer weitere gute Gelegenheiten, die meist kläglich vergeben wurden.

„Oh, wie ist das schön, sowas hat man lange nicht gesehen“, sangen die seligen Hamburger Fans am Ende. Keiner konnte widersprechen.

Muskelverletzung: Der HSV muss auf unbestimmte Zeit auf den defensiven Mittelfeldspieler Maximilian Rohr verzichten. Wie der Verein kurz vor dem Derby mitteilte, habe sich der 26-Jährige im Training „eine komplexe Muskelverletzung im rechten Oberschenkel zugezogen“. Die Ausfallzeit wurde mit mehreren Wochen angegeben.

Hamburger Jubel um Torschütze Moritz Heyer. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Hamburger Jubel um Torschütze Moritz Heyer. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

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